25.06.2021 - 17:33 Uhr
WaldershofOberpfalz

Mehrfamilienhaus-Projekt in Waldershof: Anwohnern wird es zu eng

Nördlich der Ringstraße in Waldershof soll ein Block mit 16 Wohneinheiten entstehen. Zu groß und zu nah an den benachbarten Gebäuden, klagen dort lebende Menschen.

Auf der Wiese zwischen den Wohnhäusern an der Martin-Luther-Straße (links) und der Ringstraße (rechts) soll der zwei- und dreigeschossige Wohnblock in L-Form entstehen. Dadurch sehen aber Anwohner ihre Lebens- und Wohnqualität stark beeinträchtigt. Einige von ihnen schilderten am Donnerstagabend die Situation vor Ort. Im Hintergrund: das Senioren-Servicehaus.
von Autor FPHProfil

Wohnraum ist knapp in Waldershof. Deshalb haben Bürgermeisterin Margit Bayer und die Stadträte das Vorhaben einer Immobilienfirma aus Mitterteich, nördlich der Ringstraße ein Mehrfamilienhaus mit 16 Wohneinheiten zu bauen, freudig aufgenommen. Weniger begeistert sind allerdings die Menschen, die in unmittelbarer Nachbarschaft leben, in den großen Wohnhäusern Martin-Luther-Straße 6 und 8 mit insgesamt 24 Parteien sowie Ringstraße 77 (acht Einheiten). Ihnen wird es zu eng. Das neue Mehrfamilienhaus werde nur wenige Meter entfernt von den jetzigen Häusern stehen und viel Licht nehmen. Dafür werde es lauter – und die Martin-Luther-Straße als einzige Zufahrtsstraße werde künftig überlastet sein.

Ein Dutzend Anwohner war am Donnerstagabend in die Stadtratssitzung gekommen. Vier von ihnen meldeten sich in der Bürgerfragestunde zu Wort. Thomas Frischholz wollte für die Wohnungseigentümer-Gemeinschaft Martin-Luther-Straße wissen, wie weit das Planungsverfahren vorangeschritten ist. „Es ist noch ganz am Anfang“, sagte Bürgermeisterin Margit Bayer und erinnerte daran, dass der Stadtrat in der Mai-Sitzung beschlossen habe, den Bebauungsplan zu ändern und dem Vorhaben anzupassen. Nun würden die Träger öffentlicher Belange (rund 40 Stellen, von der Unteren Naturschutzbehörde bis zum Bauernverband) eingebunden, danach die Pläne öffentlich ausgelegt. Hier könnten dann die Bürger Einwände vorbringen.

Drei bis sechs Monate

Frischholz hakte nach und wollte wissen, ob tatsächlich schon – so wie es der Investor plane – im Herbst Baubeginn sein werde. Die Rathauschefin sagte, dass dies von der Zahl der Einwände abhänge. In der Regel dauere das Verfahren drei bis sechs Monate.

Der neue Wohnblock werde Licht und Luft wegnehmen, klagte Bärbel Sieler, die in der Ringstraße wohnt. Wäre es nicht besser, bei der bisherigen Planung mit einem kleineren Gebäude, Garagen und einem Spielplatz zu bleiben, wollte sie von Margit Bayer wissen. Die wiederum betonte, dass dies eine Entscheidung des gesamten Stadtrats sei. Und der sei eben begeistert davon, dass 16 neue Wohneinheiten entstehen. Denn es gebe eine enorme Nachfrage in der Stadt. Vor allem junge Leute suchten familienfreundliche Wohnungen. Das Ganze hätte auch noch voluminöser ausfallen können – immerhin sei, um die Akzeptanz zu verbessern, nur ein Teil des Gebäudes dreigeschossig geplant, das andere werde zweigeschossig. Und: Die Wiese nördlich der Ringstraße sei eben einer der letzten Standorte in der Stadt, wo noch eine Wohnbebauung möglich ist.

Zu viel Schatten

Nach der Stadtratssitzung betonte Anwohnerin Marika Jost im Gespräch, dass die Anlieger nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung auf der Wiese seien. Aber sie lehnten das Gebäude in der jetzigen, ihrer Ansicht nach viel zu großen Form ab. Ähnlich wie Bärbel Sieler wäre es ihr am liebsten, wenn es beim alten Bebauungsplan bleiben würde. Denn die Folgen des jetzt geplanten Neubaus wären gravierend: Für einige Anwohner würde es bedeuten, ein halbes Jahr Schatten statt Sonne zu haben. „Da bekommt man ja Depressionen.“ – „Bei so einem Vorhaben muss auch an die aktuellen Bewohner gedacht werden“, pflichtete Simon Brendel bei. Er stellte zudem infrage, ob das Ganze wirklich so familienfreundlich werde, wenn die Häuser so eng beieinander stünden und die Kinder keinen Platz zum Spielen hätten.

„Wir sind hier doch nicht München Innenstadt“, meinte Bärbel Sieler. Sie befürchtet, dass es zu Parkplatzproblemen und zu Lärmbelästigungen kommen werde. Auch für die älteren Menschen im angrenzenden Senioren-Servicehaus sei das Projekt nicht gerade angenehm.

Marika Jost hatte dem Stadtrat in der Bürgerfragestunde empfohlen, sich die Sache vor Ort einmal anzusehen. Bürgermeisterin Margit Bayer und die CSU/Wählerbund-Fraktion werden dies am Dienstag tun.

Nachfrage zu Cube-Quader

Das Hochregallager mit 50 Metern Höhe, das der Waldershofer Fahrradhersteller Cube auf seinem Gelände beim Kreisverkehr plant (wir berichteten), bewegt die Menschen im Fichtelgebirge. Und es hat auch überregional für Schlagzeilen gesorgt. In der Bürgerfragestunde vor der Stadtratssitzung am Donnerstagabend wollte Günter Raithel wissen, wie es dazu kam, dass in der Stadtratssitzung vom Februar die Rede von 38 Metern Höhe war – und der dann im Rathaus öffentlich ausgelegte Plan eine Höhe von 50 Metern auswies.

Die Firma Cube sei auf die Stadt mit dem Vorhaben zugekommen, als sie noch im Gespräch mit verschiedenen Herstellern von Hochregallagern war, sagte Bürgermeisterin Margit Bayer. Anfangs standen eben 38 Meter im Raum. Später habe Cube das Angebot eines anderen Herstellers favorisiert, der die 50-Meter-Lösung auf den Tisch brachte. Bayer betonte, dass man immer noch ganz am Anfang des Planungsverfahrens stehe. Falls es überhaupt keine Akzeptanz dafür gebe, werde es auch nicht bei der Höhe von 50 Metern bleiben. Mittlerweile habe die Stadt von Cube die Zusage bekommen, dass das Lager drei Meter in die Tiefe abgesenkt werden könne.

Vorschläge, das Regallager noch tiefer im Boden verschwinden zu lassen, seien jedoch technisch nicht realisierbar, erklärte Margit Bayer am Donnerstag. Man sei aber mit Cube in enger Abstimmung, wenn es darum gehe, die Fassade des Lagers möglichst ansehnlich zu gestalten. Danach werde der Plan erneut öffentlich ausgelegt.

Günter Raithel regte dann noch an, den Schattenwurf des geplanten Lagers nicht nur für die nahe Photovoltaikanlage prüfen zu lassen, sondern für alle Anlieger.

Hier der Bericht zur Mai-Sitzung des Stadtrats Waldershof

Waldershof

„Bei so einem Vorhaben muss auch an die aktuellen Bewohner gedacht werden.“

Simon Brendel

 

 

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