02.06.2021 - 12:54 Uhr
WaldershofOberpfalz

Faulbrut: Waldershofer Imker in Sorge

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In einem Bienenvolk in Waldershof sind Sporen der Amerikanischen Faulbrut nachgewiesen worden. Die Krankheit ist nicht ausgebrochen, doch die Veterinäre ermitteln.

Ausgerechnet jetzt, wo die Bienen nach Wochen schlechten Wetters die Honigräume füllen, sind die Waldershofer Imker in Sorge, ihre Stöcke könnten von der Amerikanischen Faulbrut befallen sein.
von Autor FPHProfil

Imkern boomt. Bienenvereine landauf, landab sind in den vergangenen Jahren von Interessenten regelrecht überrannt worden. Aus dem einstigen Altherren-Hobby ist ein hipper Trend geworden. Wer mit offenen Augen durch die Gegend geht, entdeckt mittlerweile häufig in Gärten oder an Waldrändern Bienenkästen, in der Fachsprache Beuten genannt. Vor allem der eigene Honig und die Gewissheit, mit seiner vieltausend Bienen zählenden Bestäuberschar einen Beitrag für die Natur zu leisten, reizt viele Menschen. Doch wie bei allen Tieren gibt es auch bei Bienen ernsthafte Krankheiten. Derzeit hoffen die Imker im Kernstadtgebiet in Waldershof, dass dies bei ihnen nicht der Fall ist.

Wie Dr. Martin Wagner vom Veterinäramt Tirschenreuth auf Nachfrage der Frankenpost mitteilt, sind in einem Volk Sporen der Amerikanischen Faulbrut nachgewiesen worden. Ein gewissenhafter Imker hatte eine sogenannte Futterkranzprobe an das Veterinäramt geschickt, in der tatsächlich Krankheitserreger enthalten waren. Als Futterkranz werden die Honig- und Pollenzellen bezeichnet, die das Brutnest ringförmig umgeben. In besagtem Waldershofer Bienenvolk ist die Krankheit allerdings nicht ausgebrochen, daher hat die Behörde auch (noch) keinen Sperrbezirk erlassen, in dem dann zum Beispiel keine Bienenvölker ein- und ausgeführt werden dürften.

Von Bakterien verursacht

Bei der Amerikanischen Faulbrut, landläufig Bienenpest genannt, handelt es sich um eine von Bakterien verursachte Krankheit. Da das Bakterium die Brut der Bienenvölker zersetzt, stirbt innerhalb kurzer Zeit das gesamte Volk. Typisch ist die schleimige Masse in der verdeckelten Brutzelle, von der sich der Name Faulbrut ableitet. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau sind pro abgestorbener Larve bis zu 2,5 Milliarden Erreger (Sporen) nachweisbar. Dadurch ist die Amerikanische Faulbrut extrem ansteckend und fällt unter das Tierseuchengesetz. Die Faulbrutsporen sind äußerst widerstandsfähig, können Temperaturen bis zu 120 Grad überstehen und viele Jahre überdauern.

Analyse in Erlangen

Alle Waldershofer Imker in der Kernstadt (innerhalb einem zwei Kilometer großen Radius um das betroffene Volk) haben in den zurückliegenden Wochen Besuch von den Veterinären aus Tirschenreuth erhalten. Diese nehmen von jedem Volk Futterkranzproben und schicken sie zur chemischen Analyse an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nach Erlangen.

Die Amerikanische Faulbrut lodert immer wieder in der Region auf, zuletzt auch 2013 in Waldershof. Im Landkreis Tirschenreuth hat es zudem 2016 und 2017 Fälle von Faulbrut gegeben.

Der aktuelle Sporennachweis in Waldershof muss noch nichts heißen. Gut möglich, dass dies ein Einzelfall war und die Krankheit in keinem Volk ausbricht. „Wir sind erst am Anfang unserer Ermittlungen. Sollte ein Volk erkranken, ist es wichtig zu wissen, wo sich der Ausbruchsherd befindet“, sagt Veterinär Dr. Martin Wagner.

An Amerikanischer Faulbrut erkrankte Völker müssen abgeschwefelt werden. Das bedeutet, dass der Stock mit dem Volk abgedichtet und mit dem Rauch eines glimmenden Schwefelstreifens abgetötet wird. Hört sich grausam an, ist allerdings alternativlos, soll die Faulbrut eingedämmt werden. Anschließend muss der Imker die Beuten und sämtliche Geräte desinfizieren, um möglichst alle Sporen zu vernichten. Werden lediglich Sporen nachgewiesen und die Krankheit ist nicht ausgebrochen, kann zumindest die Masse der Flugbienen erhalten werden. Der Bienenzüchter kehrt sie mit einem kleinen Besen in eine saubere Kiste oder leere Beute und gibt diese für maximal drei Tage in „Kellerhaft“, verwahrt sie also an einem dunklen, kühlen Ort.

Waben verbrennen

Die Brut auf den Waben hingegen muss er vernichten. „Das sollte aber nicht über die Mülltonne geschehen. Mit Erlaubnis der Behörde können die Waben in eine Müllverbrennungsanlage gebracht werden“, erklärt Wagner. Die meisten Imker verbrennen die kontaminierten Waben allerdings selbst. Die Masse der Flugbienen hingegen können die Bienenzüchter nach der „Haft“ wieder in eine saubere Beute mit frischen Kunstwaben an den Bienenstand bringen.

Ob auch in Waldershof Völker abgeschwefelt werden müssen? „Das werden die chemischen Analysen zeigen“, sagt Veterinär Martin Wagner.

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„Wir sind erst am Anfang unserer Ermittlungen. Sollte ein Volk erkranken, ist es wichtig zu wissen, wo sich der Ausbruchsherd befindet.“

Dr. Martin Wagner

 

 

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