26.07.2018 - 13:30 Uhr
Waldau bei VohenstraußOberpfalz

SV macht Bürgermeister nass

Die neue Beregnungsanlage in der "Elm"-Arena läuft. Der Verein investiert insgesamt 30 000 Euro für diese Maßnahme. Die Hälfte kommt von der Stadt als Zuschuss.

Auch Bürgermeister Andreas Wutzlhofer holte sich unter dem Beifall der Zuschauer eine willkommene Dusche ab.
von Elisabeth DobmayerProfil

Die Fußballer im Ortsteil können nicht nur gut mit dem runden Leder umgehen, sondern sind nun auch die Pioniere in der Großgemeinde. Denn sie beschreiten mit einer Beregnungsanlage mit Brauchwasser auf dem Sportplatz neue Wege, die beispielhaft für andere Vereine sein könnten. Bei der Inbetriebnahme am Mittwochabend auf dem Sportplatzgelände durch Bürgermeister Andreas Wutzlhofer zeigte sich bei dem heißen Wetter deutlich, wie sich die Rasenfläche über die frische Dusche freut, die sie nun jede dritte Nacht bekommt.

Ausgeklügelte Technik

Dabei werden pro Bewässerungsvorgang in 160 Minuten 25 000 Liter Brauchwasser auf dem Fußballfeld ausgebracht. "Jeden dritten Tag eine ordentliche Bewässerung ist mehr wert als täglich eine kleine Menge", versicherte SV-Vorsitzender Roman Lindner, der mit Wenzl Rauch zu den eifrigsten Drahtziehern zählt. Eine ausgeklügelte Technik steuert die Beregnung automatisch. Die gesamte Umsetzung erfolgte ehrenamtlich durch die Mitglieder. Allein für die Planungsstunden ergaben sich 120 Stunden mit Terminen bei Behörden, Firmen und internen Sitzungen.

Für Arbeitsstunden fielen rund 350 Stunden an, berichtete Lindner den Gästen, die dafür ordentlich Beifall klatschten. Bereits im Juni 2015 fiel die Entscheidung, dieses zukunftsweisende Projekt umzusetzen. Rauch habe sich ab diesem Zeitpunkt intensiv mit der Materie befasst und die technischen Details abgeklärt.

Wegen der immer knapper werdenden Wasserressourcen stand schnell fest, dass die Bewässerung nur mit Drainagewasser aus den Gebieten um den Sportplatz verwirklichen werden sollte. In einem 4000 Liter großen Zwischenspeicher, der die Förderhöhe zwischen dem Drainageschacht und dem Bewässerungsspeichertank überbrückt und in 5 Metern Tiefe sitzt, sammelt sich das Wasser. Pro Minute laufen etwa zwölf Liter zu, berichtete Lindner. Das gesammelte Wasser wird anschließend mit einer 400 Volt Druckpumpe in einen voluminösen 50 000 Liter umfassenden und zertifizierten Bewässerungsspeichertank gepumpt, der 10 Meter lang ist. Nachdem die wasserschutzrechtliche Erlaubnis vom Wasserwirtschaftsamt Weiden erteilt war, packten die Helfer im Oktober 2017 an und bauten den Speichertank ein. Der Einbau des Zwischenspeichers folgte im Frühjahr.

Der Stadtrat beschloss bereits im Februar 2017, das Vorhaben großzügig zu unterstützen und genehmigte insgesamt 15 000 Euro an Zuschüssen. Genau die gleiche Summe investierte der Verein in die bisher 30 000 Euro teure Maßnahme.


160 Liter pro Minute

Große Verdienste erwarb sich auch Christian Lehner, der mit seinem Bagger alle Tiefbauarbeiten ausführte und mit der ganzen Familie das Vorhaben unterstützte. Im Juni erfolgten die Vorarbeiten zum Einbau der Bewässerungsleitungen durch die Firma Benz aus Göllheim. Auf dem Sportplatz wurden 460 Meter Wasserleitungen eingepflügt, was sich bei der langanhaltenden Trockenperiode als nicht ganz einfach erwies. Dazu kamen 460 Meter Stromleitungen, damit das Wasser mit einem Bewässerungsdruck von 8 bar ausgebracht werden kann. In diesem Arbeitsbereich steckte Benjamin Janker viel Zeit. 5 Vollkreis- und 10 Teilkreisregner mit einer Leistung von jeweils 160 Litern pro Minute verteilen sich auf dem Sportplatz, damit kein Bereich trocken bleibt.

Trotz der nun schon langanhaltenden Hitzeperiode fülle sich der Tank innerhalb von zweieinhalb Tagen. Dies beweise, dass in den Drainagen, die von den oberhalb des Fußballplatzes liegenden Feldern kommen, genügend Wasser geführt wird. Die Nitratbelastung des Wassers komme eher wieder dem Rasen als natürliche Düngung zugute, versicherte Lindner auf Nachfrage von Josef Haberkorn schmunzelnd.

Rechtlich habe man alles auf sichere Beine gestellt und ordnungsgemäß nach Vorgabe des Wasserwirtschaftsamts umgesetzt. Die wasserschutzrechtliche Erlaubnis wurde auf 20 Jahre erteilt. Wutzlhofer lobte die Umsetzung als eine "klasse Maßnahme". Er habe nicht geglaubt, dass der Verein dieses Projekt mit reiner Eigenleistung stemmen kann und ist deshalb umso überraschter, dass die Verwirklichung vorbildlich gelungen ist. Das bisher von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellte Trinkwasser, mit dem alle Sportplätze in der Großgemeinde bewässert werden, wird im Ortsteil nun eingespart.

Innovative Maßnahme

"Das ist ein doppelter Gewinn für uns", betonte der Rathauschef. Normalerweise bezuschusst der Stadtrat innovative Maßnahmen mit einer Höchstförderung von bis zu 20 Prozent. In diesem Einzelfall gab es im Gremium keine Diskussion, 50 Prozent zu übernehmen.

Martha Bauer fand, dass das Projekt einen Vorbildcharakter für andere Vereine in der Region haben müsste, denn Trinkwasser sei viel zu kostbar, um es für die Bewässerung auf den Sportanlagen zu verwenden. Mit dem Umweltpreis könnte man den SV besonders würdigen, meinte Willi Woldrich. Nachdem für die Kreisregner Patenschaften übernommen werden können und sich Harald Striegl umgehend in die Liste eingetragen hatte, stachelte das auch den Bürgermeister an. "Ich nehme den Regner Nummer eins."

Die Stadträte inspizieren das Speicherbecken für die Beregnungsanlage beim SV Waldau.
SV-Vorsitzender Roman Lindner und Wenzl Rauch (von links) können getrost als Pioniere für dieses Projekt in Waldau bezeichnet werden.
Für die offizielle Inbetriebnahme der Beregnungsanlage beim SV Waldau drückte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer den Startknopf.
Eine Dusche die dem Fußballrasen gerade in der heißen Jahreszeit gut bekommt.
Inbetriebnahme der Beregnungsanlage beim SV Waldau
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