26.11.2019 - 15:18 Uhr
WaldershofOberpfalz

Auch brutale Plünderungen

Über 40 Gäste interessierten sich für einen Vortrag über die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf Waldershof. Eine Fülle an Informationen lieferte Heimatforscher Hans Walter.

Hans Walter hat fundiertes Wissen über den Dreißigjährigen Krieg.
von Ulla Britta BaumerProfil

Hans Walter ist ein wandelndes Geschichtsbuch. Der 36-jährige Kastler hat eigentlich nur privat etwas mit Historie am Hut. Walter ist Industriemechaniker bei Siemens Kemnath, Gemeinderatsmitglied und seit vielen Jahren leidenschaftlicher Heimatforscher. Mit seinem umfangreichen Wissen über den Dreißigjährigen Krieg in und um Waldershof sowie fundiertem Grundwissen begeisterte er im TSV-Sportheim gut 40 Zuhörer.

Margit Bayer stellte Hans Walter als einen Menschen mit vielen Interessen vor. Er zeigte sich angenehm überrascht vom großen Publikum. Damit, sagte er, habe er nicht gerechnet. Die Gäste, die vom CSU-Ortsverband ins Sportheim eingeladen worden waren, waren wohl am Ende genauso überrascht von Walters profundem Wissen.

Er habe seine Kenntnisse aus 20 Büchern, so der Referent. Allerdings musste er gleich zu Beginn des Vortrags eine "Enttäuschung" verkünden. Zwar habe sein Vortrag den Titel "Der Dreißigjährige Krieg in Waldershof", doch sei Waldershof relativ glimpflich davongekommen. Walter verstand es bestens, anschaulich über die Wirren und Gräuel dieses Krieges in der Heimat zu berichten. So habe man den damaligen Landrichter, der heute mit dem Landrat vergleichbar sei, bis aufs Hemd ausgeraubt.

Schändungen

Und es gebe Aufzeichnungen, wonach Waldershof Söldnern 300 Stück Vieh abliefern habe müssen. Da die Stadt nur Durchgangsort zwischen Marktredwitz und Kemnath gewesen sei, hätten die Söldner wenig Interesse an ihr gezeigt. Wobei natürlich auch die Waldershofer gelitten hätten. Walter sprach auch hier von Plünderungen, Schändungen und Verwüstungen. Die Truppen hätten das Blei der Kirchenfenster fürs Kugelgießen hergenommen und aus jedem vorhandenen Papierfetzen Zündhütchen gemacht. Dem seien auch wichtige Dokumente zum Opfer gefallen. Was wohl kaum jemand weiß: Laut Recherchen von Walter soll der Dreißigjährige Krieg in Waldeck zwei Jahre länger gedauert haben. "Die Schweden sind erst 1650 aus Waldeck abgezogen", lautete die Erklärung. Hans Walter vermittelte in seinem Vortrag ausführlich die Hintergründe des schlimmen Krieges, der von 1618 bis 1648 dauerte und mit dem legendären "Prager Fenstersturz" als Glaubenskrieg zwischen den Katholiken und den Protestanten begonnen habe.

Lösegeld

Wie Waldershof sei auch Marktredwitz weitgehend verschont geblieben, bis die Schweden kamen. Walter erklärte, Marktredwitz sei für die Logistik der Truppen von hoher Bedeutung gewesen. So sei es gelungen, die hohen Lösegeldsummen und die Nahrungsmittel für die Söldner aufzubringen. Dies wisse man aus Schriften des damaligen Marktrichters und Bürgermeisters Georg Leopold.

Mit einer Bilanz der Kriegsschäden in der Heimat schloss Hans Walter den Vortrag. "Die Toten, Gefallenen, Vermissten und Vertriebenen mahnen uns, wozu Menschen fähig sind."

Das Interesse am Vortrag war weit größer, als es der Referent erwartet hatte.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.