15.09.2020 - 16:10 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Bruderschaftsfest in Waldeck: Heilige verstehen Schwächen der Menschen

Eine Brücke von der Gründung der Erzbruderschaft Maria vom Trost vor 300 Jahren zur heutigen Zeit schlug Pater Rudolf Götz in seiner Predigt beim Haupt- und Titularfest. Dabei bezeichnete er sich als eine Art Wallfahrer.

Pater Rudolf Götz hielt die Festpredigt, in der er sich auch mit dem Maria-Trost-Bild (rechts) auseinandersetzte.
von Hans LukasProfil

Eine Wallfahrt nach Waldeck zur Mutter vom Trost, wie diese früher im großen Stil der Fall war, gebe es jetzt nicht mehr, erklärte er. Aber nach 1850 berichteten Akten, dass Pilger aus einem Umkreis von 30 Kilometern und mehr nach Waldeck gekommen seien. Doch warum mache man sich auf eine Wallfahrt, fragte der Prediger. Und warum trete man in eine Bruderschaft ein? Beides seien Gebets- und Glaubensgemeinschaften, deren Mitglieder sich durch ihr gemeinsames Tun stärkten - und das nicht nur in schlechten Zeiten. Sie machten sich auf, um eigene Anliegen, Nöte, Sorgen und Bitten, aber vor allem die Mitmenschen vor Gott zu bringen - oder eben zu bestimmten Heiligen.

Nicht frei von Fehlern

Direkt zu Gott zu beten sei das eine, Heilige zu verehren das andere. Zu Heiligen zu sprechen, sei oft leichter. Sie seien Menschen gewesen und daher nicht frei von Fehlern und Schwächen. Daher kennen und verstehen sie die Menschen, denen sie als Richtschnur und Wegweiser dienen können.

Pater Rudi lenkte die Aufmerksamkeit auf den rechten Seitenaltar mit dem Maria-Trost-Bild, das Maria und das Jesuskind zeigt, welches dem Betrachter einen schwarzen Gürtel entgegenhält. Es gebe da verschiedene Darstellungen und Interpretationen dieses Bildes, aber eines ist ihnen allen gleich.

Laut einer Legende hat die heilige Monika, die Mutter des Ordensvaters Augustinus, einen solchen Gürtel von der Gottesmutter erhalten, um beim Tragen Hilfe, Unterstützung und Trost zu erfahren. Und so kam es, dass auch Augustinus einen Gürtel für sich als Zeichen der Verbundenheit zu Maria als Zeichen der Gemeinschaft, die er um sich sammelte, nahm.

Die Augustiner tragen diesen Gürtel noch heute, im Gegensatz zu anderen Orden eine Art Strick zum Gürtentragen. Später wurde der Gürtel auch für die Bruderschaften eingeführt. Wer einen solchen Gürtel trage, solle besonderen Trost erfahren, wünschte Pater Rudi allen Christen.

In Zweiten von Corona litten viele unter Einschränkungen und der fehlenden körperlichen Nähe. Doch dieses Abstandhalten habe durchaus auch positive Seiten. Aus einer Distanz heraus sehe man vieles plötzlich aus einem anderen Blickwinkel. In der Pandemie habe man gemerkt, auf wen man sich verlassen könne. Vieles in der Gesellschaft und damit genauso in der Kirche sei im Lockdown eingebrochen. In der Seelsorge mussten neue Wege gegangen werden.

Nöte selbst durchlitten

Die Heiligen hätten keinen Abstand zu Gott gehalten. Sie seien in eine enge Beziehung zu ihm getreten, um ihr Leben von ihm prägen zu lassen. Maria verstehe uns Christen in unseren Sorgen und Nöten, weil sie all das selbst durchlebt und durchlitten habe.

So stelle das Maria-Trost-Bild keine trauernde, sondern eine zuversichtliche Mutter mit einem kleinen Kind dar. Maria habe Ja gesagt zu Gottes Plan, ohne diesen genau zu kennen. Es sollte sich jeder fragen: "Haben wir uns auf Gottes Plan und seinen Auftrag eingelassen oder haben wir den Mut dazu, im Einsatz für andere, im Gebet und aktivem Tun?"

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