27.08.2019 - 18:07 Uhr
Waldau bei VohenstraußOberpfalz

Gewalttätige Raubritter

Berüchtigt sind die Waldauer, die sich später auch Waldower nennen. Doch sie kommen zu Ruhm und Ehre und sind uralter Oberpfälzer Adel.

Die im neubarocken Stil neben der Burg Waldau erbaute Kirche besitzt drei bedeutende böhmisch-oberpfälzische Akanthus-Altäre. Der Hochaltar stammt aus der Burg-Kirche.
von Rainer ChristophProfil

Mit seinen beiden markanten Türmen ist die der kleine Ort Waldau, heute ein Ortsteil von Vohenstrauß, kaum zu übersehen. Ein Turm gehört zur alten Ministerialien-Burg der Waldauer, gelegen auf einem Serpentinfelsen, der andere zur Dorfkirche. Mit "Vircius de Waldauwe" tritt 1224 der erste Namensgeber aus dem Dunkel der Geschichte. Stammesverwandt sind die Waldauer, mit dem in der Nähe wohnenden Ministerialien-Geschlecht der Waldthurner. Beide Familien waren Reichsministeriale und Dienstmannen der mächtigen Grafen von Ortenburg-Murach.

Die Waldauer rücken in ihrer Anfangsgeschichte in die Nähe von gewalttätigen Raubrittern. Ein Heinrich von Waldau kam 1315 in den Kirchenbann, weil er bei einem Plünderungszug dem Kloster Waldsassen großen Schaden zugefügt hatte. Beraubt und zerstört hatte er bereits 2o Jahre davor die Kirche in Pirk bei Weiden. Tobias von Waldau, auf Waldthurn lebend, überfiel 1417 Miesbrunn und zerstörte rücksichtslos 19 Bauernhöfe. Mit der Zeit scheinen sie sich zivilisierter verhalten haben. Sie gehörten ja immerhin zum Uradel im Nordgau. Von der Familie gibt es bis heute Nachkommen. Die Waldauer besaßen die Vogtei über die Güter des Klosters Waldsassen in Albersrieth und erbauten die Burg Schellenberg an der Grenze zu Böhmen.

Ämter in Brandenburg

Im 14. Jahrhundert setzte Kaiser Karl IV. die Familie Waldau, die sich dann Waldow nannte, in Brandenburg in wichtigen Ämtern ein. Karl hatte den Südteil Neuböhmens gegen Brandenburg und das Havelland eingetauscht. Die Waldower bildeten mit weiteren Persönlichkeiten sein Netzwerk im neuen Herrschaftsgebiet. Namentlich bekannt sind Ritter Hentzlinus de Waldow und seine Nachfahren. Bereits 1344 erscheint er zu Rothenstadt bei Weiden und 1350 als Mitglied des bayerisch-brandenburgischen Heeres. Am 4. Juli 1352 wird er zu Spandau als Marschall von Markgraf Ludwig des Römers aus dem Haus Wittelsbach in einer Urkunde genannt. In dem Dokument gewährt Markgraf Ludwig zusammen mit seinem Bruder Otto der Stadt Luckow Zollfreiheit nebst den Wassermühlen und allen Mühlen in der Stadt.

Sie gelangten später weiter in die Neumark, die Markgrafschaft Meißen, nach Schlesien und nach Pommern, wo sie zu Besitz und Ansehen kamen. Eine Linie führt seit Anfang des 19. Jahrhunderts den Namen von Waldow und Reitzenstein. In der Oberlausitz errichteten Angehörige das Schloss Waldau unweit von Görlitz.

Nach dem Tod des letzten Waldauers, Georg von Waldau (1545), wurde die Herrschaft von seinen Erben an die Wirsberger (bis 1632) verkauft. Durch die häufigen Besitzerwechsel wurde die Burganlage bereits um 1600 baufällig. Die Lösung kam nach 1650 mit dem Neu- und Ausbau eines anschließenden Schlosses. Ständig wechselten die Besitzer. 1879 erwarben Leopold Engelmann aus Weiden und der Gasthofbesitzer Windl aus Mitterteich das Schlossgut. Sie sollten nicht die letzten sein. 1901 ging der Besitz an einen Wiesbadener über, nach diesem folgte bis 1937 der Porzellanfabrikant Johann Seltmann aus Weiden.

Schlosseigentümer

Seit 1938 ist die Familie von Heemskerck Schlosseigentümer. Die Ursprünge des Rittergeschlechts Heemskerck liegen im Mittelalter. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war ein Familienzweig in der Regierung der Stadt Delft. 1687 wurde das Geschlecht in den Reichsgrafenstand erhoben. 1896 wurde das Geschlecht in den preußischen Adel eingeführt.

Es gibt keine Hinweise, wann die erste Kirche in Waldau erbaut wurde. Festgehalten ist, dass sie 1601 "zusammenfiel" und "ein fein sauber Kirchlein neben seinem Malzhaus außerhalb des Schlosses" erbaut wurde. Die Einweihung fand am 19. Juli 1601 im Beisein des damaligen lutherischen Schlossherren Georg Christoph von Wirsbergs mit großem Anteil der Bevölkerung statt. Als Patronat wurde die "Heilige Dreifaltigkeit" gewählt. Sie stand mitten im Friedhof und im Dorf, dem heutigen Kirchvorplatz mit dem Maibaum. Von 1627 bis 1630 betreuten die Jesuiten Waldau. Während der Gegenreformation wurde die Filialkirche Waldau der katholischen Pfarrei Lennesrieth zugewiesen. Vor rund 360 Jahren erfolgte eine erneute als Filialkirche von Vohenstrauß-Altenstadt. Nun waren Kapuzinermönche in Waldau im Einsatz. 

