08.06.2020 - 15:41 Uhr
WaldershofOberpfalz

Kösseinebad: Gesundheit geht vor

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Marktredwitz öffnet sein Freibad, Waldershof vorerst nicht. Bürgermeisterin Margit Bayer verweist auf die umfangreichen, strengen Auflagen.

Das idyllisch gelegene Kösseinebad in Waldershof verfügt über 30.000 Quadratmeter Liegefläche und bietet eine 24.700 Quadratmeter große Wasserfläche.
von Autor FPHProfil

Das Marktredwitzer Naturfreibad lockt mit coronabedingter Verspätung ab Samstag, 13. Juni. Was mit einem Blick in die Auflagen und die negativ ausgefallenen Entscheidungen in Nachbarstädten keineswegs so selbstverständlich erscheint.

So bleibt das Waldershofer Kösseinebad in der unmittelbaren Nachbarschaft definitiv bis zum 25. Juni geschlossen. Dann erst soll der Stadtrat entscheiden, ob die Anlage freigegeben wird oder den gesamten Sommer über geschlossen bleibt. Dabei wäre das Bad in Waldershof geradezu prädestiniert für genügend Abstand zwischen den Besuchern: Mit 30.000 Quadratmetern Liegefläche könnten das Gelände bei vorgeschriebenen 20 Quadratmetern pro Gast theoretisch 1500 Leute auf einmal besuchen. Und auch die riesige Wasserfläche von 24.700 Quadratmetern lässt keine Enge unter den Schwimmern befürchten.

Die Waldershofer Bürgermeisterin Margit Bayer hat jedoch das Problem, dass sie "keinen Stab von 20 Leuten zur Verfügung" habe, der ein entsprechend schlüssiges und sicheres Hygienekonzept ausarbeitet. "Können wir das überhaupt bewältigen?", stellt die Rathaus-Chefin angesichts wenig Personals als Frage in den Raum. Die Auflagen seien so umfangreich, dass die Kostenfrage für eine so kleine Stadt eine gewichtige Rolle spiele. Zumal der Eintritt zur Anlage bekanntlich für alle Gäste frei sei, das Bad also in diesem Punkt keine Einnahmen generiere.

Kontrolle das Problem

"Und wer soll das alles überwachen?", sieht Bayer ein Riesenproblem. Ein Bademeister, der in Stoßzeiten ja vorrangig den Betrieb im Wasser im Auge haben müsse, könne das allein nicht leisten. Und wenn sie so sehe, was sich an Pfingsten zeitweise im Stadtpark abgespielt habe, fürchte sie, dass sich das im Bad wiederholen könnte, weil sich Gruppen nicht an die Regeln hielten.

"Wir müssten hier richtig viel Personal mit Security einsetzen, um das zu kontrollieren", meint die seit dem 1. Mai neu im Amt befindliche Bürgermeisterin. "Und was ist los, wenn es dann nicht Corona-Hotspot Mitterteich in den Schlagzeilen heißt, sondern Waldershof?", will Bayer gar nicht an den schlimmsten nur anzunehmenden Fall denken.

Das Waldershofer Kösseinebad ist beliebt

Waldershof

"Grundsätzlich", sagt sie, "würde ich mir schon eine Öffnung wünschen, weil ich keinem gerne den Spaß verderbe, aber die Gesundheit geht vor." Noch habe sie sich keine feste Meinung gebildet, will das Thema erst mit ihren Stadträten ausgiebig diskutieren und dabei Für und Wider abwägen. Wegen der strikten und strengen Vorgaben aber fragt Margit Bayer sich dann schon: "Wird das wirklich noch der Badespaß, nach dem wir uns alle sehnen?"

Und wer soll das alles überwachen?

Bürgermeisterin Margit Bayer

Eigentlich wäre eine Öffnung des Marktredwitzer Naturfreibads schon am Montag möglich gewesen. Doch wegen der schlechten Witterung, so Pressesprecherin Claudia Hiergeist, habe man sich für das kommende Wochenende entschieden und gleichzeitig auch noch etwas Zeit gewonnen. Denn die Vorgaben des Bayerischen Innenministeriums seien alles andere als von Pappe. Was genau zu beachten ist und umgesetzt werden kann, darüber zerbreche sich seit vergangener Woche "ein engerer Zirkel" den Kopf. Diese fünf bis sechs Personen umfassende Gruppe entwerfe ein individuell auf die Anlage abgestimmtes Infektions- und Hygienekonzept. In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, das auch schon vorstellig gewesen sei und das Areal mit seinen circa 20.000 Quadratmetern Liege- und 5000 Quadratmetern Wasserfläche inspiziert habe.

Fest steht, dass die Marktredwitzer ihr Bad nicht so werden nutzen können, wie sie das aus den vergangenen Jahren gewohnt sind. "Die Geschichte wird unheimlich personalaufwendig", weiß Hiergeist, denn die Vorschriften müssten nicht nur umgesetzt, sondern auch überwacht werden. "Ich appelliere schon jetzt an die Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen, die Regeln zu befolgen." Denn sonst könnte es passieren, dass das Bad schneller wieder geschlossen sei, als es öffnen konnte. Hiergeist: "Wir nehmen die Auflagen sehr, sehr ernst und wollen, dass alles hundertprozentig passt." Nur wenn das funktioniere, könne später vielleicht auch an die eine oder andere Lockerung gedacht werden.

In Liste eintragen

Um den Besuchern die Stunden so angenehm wie möglich zu gestalten und keinen unnötigen Druck zu erzeugen, habe man sich auch gegen eine fest begrenzte Besuchszeit ausgesprochen. Allerdings dürften nur 500 Gäste ins Naturbad. Die müssten sich, wie schon in den Gaststätten praktiziert, in eine Liste mit ihren Namen eintragen. Damit sei allerdings „uneingeschränktes Schwimmen“ gewährleistet. Security-Personal wird also am Eingang stehen und sich stichprobenartig die Ausweise zeigen lassen. Denn Jugendliche unter 14 Jahren, so will es die Vorschrift, dürfen das Bad aktuell nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten betreten.

Von jeder Türklinke bis hin zu den Bänken und Strandkörben, den Geräten auf dem Spielplatz und der Riesenrutsche – alles müsse regelmäßig desinfiziert werden. „Es geht hier um tausend kleine Dinge, und die sind wirklich nicht ohne“, zählt die Pressesprecherin nur einige Details auf. Auf alle Fälle soll der Kiosk öffnen – Abstandsgebot und Mundschutz vorausgesetzt.

Lange Warteschlangen könnten sich also an den Wochenenden bilden. Denn das Waldershofer Kösseinebad ist ja definitiv bis zum 25. Juni geschlossen.

Das Kösseinebad bleibt mindestens bis zum 25. Juni geschlossen. Dann entscheidet der Stadtrat.

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