02.08.2020 - 11:19 Uhr
WaldershofOberpfalz

Marktredwitzer Haus: Regionale Küche vor spektakulärer Kulisse

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Nach zwei Jahren Leerstand: Die Familien von Waldenfels und Schwarz hauchen dem Marktredwitzer Haus wieder Leben ein. Die Gastronomie soll bodenständig bleiben.

Zwei Familien, ein gemeinsames Projekt: Max und Martina von Waldenfels sowie Matthias und Alexandra Schwarz (von links) wollen das Marktredwitzer Haus wieder zum Leben erwecken. Mit im Bild sind Jendrick und Alisa Schwarz.
von Autor FPHProfil

„O Täler weit, o Höhen, o schöner grüner Wald“: Besser als mit diesem von Joseph von Eichendorff getexteten und von Felix Mendelssohn Bartholdy komponierten Volkslied ist nicht zu beschreiben, was einem in den Sinn kommt, wenn man auf der Bank vor dem Marktredwitzer Haus sitzt. In die Bank sind die Zeilen Eichendorffs und die Noten dazu eingebrannt. Der Blick schweift weit und frei über die Gipfel des Fichtelgebirges. Eine spektakuläre Kulisse wie aus dem Bilderbuch. Die Sonne duckt sich am Abend zwischen Ochsenkopf, Kösseine und Schneeberg und taucht die Blumenwiese vor dem aus großen Steinquadern gemauerten und aus dunklem Holz gezimmerten Haus in sanftes Licht. Am Waldrand spielen Kinder, eine Frau geht mit ihrem Hund spazieren.

Kitsch wie auf einer Postkarte aus einer anderen Zeit? Nein, malerische Realität. Die Blumenwiese hat Martina von Waldenfels angesät. Sie hat mit ihrem Mann Max das Marktredwitzer Haus im Frühjahr dieses Jahres gekauft, da sich der Fichtelgebirgsverein (FGV) von der Immobilie trennen wollte. Denn im Herbst 2018 hatte der damalige Pächter aufgegeben. Der FGV fand keinen geeigneten Nachfolger, der das Traditionshaus mit Gaststätte und Zimmern zum Übernachten an der Nahtstelle zwischen Fichtelgebirge und Steinwald betreiben wollte.

Hier der Bericht zum Beschluss des FGV, das Marktredwitzer Haus zu verkaufen

Marktredwitz

„Im Januar wollte der FGV das Haus definitiv abgeben. Eine Bekannte hat mich darauf aufmerksam gemacht. Wir haben uns spontan beworben“, erinnert sich Martina von Waldenfels. Denn sie und ihr Mann hätten es sehr schade gefunden, wenn die Menschen nicht mehr zum Marktredwitzer Haus hätten kommen können. Sie und ihre Familie verbänden viele positive Gedanken mit dem Gebäude. Ihr Vater, der frühere Scherdel-Chef Walter Bach, sei oft hier zu Gast gewesen. Das Konzept des Ehepaars von Waldenfels, wie das Traditionshaus weiterentwickelt und behindertengerecht ausgestattet werden kann, hat die FGV-Führung überzeugt.

Ab November

Nun, nach rund zwei Jahren Leerstand, soll es bald wieder losgehen. Martina und Max von Waldenfels haben einen Pächter gefunden: Matthias Schwarz. Er stammt ursprünglich aus Marktredwitz, war viele Jahre im Ausland, unter anderem mit der Bundeswehr sowie als Ausbilder für Polizisten, und ist im Frühjahr mit seiner Frau und seinen Kindern Alisa und Jendrick aus Malta in seine Heimatstadt zurückgekehrt. „Ich habe im Ausland bereits gastronomische Projekte betreut und jetzt die Gelegenheit beim Schopf gepackt, das Marktredwitzer Haus zu übernehmen“, sagt der 49-Jährige. Seine Frau und seine Kinder seien diesen großen Schritt gerne mitgegangen. Ein Küchenteam mit zwei Köchen sei bereits fest angestellt. Und schon im November sollen die ersten Gäste in der traditionsreichen Gaststube bewirtetet werden.