Burg wird Kirche

Sie sollte nicht die letzte Kirche sein. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde auf Betreiben des Barons Johann Carl von Rummel nach dem Abriss der baufälligen alten Filialkirche im Ort die leerstehende Burg als Kirche eingerichtet. Der Bergfried diente als Turm, der Zwischenbau wurde zum Chor und der dreistöckige Wohnbau zum Kirchenschiff. In der Waldauer Chronik heißt es weiter: "Gleichzeitig wurde auch ein sog. Schlossbenefizium errichtet, d. h. eine Seelsorgestelle, die von der jeweiligen Schlossherrschaft bezahlt werden." 1721 wurden die Vorhalle und die Kirchenstiege, 1736 im obersten Bergfriedgeschoss ein Glockenstuhl errichtet. Seit dem Bau der neuen Kirche im Dorf im Jahr 1912 ist die Burg ohne Nutzung, wurde aber in den 50er und 80er Jahren durch Sanierungsmaßnahmen in ihrem Bestand gesichert.

Nach 1900 gab es Überlegungen, eine neue Kirche zu bauen. Dieses Vorhaben wurde 1912 mit dem Neubau der Filialkirche im neubarocken Stil nach den Plänen des Architekten Heinrich Hauberrisser (geboren 27. Juni 1872 in München; gestorben am 7. Juli 1945 in Regensburg) vollendet. Der Architekt erbaute in Pleystein das Kloster, die Pfarrkirche St. Sigismund, St. Erhard in Roggenstein, Maria Immaculata in Vohenstrauß, Sankt Vitus in Schnaittenbach und viele andere Kirchen in der Oberpfalz. Das heutige Gotteshaus wurde auf dem Platz des früheren Benefiziatenhauses errichtet, dem böhmischen Heiligen St. Johannes von Nepomuk geweiht und am 22. Mai 1932 durch den Regensburger Bischof Michael Buchberger konsekriert.

Die im neubarocken Stil neben der Burg Waldau erbaute Kirche besitzt drei bedeutende böhmisch-oberpfälzische Akanthus-Altäre. Zwei davon stammen aus der ehemaligen Burgkirche gleich nebenan. Es handelt sich dabei um den Hochaltar mit reich geschnitztem Antependium von etwa 1700 und dem etwas jüngeren rechten Seitenaltar, der dem Heiligen Johannes Nepomuk geweiht ist.

Nach Dr. Paul Mai, katholischer Priester, Historiker und ehemaliger Direktor des Bischöflichen Zentralarchivs in Regensburg, waren bei den beiden überführten Altären "zwei verschiedene Künstler am Werk". Für ihn ist der Hochaltar "eine gute, solide Arbeit", doch der größere Könner sei der Schöpfer des Nepomuk-Altars. Er begründet es damit, dass in ihm "elementar die ursprüngliche Idee des Distelbusches zum Durchbruch" kommt. Auch zeitlich stufte er den Hochaltar früher ein. Er vermutet, dass der Nepomuk-Altar nicht wesentlich nach 1717 entstanden sein dürfte, wenn der Prager Brückenheilige auch erst 1729 heiliggesprochen wurde.

Der Marienaltar, links der Apsis, wurde erst vor 71 Jahren errichtet. Der Akanthusrahmen ist ein Werk des Weidener Bildhauers Johann Wolfgang Rösch. Seine Werkstatt hatte er in der Seltmann-Straße. Es ist ein grundsolides Kunstwerk. Rösch schuf auch Figuren für die Elisabeth-Kirche in Weiden, die jedoch durch andere ersetzt worden sind. Bekannt war er in Weiden durch das Schnitzen von Holzkreuzen und Heiligenfiguren, die gerne verschenkt wurden.

Neuer Kreuzweg

Die Marienfigur im Rahmen stammt aus der Burgkirche. Aus ihr kamen auch die nicht mehr vorhandene Kanzel und die alten Kreuzwegbilder. Diese wurden 1949 durch einen neuen Kreuzweg ersetzt. Die Schnitzereien der Kanzel konnten als Antependien der Seitenaltäre wieder verwendet und ergänzt werden. Die beiden Figuren der Kirchenväter sind im Altarraum angebracht.

Die seit 1955 separat aufgestellten Figuren der Heiligen Petrus und Paulus wurden wieder wie ursprünglich in den Hochaltar integriert. Die Holzbänke und Holzpodien wurden erneuert, die Gestaltung des Altarraums (Volksaltar, Ambo) wurde nach den Vorschlägen des Künstlers Hans Wurmer aus Hausen ausgeführt. Kunstvoll eingefügt in den Volksaltar ist eine aus Prag stammende Reliquie des Heiligen Nepomuk. (Quellen: Chronik Waldau, Karl IV. in der Mark Brandenburg, Peter Staniczek: Katholische Filialkirche St. Johannes von Nepomuk in Waldau, in Kirchenführer zu Kirchen und Kapellen in der Stadt und Großgemeinde Vohenstrauß) 

1912 wurde die Filialkirche im neubarocken Stil nach den Plänen des Architekten Heinrich Hauberrisser vollendet.
Der rechte Seitenaltar ist dem Heiligen Johannes Nepomuk geweiht.
Der Marienaltar, links der Apsis, wurde erst vor 71 Jahren errichtet. Der Akanthusrahmen ist ein Werk des Weidener Bildhauers Johann Wolfgang Rösch.
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