02.09.2019 - 15:20 Uhr
WaldershofOberpfalz

Badefreude sichtlich getrübt

Ein Teppich aus Gräsern sorgt im Kösseinebad in Waldershof seit längerer Zeit für Unmut. Jetzt wird ausgebaggert. Auch Stützmauer und Zaun benötigen eine Sanierung.

Täglich fischen Bauhofleiter und Bademeister Markus Kremser (Bild) und seine Helfer Berge von Gräsern aus dem Wasser.
von Autor FPHProfil

Zweifellos ist es eines der am idyllischten gelegenen Freibäder in der Region, das Waldershofer Kösseinebad. Doch in diesem Sommer will längst nicht bei allen Besuchern die große Freude auf Schwimmen aufkommen. Das Dilemma: Ein sich ständig neu bildender Teppich aus Gräsern, der seinen Ursprung auf dem Grund des 24.700 Quadratmeter großen Beckens haben soll. So viel hat man inzwischen herausgefunden, auch wenn der botanische Begriff dafür noch nicht bestimmt werden konnte. „Hier haben sich Wasserpflanzen gebildet, deren abgestorbene Teile mit den Wurzeln an die Oberfläche treiben“, erklärt Bauhofleiter und Schwimmbadmeister Markus Kremser.

Besonders heftig sei es am Morgen, wenn sich die Pflanzenreste über die gesamte Fläche verteilten. Sobald dann allerdings Wind aufkomme, treibe das meiste, das Kresse-Blättern ähnle, in eine Richtung, so dass zumindest wieder „freier“ Platz zum Schwimmen sei. „Manchmal schaut es schon richtig schlimm aus“, treibt es Kremser die Sorgenfalten ins Gesicht. „Wir fischen jeden Tag gut eineinhalb Stunden lang die größten Teile mit unseren Keschern heraus, aber es kommt immer wieder Neues nach“, versuchen Kremser und seine Helfer das Äußerste zu verhindern. Davon zeugen richtige Haufen an den Beckenrändern. Eine wahre Sisyphusarbeit. „Denn würden wir das nicht machen, wäre die Oberfläche irgendwann komplett zu.“ Hauptaufgabe eines Bademeisters sei es aber, über den Badebetrieb zu wachen und ein Auge auf die Besucher zu haben.

Dass dieses Phänomen „Wasserpflanzenwuchs“ in dieser Form in all den Jahren noch nie oder kaum spürbar zu Tage trat, sei einfach nur Glück gewesen, habe ein Verantwortlicher des regelmäßig die Wasserqualität prüfenden Labors analysiert. In dieser Saison sei jedoch in den angrenzenden Wiesen an extrem trockenen Tagen Dünger ausgebracht worden. Einiges davon konnte möglicherweise nicht gleich im Erdreich versickern und sei in den Bach geflossen, der das Bad ständig mit Frischwasser versorge. Das habe den Pflanzen reichlich Nährstoff gegeben. Gefahr für die Besucher bestand allerdings zu keiner Zeit, versichert Kremser. Auch nicht in den trockenen Wochen, wo über längere Zeit eine ungefährliche Blaualgenart registriert wurde. Das habe das Wasserwirtschaftsamt bestätigt, das in regelmäßigen Abständen kontrolliere.

„Aber es ist halt einfach irgendwie ekelig“, meint auch eine Besucherin, die ungenannt bleiben will. Vor allem, wenn sie nach ein, zwei Metern in einen Teppich von Pflanzen trete. Und sie ist nicht die Einzige, die ihren Unmut äußert. Übrigens: Auch der abgegrenzte Kinderbereich blieb nicht verschont. Und es ist kein Geheimnis, dass wohl auch dadurch die Besucherzahl im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen ist. Nur die Enten-Mama, die seit einigen Wochen mit ihrem dreiköpfigen Nachwuchs fleißig ihre Runden dreht, fühlt sich zwischen den Gräsern sichtlich wohl.

Es gibt also nicht unerheblichen Sanierungsbedarf. Und deshalb steht inzwischen fest, dass der sich über Jahrzehnte am Beckengrund angesammelte Schlamm ausgebaggert werden muss. Nur der Zeitpunkt ist noch offen: Entweder gleich im Oktober, wobei das Bad dann relativ früh ab 15., spätestens aber ab 20. September geschlossen werden müsste, oder im zeitigen Frühjahr. Es seien 30.000 Euro im Haushalt bereitgestellt, wie der Geschäftsleiter der Stadt Waldershof, Christoph Haberkorn, auf Anfrage erklärt. Doch die reichen bei weitem nicht, wie Markus Kremser weiß. „Nur bei genügend Eigenleistung“ könne der Budget-Rahmen gewahrt bleiben. Außerdem sollten keine Deponiekosten (acht bis zehn Euro pro Kubikmeter) anfallen. Das wäre der Fall, wenn die Gräser nicht kontaminiert wären, wovon alle Beteiligten aufgrund der bisherigen Ergebnisse ausgehen.

Kremser rechnet mit zweieinhalbtausend Kubikmeter Schlamm, der dann in zahlreichen Lkw-Ladungen ausschließlich über die westliche Ausfahrt abtransportiert würde, um das Gelände weitgehend zu schonen. Für eine Sanierung benötigen die Verantwortlichen eine mindestens zwei- bis dreiwöchige Trockenphase. „Die wäre sehr hilfreich und würde uns die Arbeit erheblich erleichtern“, meint der Bauhofleiter, weil sich dadurch das Gewicht des Abraums erheblich reduziere. Zuvor müssten auch noch die erfahrungsgemäß 200 bis 400 Fische (Schleien und Barsche), die sich dann im Ablassbereich des Sprungturms sammeln, aus dem Wasser geholt werden.

Im Zuge dieser Entschlammung, die nach einer Schätzung der Verantwortlichen in dieser Form „weit über zwei Jahrzehnte“ nicht mehr erfolgte, erhalte auch die Mauer des östlichen Beckenrandes, der langsam einzustürzen drohe, eine Stütze. Kremser sieht den Vorschlag mit einer Vormauer, die den Druck von der bestehenden Wand nehmen soll, als den praktikabelsten an. Auch hier hoffen alle, dass im Untergrund keine unüberwindbaren Hindernisse auftauchen. Dann sollten die von der Stadt veranschlagten und bereitstehenden 35.000 Euro reichen.

Komplett machen soll die Generalsanierung eine Erneuerung des an vielen Stellen ramponierten Schutzzauns um das Kösseinebad. Dafür, so Geschäftsführer Christoph Haberkorn, seien für dieses und nächstes Jahr jeweils 17.500 Euro im Haushalt angesetzt. Die Waldershofer haben sich also eine Menge vorgenommen, um mit einer insgesamt fast sechsstelligen Summe ihr weitläufiges Kösseinebad auf Vordermann zu bringen.

Täglich fischen Bauhofleiter und Bademeister Markus Kremser (Bild) und seine Helfer Berge von Gräsern aus dem Wasser.
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