09.03.2020 - 15:45 Uhr
WaldershofOberpfalz

Borkenkäfer-Schäden eindämmen

Der Borkenkäfer bedroht nun schon seit einigen Jahren unsere heimischen Wälder. Um größere Schäden zu verhindern, müssen Waldbesitzer nicht nur handeln, sondern auch zusammenhalten.

Ausgerüstet mit Regenschirmen lauschten die Besucher gespannt den Informationen von FBG-Geschäftsleiter Walter Ehlich (4.v.l.) und Revierleiter Heribert Bradtka (6.v.l.).
von Alicia FuchsProfil

Welche Ursachen hat der Befall, wie wird sich die Lage heuer voraussichtlich entwickeln und worauf müssen Waldbesitzer jetzt unbedingt achten? Das erklärten Heribert Bradtka, Revierleiter des Forstreviers Kemnath, und Walter Ehlich, der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kemnath, bei einer Waldbegehung im Lengenfelder Wald. „Was den Borkenkäferbefall angeht, ist der Lengenfelder Wald ein Brennpunkt im Landkreis“, sagte Bradtka. Er wies aber auch darauf hin, dass die nordbayerischen Wälder – anders als andere Gebiete wie der Thüringer Wald, der Harz oder nordrhein-westfälische Wälder – vergleichsweise wenig betroffen seien.

Frost schadet Käfern nicht

Anders als viele glaubten, schade ein strenger Winter mit viel Frost den Schädlingen nicht. „Minus 40 oder minus 50 Grad Celsius halten sie schon aus“, erläuterte Bradtka. Die Käferbestandsdichte sei mittlerweile so hoch, dass man die Tiere nicht völlig aus den Wäldern vertreiben könne. Jetzt sei es sehr wichtig, die Ausbreitung so weit wie möglich einzudämmen und schlimmere Schäden zu verhindern. Ein gesunder Baum in idealer Lage könne sich durch Harzbildung wehren, auch einem Befall von etwa tausend Käfern könne er noch standhalten.

Momentan seien die Fichten allerdings geschwächt, ihnen fehle das Abwehrsystem. Dafür gebe es mehrere Ursachen. „Die Besitzer sind nicht schuld daran“, verdeutlichte Heribert Bradtka. Kümmerten sich allerdings nicht alle Waldbesitzer im nötigen Maß um ihre Bäume, sei es für die Waldgebiete eine Herausforderung. Die Klimaveränderung, die viele warme und trockene Phasen mit sich bringe, schwäche besonders die Fichten, da diese viel Wasser benötigten. „In Trockenjahren steht die Fichte unter Dauerstress“, so Walter Ehlich.

Bäume bis Ende April entfernen

Über die vergangenen Jahre habe sich ein Grundbestand an Borkenkäfern aufgebaut, die Mittel zur Bekämpfung seien begrenzt. Eine Besserung der Situation erwarteten die beiden Experten in naher Zukunft noch nicht: „Heuer oder nächstes Jahr wird der Befall wahrscheinlich einen Höhepunkt erleben“, sagten Ehlich und Bradtka. Aus diesem Grund müssten die Waldbesitzer noch intensiver und konsequenter gegen diese Insekten vorgehen. Eine gesetzliche Verordnung regle deshalb auch, dass Besitzer geschädigte Bäume bis spätestens Ende April aus dem Wald herausholen müssten.

Hilfe bei Arbeitskräften

Konkret heiße das, dass Bäume, deren Rinde abgefallen ist, die aber noch grüne Kronenteile haben, eine Gefahr darstellten. Bäume mit abgefallener Rinde und abgestorbener Krone könnten noch länger stehen bleiben, weil von ihnen keine Bedrohung mehr ausgehe. Falls nötig, vermittle die Forstverwaltung Arbeitskräfte. „Wir lassen niemanden im Regen stehen, der es nicht alleine schafft“, machte Walter Ehlich klar. Wer die betroffenen Bäume fristgerecht aus dem Wald bringe, bekomme dafür sogar eine Förderung. Die Höhe hänge auch davon ab, was Waldbesitzer nach der Ausarbeitung mit dem Holz vorhaben.

Sinkende Holzpreise

Eine Option sei der Verkauf des Holzes, doch das sei in vielen Regionen Deutschlands schwierig geworden. In den Oberpfälzer Forstgebieten sehe es zum Glück der Waldbesitzer anders aus, obwohl die Holz-Preise auch hier stark eingebrochen seien. „Wir sind wirklich sehr dankbar für unsere heimische Industrie“, sagte Ehlich. Man könne das Holz momentan immer noch gut vermarkten. Die Förster hatten bei der Waldbegehung jedoch auch die Verbreitung des Coronavirus im Blick: Es könne sein, dass die Entwicklungen sich auf die Holzindustrie auswirkten – auch, weil Deutschland viele Holzbestände ins Ausland, zum Beispiel nach China, verkaufe.

Die Waldbesitzer im Lengenfelder Wald wollen sich jedoch auch in schwierigen Zeiten nicht unterkriegen lassen: „Wir sind eine Gemeinschaft. Jeder von uns muss sich jetzt solidarisch zeigen“, waren sich die etwa 30 Teilnehmer der Begehung einig. Jetzt sei Handeln gefragt, um schlimmere Schäden zu verhindern und Preisstabilität zu erzielen: „Wir müssen in schlechten Zeiten für unseren Wald zusammenhalten.“

Viele Bäume verlieren aufgrund des Borkenkäfer-Befalls ihre Rinde. Bei uns richtet der sogenannte Buchdrucker den meisten Schaden an.
Walter Ehlich (Bildmitte) klärte die Teilnehmer unter anderem über die Ursachen des Borkenkäfer-Befalls auf. Für die Begehung im Lengenfelder Wald war sogar ein Paar aus Berlin angereist.
Heribert Bradtka (2.v.l.) erklärte, welche Aufgaben künftig auf die Waldbesitzer zukommen.
Die Rinde eines Baums ist stark von den Schädlingen betroffen. Je nach Art des Borkenkäfers findet sich dort schwarz-braunes oder weißes Bohrmehl.

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