22.02.2019 - 16:46 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Bütt ade

Über 40 Jahre stand Hans Lukas für "seinen" Waldecker Carnevalverein in der Bütt. "Fremdgegangen" ist er als Redner - trotz Anfragen - nie. Dafür hatte der Waldecker seine Gründe.

Über 40 Jahre ist die Bütt der Stammplatz von Hans Lukas in den Prunksitzungen des Waldecker Carnevalvereins. Unter anderem als Paparazzi las er der politischen Prominenz die Leviten.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Die Besucher der dritten Prunksitzung des Waldecker Carnevalvereins (WCV) vor zwei Wochen waren die letzten, die Hans Lukas als Büttenredner erlebt haben. Über 40 Jahre beleuchtete er humorvoll das politische Geschehen im Markt und im Kemnather Stadtgebiet. Doch damit ist nun endgültig Schluss. "Es ist einfach das Alter", erklärt der 69-Jährige seinen Schritt. Unter den rund 70 Aktiven des Vereins, die bei den Prunksitzungen auftreten, sei er der Älteste gewesen.

Mit einem Rückzug habe er sich schon länger beschäftigt, berichtet der WCV-Ehrenpräsident. Den letzten Ausschlag dafür habe eine schwerwiegende Erkrankung im vergangenen Jahr gegeben. Damals habe er als Büttenredner nicht auftreten können. Das ist ihm in seiner "Karriere" sonst nur einmal passiert: im Jahr 2005, als er eine neue Niere erhalten hat. "Die OP in Regensburg war am ,unsinnigen Donnerstag'" Anfang Februar, weiß er noch.

"Geht schon noch, mach mal weiter", sei eine der Reaktionen auf seine Entscheidung gewesen. "Aber irgendwann sollte Schluss sein." Die Jugend im Verein dränge nach. Ihre sollte man "die Chance geben, dass sie sich einbringen kann". Sonst sei sie irgendwann weg, meint Lukas. Einen Nachfolger als Büttenredner gebe es allerdings noch nicht. Man müsse jetzt jemanden suchen, der das übernehme. Ihm, aber auch dem Rest der WCV-Truppe werde er jedenfalls beratend zur Seite stehen, "sonst aber nichts mehr".

Ab der Gründung des WCV 1972 bis 2012 war er dessen Präsident und Sitzungspräsident bei den jährlich drei Prunksitzungen. Dort wirkte der Waldecker in den ersten Jahren noch bei Sketchen mit. In der Bütt standen sein Vater und Schwiegervater. Doch das Politische war deren Sache nicht. "Den Part habe ich dann nach vier, fünf Jahren übernommen" - und das sei bei ihm hängen geblieben. Über 40 Reden hat er seitdem verfasst. Inhaltlich sei es stets weniger um das "große" politische Geschehen gegangen. Den Schwerpunkt habe er lieber aufs Lokale gelegt.

Von Anfang an war ihm wichtig, in seinen durchgängig gereimten Texten "den Dialekt hoch zuhalten". Da sei es ihm beim Schreiben schon mitunter schwergefallen, das richtige Wort zu finden, "es sollte ja schließlich auch einen Sinn ergeben". Unter anderem als Paparazzi und Engel Johannes (in Anlehnung an den Engel Aloisius aus Ludwig Thomas "Der Münchner im Himmel") las er der politischen Prominenz unter dem närrischen Volk die Leviten. In den vergangenen Jahren beschränkte er sich bei seinen Auftritten jedoch nur auf eine "leichte Verkleidung" in den Waldecker Ortsfarben Rot, Gelb und Grün. "Die passende Kappe habe ich zufällig gefunden."

Schon allein durch die Inhalte kamen für Lukas Büttenreden bei auswärtigen Faschingsveranstaltungen nicht infrage. Anfragen habe es zwar gegeben, doch die habe er alle abgelehnt. "Das war alles speziell auf Waldeck zugeschnitten", daher hätte es nirgends anders funktioniert. "Das Schlimmste ist nämlich, wenn man daherquatscht und keiner reagiert."

Um Stoff für seine Reden zu finden, hat Lukas früher das Jahr über Zeitungsausschnitte gesammelt. Später habe er sich mehr auf aktuelle Entwicklungen konzentriert, "denn, was im Juni oder Juli war, daran kann sich keiner mehr erinnern". Hat sich mal ein Prominenter gezeigt, bedachte er aber auch ihn "mit einem Seitenhieb".

Rückte die erste Prunksitzung näher, begann er mit dem Schreiben. Dabei arbeitete der 69-Jährige in Etappen. "Wenn eine Idee gekommen ist, dann habe ich sie zu Papier gebracht." Es zog sich meist mehrere Tage hin, bis die erste Version fertig war. Fiel ihm beim Durchlesen mehr oder besseres ein, habe er das entsprechend korrigiert. Ab und an habe er erst nach dem "fünften oder sechsten Mal den richtigen Dreh gefunden".

Das Texten "habe ich immer unter Druck gemacht", blickt Lukas zurück. Mit den Jahren habe er aber eine gewisse Übung darin bekommen und "nicht mehr ewig lange darüber nachgebrütet". Ähnlich war es mit dem Lampenfieber. "Man fragt sich am Anfang schon: Kommt es an oder nicht", doch schließlich sei das 15- bis 20-minütige Reden in der Bütt zur Routine geworden. Bis es jedes Mal soweit war, hat sich der Waldecker nie in die Karten, sprich in sein Manuskript, blicken lassen. Der jeweils erste Auftritt in der Session "war immer eine Premiere".

Dass er dem WCV so lange die Stange gehalten hat, schreibt er der gesamten Mannschaft des Vereins zu. Es sei eine "gewachsene Gemeinschaft ohne Nachwuchsprobleme". Daher ist der Ehrenpräsident stolz, "dass wir bei Prunksitzungen noch nie einen Gastredner oder eine Gastgarde gebraucht haben". Damit habe sich der WCV schon einen Namen gemacht. Nicht zu vergessen der jährliche Faschingszug, den die Narren alleine stemmen und bei dem jedes Mitglied dabei sei. "Bei anderen Zügen ist die Stadt der Veranstalter. Das ist dann natürlich leichter."

Für Hans Lukas und den WCV war 2011 der Staatsempfang für Faschingsgesellschaften in der Staatskanzlei mit Ministerin Emilia Müller (Zweiter und Dritte von links) ein Höhepunkt. Neben der Waldecker Delegation nahmen der Präsident des Fastnachtsverbandes Franken, Bernhard Schlereth (links), und sein Stellvertreter Werner Kilian (rechts) daran teil.
Der Bund Deutscher Karneval verleiht Hans Lukas (Zweiter von rechts) 2011 mit dem „Verdienstorden in Gold mit Brillanten“ seine höchste Auszeichnung. Anlässlich des 40. WCV-Jubiläums gab es den Till von Franken in Gold.2011. Mit auf dem Bild ist der damalige Bezirkspräsident von Oberfranken, Marco Anderlik (rechts), sowie das WCV-Prinzenpaar Jenny I. und Alexander I.
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