Auf den Tisch soll regionale, bodenständige Küche kommen. Darüber sind sich Besitzer und Pächter einig. Viel Wild und Fisch sollen auf der Speisekarte stehen, kündigt Matthias Schwarz an. Biere, Brot, Fleisch und andere Zutaten sollen aus der Region kommen, aus der Oberpfalz und Oberfranken, um „das Beste aus beiden Welten“ kulinarisch zu vereinen. „Wir wollen an die Tradition des FGV anknüpfen“, sagt Martina von Waldenfels. Das Marktredwitzer Haus solle kein Schickimicki-Restaurant werden, sondern die gleichen Gäste ansprechen wie früher: Familien, Wanderer, Radfahrer. „Bei uns im Haus zu sein, soll allen Spaß machen, den Betreibern und den Gästen.“ Wer will, kann auch übernachten. Dafür stehen zwölf Betten in einfachen Zimmern zur Verfügung.

Schritt für Schritt

Bis es so weit ist, müssen die beiden Familien aber noch viel tun. Schließlich wollen sie ihre Gäste in einem angenehmen Ambiente begrüßen. „Es ist ein altes Gebäude und muss grundsaniert werden“, sagt die neue Besitzerin. Heizung, elektrische Ausstattung, Küche, Theke, Toiletten, eine davon behindertengerecht, Duschen und Bäder, die Pächterwohnung, vielleicht eine Sauna mit Blick aufs Fichtelgebirge: Es gibt viel zu renovieren, zu sanieren und neu auszustatten. „Wir wollen nicht alles auf einmal machen, sondern Schritt für Schritt“, sagt Martina von Waldenfels. „Wir werden sehen, wie es sich ergibt.“ Der Eingang werde verlegt. Später soll eine Photovoltaikanlage die elektrische Versorgung verstärken. Eine E-Ladestation soll die E-Biker versorgen. Damit die Handwerker loslegen konnten, hat das Ehepaar Waldenfels bereits vorbereitende Arbeiten erledigt. „Und auch schon einmal probegeschlafen“, sagen die beiden schmunzelnd.

„Wir sind sehr gut aufgenommen worden und haben tolle Nachbarn“, erzählt Max von Waldenfels. „Sie freuen sich auch, wenn hier wieder etwas los ist.“ Immer wieder kämen Wanderer vorbei, die fragen, wann es wieder losgeht, berichtet Matthias Schwarz. Noch müssen sie ein bisschen warten. Aber sich auf die Bank setzen, den Ausblick und den Sonnenuntergang genießen, das können sie jetzt schon.

Hintergrund:

Marktredwitzer Haus

Geschichte: Die Sektion Marktredwitz des Alpenvereins hat das Marktredwitzer Haus in den Jahren 1928/1929 gebaut. Eingeweiht wurde es am 1. September 1929. Seit 1966 gehörte das Gebäude dem FGV, dessen Marktredwitzer Ortsgruppe es betreute. Das Haus bietet 100 Plätze in der Gaststube und zwölf Übernachtungsplätze.

Lage: Das Marktredwitzer Haus liegt am Fränkischen Gebirgsweg im südlichen Fichtelgebirge, am Nordhang des Steinwalds auf 760 Metern Höhe. In der Nähe beginnen Wanderwege zum Oberpfalzturm, zur Burgruine Weißenstein und zum Waldhaus in Pfaben.

Adresse: Harder Weg 15, 95679 Waldershof.

Im Blickpunkt:

Stadtrat gibt grünes Licht für den Ausbau

Im Waldershofer Stadtrat ist die Freude groß, dass ins Marktredwitzer Haus wieder Leben einkehrt. Es sei einer der schönsten Plätze im ganzen Gemeindegebiet, sagte CSU-Sprecher Maximilian Kastner am Donnerstag. Wenn es wieder bewirtschaftet werde, sei das ein großes Plus für den Tourismus. Allerdings sollte man daran denken, auch die Straße, die zum Haus führt, zu verbessern.

„Die Straße ist eine Katastrophe“, pflichtete Winfried Neubauer (Freie Wähler) bei. Seine Fraktion sehe das Vorhaben absolut positiv. „Es freut uns, dass ein finanzkräftiger Käufer gefunden wurde“, sagte SPD-Sprecher Jürgen Ranft, um dann nahezu ins Schwärmen zu geraten: Auf der Terrasse des Marktredwitzer Hauses bei einem Bier den Sonnenuntergang zu erleben – das sei einfach unbeschreiblich.

Stadtrat Günther Fachtan (Wählerbund) mahnte an, die Straße erst dann zu renovieren, wenn die Modernisierung des Hauses abgeschlossen sei. Die Gefahr, dass in Waldershof eine Straße zu frühzeitig saniert werde, bestehe eher nicht, merkte Bürgermeisterin Margit Bayer angesichts der vielen maroden Fahrbahnen süffisant an. Kurzum: Dem Bauantrag der Familie Waldenfels gab der Stadtrat einstimmig grünes Licht.

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