17.07.2020 - 12:46 Uhr
WaldershofOberpfalz

Detektivarbeit zwischen alten Urkunden

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Josef Zöllner archiviert die Stadtgeschichte von Waldershof und seiner Stadtteile. Er unterstützt Ahnenforschung und das Nachverfolgen von Erben.

Archivar Josef Zöllner und Margit Bayer sind auf den Spuren der Waldershofer Stadtgeschichte. Der Archivar hält die „Cammer-Rechnung deß Marckts Waldershoff“ aus dem Jahr 1655 in den Händen.

"Da gibt es noch so manches zu entdecken", ist sich Bürgermeisterin Margit Bayer sicher. "Und deshalb ist es gut, dass Josef Zöllner sich in unserem Archiv immer wieder auf Entdeckungsreise macht." Sie verhält sich vorsichtig, nimmt für das Foto lieber das vergrößerte Gemälde im Rahmen in ihre Hände als die Urkunde von 1655.

Das Original ist eine "Cammer-Rechnung deß Marckts Waldershoff" und umfasst alle Einnahmen und Ausgaben "von dem ersten Jenner biß den letzten Dezember Anno 1655". Zusammen mit vielen anderen historischen Unterlagen wird es im Archiv im Waldershofer Rathaus verwahrt. Die älteste Urkunde, das Rechnungsheft eines "Marktcämmerers", stammt aus dem Jahr 1642, da war der Dreißigjährige Krieg noch in vollem Gange.

Gemeindliches Schlachthaus

Einnahmen und Ausgaben haben die Gemeinden schon lange und akkurat festgehalten und aufbewahrt. Josef Zöllner weist auf zwei Amtsbücher hin, die den Betrieb eines gemeindlichen Schlachthauses und eines Gemeinde-Backofens belegen. Darin ist haarklein vermerkt, welcher Einwohner wann was gebacken hat. Die Aufzeichnungen wurden aber nicht zum Spaß gemacht, so wie heute in Sozialen Netzwerken jedes Backwerk zum Ereignis wird. Es wurde notiert, welches Entgelt der Nutzer zu zahlen hatte.

"Vieles bei meiner Arbeit ist nicht besonders spannend", sagt Zöllner. "die Kämmerer haben die nicht mehr benötigten Unterlagen einfach irgendwo abgelegt, wo sie manchmal jahrhundertelang liegenblieben. Vieles war auch ungeschützt." Der historische Wert der Unterlagen wurde erst viel später erkannt, "so bin ich der erste Stadtarchivar in Waldershof."

Ende 2013 belegte Zöllner einen Lehrgang für Archivare an der Bayerischen Verwaltungsschule. Danach sieht ein typischer Arbeitsablauf wie folgt aus: Der erste Arbeitsschritt ist immer das Entmetallisieren, also das Entfernen von Drähten, die die Schriftstücke zusammenhalten. Dann folgt eine Reinigung von Staub oder anderem, was sich im Laufe der Zeit in den Dokumenten angesammelt hat. Das macht Zöllner besonders vorsichtig, damit nichts zerfällt.

Anschließend versucht er zu erkennen, um welche Dokumente es sich handelt. "Das ist wie in der Schule", sagt der frühere Konrektor der Marktredwitzer Grundschule. "Manche Schrift ist wunderschön und leicht zu lesen, anderes hingegen kaum zu entziffern." Weitere Herausforderungen kommen hinzu: Es wurde in Cursiv- oder Kurrentschriften, später in Sütterlin geschrieben, einiges Papier ist vergilbt, bei anderem ist die Tinte verblasst.

"Manches werfe ich auch weg, zum Beispiel allgemeine Schreiben von Regierungsbehörden. Die werden in Tirschenreuth oder München archiviert." Alles, was er aufhebt, wird verzeichnet, um es später leichter wieder zu finden oder auszuwerten. "Ich nutze dafür mit Faust 7 ein mehrdimensionales Datenbanksystem in einem modernen Büro." Dort kann er einzelne Einträge im digitalen Verzeichnis ergänzen und löschen, nach verschiedenen Kriterien suchen oder Inhalte vergleichen. Besondere Dokumente werden auch eingescannt.

Anfragen von Bürgern

Die Datenbank ist besonders nützlich, wenn er Anfragen von außen erhält oder er zu einem bestimmten Thema forscht. Immer wieder kommen Menschen auf ihn zu, deren Familie aus Waldershof stammt und die etwas über ihre Ahnen erfahren wollen. Dazu sucht Zöllner anhand des Namens, des Berufs oder der genauen Adresse erstmal im digitalen Archiv. Das spuckt aber noch selten die passenden Quellen aus, denn viele Dokumente warten noch darauf, erfasst zu werden.

Also geht er anschließend auf den Dachboden und sucht nach weiteren Belegen. "Das ist natürlich klasse, wenn ich etwas Passendes finde", strahlt Zöllner. Auch Anwälte wenden sich manchmal an ihn, sie interessieren sich für die Geschichte von Familien, um mögliche Erbberechtigte ausfindig zu machen.

Neben dem Archiv der Stadt selbst gibt es auch noch das Archiv der Stadtteile, und davon hat Waldershof immerhin 26 Stück. Aber halt, die historischen Unterlagen von Lengenfeld befinden sich ja in Marktredwitz - eine kleine Entlastung für den Archivar.

Auf die Frage, wann das gesamte Archiv digitalisiert sein wird, schmunzelt der Pensionär erstmal: "Sicher nicht zu meinen Lebzeiten." Aber er verspricht, so lange weiterzumachen, wie er Lust dazu hat. Und so wie man ihn in seinem Archiv oder im Büro erlebt, wird das noch eine lange Zeit sein.

Stadtarchivar Josef Zöllner hat auch Informationen zum Ehrenbürger Friedrich Kuttner:

Waldershof
Hintergrund:

Erste urkundliche Erwähnung 1263

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes "Waltershove" ist datiert vom 1. Juli 1263. Im Kopialbuch des Klosters Waldsassen befindet sich eine Urkundenabschrift in lateinischer Sprache, aus der hervorgeht, dass Landgraf Friedrich von Leuchtenberg das Eigentum an seinem Schloss Waldershof dem Kloster Waldsassen übertrug. Das Schloss wurde um das Jahr 1100 erbaut und bildete den Ausgangspunkt für die Besiedlung des Ortes.

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