16.03.2021 - 14:10 Uhr
WaldershofOberpfalz

Feuerwehreinsatz für den Storch in Waldershof

Feuerwehrleute rücken aus und bereiten dem Storch auf dem Kamin des Sägewerks Schug in Waldershof eine neue Bruthilfe. Ein Sturm hatte das alte Nest zerstört.

Mit der Drehleiter hat die Feuerwehr Marktredwitz die Aktion „Neues Storchennest“ unterstützt. Am Steuer der hauptamtliche Gerätewart Dominik Koppmann, der auch Mitglied der Waldershofer Stützpunktwehr ist.
von Oswald ZintlProfil

Über viele Jahrzehnte hinweg fühlte sich der Weißstorch in der Kösseinestadt sehr wohl und zog Jahr für Jahr seinen Nachwuchs hier auf. Für den Gast gab es früher Nistplätze mitten im Waldershofer Markt auf dem Schlauchturm der Feuerwehr, auf dem Kamin der ehemaligen Porzellanfabrik Neukirchner und seit dem Jahr 2005 auf dem Kamin des Sägewerks Schug an der Bahnhofstraße. Um dem Storch dort einen optimalen Nistplatz anbieten zu können, musste damals der in die Jahre gekommene Kamin um acht Meter eingekürzt werden. Der Kamin misst aktuell 20 Meter. Die neue „Unterkunft“ wurde von den Störchen gut angenommen.

In den zurückliegenden Jahren gab es teilweise auch erfolglose Brutzeiten, mitunter wurde der Nachwuchs Opfer von Regen und Unterkühlung. So war es auch im Sommer 2013, als langanhaltender Regen und niedrige Temperaturen zum Tod von zwei Jungvögeln führten. In den zurückliegenden drei Jahren wurde der Horst zwar von Störchen angeflogen, aber nicht bebrütet, da sich dort "Untermieter" eingenistet hatten. In den Jahren 2018 und 2019 waren es Flugenten und 2020 Nilgänse, die das Storchennest erfolgreich als Brutplatz nutzten.

Aus Aluminium

Nachdem im Herbst Sturmböen einen Teil des Storchennestes vom Kamin gerissen hatten, gab es Handlungsbedarf. In Zusammenarbeit mit dem Eigentümer des Sägewerkes, der Unteren Naturschutzbehörde, dem Landesbund für Vogelschutz, der Stadtverwaltung, der Stützpunktwehr und mit dem Einsatz der Drehleiter der Feuerwehr aus Marktredwitz wurden zunächst die Reste des Storchennestes vom Kamin entfernt. In der Zwischenzeit wurde eine neue Nisthilfe aus Aluminium fachmännisch von Dieter Brandl aus Tirschenreuth angefertigt; die Kosten liegen bei etwa 1000 Euro. Am Freitag wurde sie auf dem Kamin installiert – wieder mit Unterstützung durch die Drehleiter der Marktredwitzer Wehr. Am Steuer saß – wie bereits eine Woche zuvor - Dominik Koppmann, hauptamtlicher Gerätewart der Rawetzer Feuerwehr, der auch Mitglied bei der Stützpunktwehr der Kösseinestadt Waldershof ist.

„Hier zeigt sich, wie wichtig die persönlichen Kontakte auf Bürgermeisterebene und den Führungsebenen der Feuerwehren im Bereich der interkommunalen Zusammenarbeit sind.“

Bürgermeisterin Margit Bayer

Die Außenarbeiten im Korb der Drehleiter übernahm der Waldershofer Feuerwehr-Kommandant Stefan Müller, unterstützt von Günther Fachtan. Das eingespielte Team platzierte das neue Nest unter Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen auf dem Kamin und befestigte es sturmsicher. Zahlreiche Zuschauer verfolgten aus sicherer Entfernung die Aktion – unter anderem der stellvertretende Kreisvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz, Konrad Zier, und Waldershofs Bürgermeisterin Margit Bayer, die nach getaner Arbeit das neue Nest vom Korb der Drehleiter aus inspizierte. Zur Unterstützung aus Marktredwitz sagte Margit Bayer: „Hier zeigt sich, wie wichtig die persönlichen Kontakte auf Bürgermeisterebene und den Führungsebenen der Feuerwehren im Bereich der interkommunalen Zusammenarbeit ohne bürokratische Hürden sind.“

Nicht wählerisch

In den Jahren 1980 bis 1999 wurden in Waldershof die zweitmeisten Jungstörche in ganz Nordostbayern großgezogen, berichtet Konrad Zier. Der Umbruch von Grünland zu Ackerflächen, eine Erhöhung der Schnittzahl mit Verstärkung der Düngung im Grünland, Beseitigung von Gräben oder Auffüllung von Senken in überschwemmten Wiesen führten seit Jahren zum Verlust von Nahrungsräumen, beklagen Storchenfreunde. Insbesondere im direkten Umfeld hätten solche zum Teil schleichenden Veränderungen Brutverlust zur Folge. Wie sich die nun anstehende Ortsumgehung von Waldershof auf den Storchen-Brutplatz in der Kösseinestadt auswirkt, sei noch unklar. Fest steht allerdings, dass die Trasse einen Bereich beim Kösseinebad tangiert, der von den Störchen als Fressplatz genutzt wird.

Der Weißstorch ist bei der Nahrungssuche nicht wählerisch. Außer Fröschen frisst er auch Eidechsen, Fische, große Insekten und deren Larven, Regenwürmer und Kleinsäuger wie Mäuse und Maulwürfe. Gerade für die Jungen in den ersten Wochen werden auch viele kleine Nahrungstiere benötigt. Während der Aufzucht der Jungvögel sucht ein Paar mit drei Jungen etwa vier Kilogramm Nahrung am Tag im Umkreis von maximal drei Kilometern.

Auch in Falkenberg gibt es ein neues Storchennest

Falkenberg
Konzentrierte Vorarbeit: Im Bild (von links) Günther Fachtan, Stefan Müller und Bürgermeisterin Margit Bayer.
Feuerwehr-Kommandant Stefan Müller in luftiger Höhe.

 

 

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