Suche nach vermisster Achtjähriger geht in der Nacht weiter

Bei einer Wanderung am tschechischen Berg Cerchov verschwindet am Sonntag ein achtjähriges Mädchen aus Berlin. Die Polizei durchkämmt das unwegsame Gelände – bisher ohne Erfolg. Ein Wettlauf mit der Zeit.

Seit Sonntag wird in Tschechien - nahe der Grenze zu Bayern - ein achtjähriges Mädchen vermisst. Es läuft eine große Suchaktion.
von Redaktion ONETZProfil

Von Dominik Altmann

Der Reif taucht den Bayerwald an diesem 11. Oktober in ein erstes Weiß. Kurz vor 9 Uhr ist es zapfig in der Gegend um Furth im Wald, Waldmünchen und Domazlice (Taus). Während der Nacht fallen die Temperaturen teils bis unter den Gefrierpunkt. Für die Rettungskräfte heißt das: Es eilt. Ein Mädchen aus Berlin wird vermisst. Ihr Name ist Julia.

Die Achtjährige und ihre Familie wandern am Sonntagnachmittag im Gebiet des (Cerchovs (Schwarzkopf). Auf tschechischer Seite des Bergs verbringt das fünfköpfige Gespann den Tag. Die drei Kinder – Sohn, Tochter und Neffe des Ehepaars – spielen und gehen dabei ein paar Meter voraus. Sie kommen aber nicht zurück. Die beiden Buben findet eine Radfahrerin später etwa einen halben Kilometer unterhalb des auf 1 042 Meter liegenden Gipfels, das Mädchen bleibt vermisst.

Vater schlägt Alarm

Um 17 Uhr schlägt der Vater Alarm, kontaktiert den Notruf. Tschechische Rettungskräfte rücken noch am Abend zur Suche aus. Wenig später stoßen auch deutsche Helfer dazu. Hubschrauber mit Wärmebildkameras sind in der Luft. Die ganze Nacht suchen die Einsatzkräfte – doch noch am Montagmorgen fehlt jede Spur von Julia. Die Zeit drängt. Die Nacht war frostig, bis zu minus fünf Grad hat das Thermometer in der Nacht auf dem Gipfel angezeigt. 700 Männer und Frauen, 40 Hunde suchen das Kind. Diese Temperaturen seien potenziell lebensbedrohlich, verdeutlicht der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Florian Beck, den Ernst der Lage. Die Einsatzkräfte wollen die Hoffnung allerdings nicht schnell aufgeben. Sie sind von ihren Piepsern in der Früh aus den Betten geholt worden.

Öffentliche Fahndung mit Foto

Bergwachten, Rettungshundestaffeln, Feuerwehren, eine Einsatzhundertschaft der Polizei und die Notfallseelsorge sind vor Ort. Die kümmert sich um Eltern, Bruder und Cousin der Kleinen. Ermittler gehen mit der Familie noch einmal die letzten Minuten vor dem Verschwinden des Mädchens durch. Sie suchen nach Hinweisen, was mit ihm passiert sein oder welche Richtung Julia eingeschlagen haben könnte. Entscheidende Hinweise bleiben aus.

Die Einsatzleitung der deutschen Rettungsdienste verlegt am Montagmorgen zunächst vom Cerchov-Gipfel nach Althütte bei Waldmünchen, später an den ehemaligen Grenzübergang Schafberg bei Furth im Wald. Der Zoll bietet die Ü-Halle als Standort für die Einsatzleitungen der jeweiligen Hilfskräfte an. Am Montagmittag startet das Polizeipräsidium Oberpfalz dann eine Öffentlichkeitsfahndung mit Foto: Julia heißt das Kind mit dem blonden schulterlangen Haar. Sie ist aus dem Großraum Berlin. Das etwa 1,40 Meter große Mädchen trägt eine blaue Jacke und ein rosa Halstuch. Laut Beschreibung ist sie in einer dunklen Hose und mit roten Schuhen bekleidet.

Personensuchhunde im Einsatz

Die Polizei stellt klar: Es ist ein Vermisstenfall. Die Suche geht den ganzen Vormittag, zieht sich bis in den Nachmittag. Personell aufgestockt werden die Ehrenamtlichen im Laufe des Tages von einer Hundertschaft der Polizei. Dementsprechend herrscht auf dem Gelände am ehemaligen Grenzübergang ein Gewusel. Helfer kommen, Helfer gehen, fahren ins Suchgebiet. Am Montagnachmittag seien zeitweise über 700 Einsatzkräfte aus Bayern und Tschechien an der Suchaktion beteiligt gewesen, sagt Florian Beck vom Polizeipräsidium in Regensburg – darunter Bereitschaftspolizei, Feuerwehr, Bergwacht und Rettungshundestaffel. Mehr als 40 Personensuchhunde unterstützen mit ihren feinen Nasen. Eine heiße Spur können auch sie nicht ausmachen.

So stehen schließlich Fahrzeuge mit Hundeführern aus ganz Niederbayern, der Oberpfalz und auch Mittelfranken am Großparkplatz. Die Fahrzeuge reihen sich neben Bergwachtbussen und anderen geländegängigen Wagen. Das Personal bei den Rettungskräften wechselt ebenfalls, auch die Menschen brauchen Pausen, müssen ruhen. Aufgeben kommt bis zum Abend für niemanden in Frage. Die Suche ist bis dahin noch nicht beendet.

Wetter bereitet Sorge

Das kühle Wetter in der Nacht bereitet Sorge, die fortschreitende Zeit lässt bei dem ein oder anderem die Zuversicht schwinden. Mehrfach durchkämmen die Hilfskräfte das große Waldgebiet. „Es ist ein schwieriges Gelände, ringsherum ist tiefer Wald“, sagt die tschechische Polizeisprecherin Dana Ladmanova. Die Wärmebildkameras der Hubschrauber sind wegen des dichten Waldes wenig hilfreich. Eine Entführung oder Schlimmeres schließt die Polizei aus. Gerüchte dazu haben sich dazu bereits am Abend jenseits der Grenze unter den Hilfskräften breitgemacht. „Es ist ein Vermisstenfall und das bleibt es vorerst auch“, betont Beck. Auch zahlreiche Helfer aus und um Waldmünchen stoßen zu den Suchtrupps. Das ist gut gemeint. Um die Helfer allerdings nicht noch durch einen zusätzlichen Einsatz zu binden, bittet der Polizeisprecher, sie mögen am Abend doch zu Hause bleiben.

Wie das Polizeipräsidium Oberpfalz in den Abendstunden am Dienstag mitteilt, wird die Suche nach dem vermissten Mädchen auch in der Nacht weiter fortgesetzt. Dabei werden die Helfer insbesondere mit geländegängigen Fahrzeugen im Suchbereich unterwegs sein.

So lief die Suche nach dem vermissten Mädchen bisher

Waldmünchen im Landkreis Cham
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.