22.02.2021 - 14:51 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Vor 125 Jahren: Der Markt Waldsassen wird zur Stadt

In normalen Zeiten wäre das Jubiläum Anlass für ein größeres Fest: Am 23. Februar 1896, also vor 125 Jahren, bekam der Markt Waldsassen die Stadtrechte verliehen. Schon damals spielte die Nähe zur böhmischen Nachbarstadt Eger eine Rolle.

Prinzregent Luitpold (im Bild eine historische Aufnahme der nach ihm benannten Straße) verlieh vor 125 Jahren dem Markt Waldsassen die Stadtrechte.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Der 125. Jahrestag der Erhebung Waldsassens zur Stadt wird wegen der Corona-Pandemie ohne große Festivitäten vorübergehen: Am 23. Februar 1896 verlieh Prinzregent Luitpold von Bayern dem Marktflecken im Stiftland die Stadtrechte.

Bereits 1882 war ein erster Anlauf gestartet worden, doch dieser war ohne Erfolg geblieben. Ein weiteres Gesuch formulierten die Verantwortlichen Ende 1895. In dem Schreiben nach München hatten der damalige Bürgermeister Gabriel Velhorn sowie Gemeindegremiums-Vorstand Josef Strobl auf die Vorzüge Waldsassens verwiesen und dokumentiert, warum Waldsassen „Stadt“ werden sollte.

In tiefster Ehrfurcht haben die „alleruntertähnigst treugehorsamsten Kollegien darzuthun versucht, daß ihr Heimatort dieses allerhöchsten Gnadengeschenkes gleichfalls nicht unwert sei“, wie es heißt. Auszüge aus dem Gesuch, das in einer nach heutigem Verständnis besonders unterwürfigen Sprache abgefasst ist, sind im Buch von Bernhard Fuchs „Stadt- und Markterhebungen in der Oberpfalz im 19. und 20. Jahrhundert“ veröffentlicht.

Nahe bei Eger und den Weltbädern

In dem Schreiben nach München wird vor allem auf die wirtschaftlichen Verhältnisse Waldsassens hingewiesen. Diese seien vielfach bedingt "durch seine Lage nahe der Grenze des Landes, nahe bei der lebhaften böhmischen Industriestadt Eger, nahe bei den bekannten Weltbädern Franzensbad und Marienbad". Die Lage an der Grenze und "unferne von den böhmischen und sächsischen Kohlelagern" mache Waldsassen "zur Ansiedlung mannigfacher Fabrikbetriebe vorzüglich geeignet".

Aus solchen Betrieben "entspringen für die örtlichen Gewerbe ... vielfache Anregung und lohnende Beschäftigung", wie es im Hinblick auf die heimische Wirtschaft heißt. Auf "Hebung und Förderung dieser Gewerbe" müsse die Gemeinde bei ihrer "verhältnismäßig begrenzten landwirtschaftlichen Ära und deren kaum mehr zu hebenden Ausnützung" besonderes Gewicht legen.

"Nur etwa 2 Wegstunden"

Herausgestellt wurde die Bedeutung Waldsassens im Hinblick auf die geografische Lage zur "nur etwa 2 Wegstunden entfernten Stadt Eger", die "einen schon jetzt lebhaften geschäftlichen Verkehr zwischen beiden Orten mit sich" bringe. Dieser wäre aber noch, wie es weiter heißt, "namentlich zu Gunsten Waldsassens, leicht einer Steigerung fähig".

"Von den genannten böhmischen Kurorten aus wird Waldsassen während der Saison viel besucht; doch auch diese für mache Gewerbe einträgliche Frequenz könnte und sollte sich noch weiter heben." Es könne "auf Erreichung des angestrebten Zieles nur von günstigstem Einfluße sein, wenn Waldsassen des Namens und der Stellung einer ,Stadt‘ sich erfreuen würde, wenn die Ansiedlung in einer ,Stadt‘, die Anknüpfung geschäftlicher Beziehungen mit ,städtischen‘ Gewerbetreibenden, der Besuch und die Besichtigung einer ,Stadt‘ in Frage kämen".

Kapitalisten und Pensionäre

Ebenso könnten die "jetzt schon nicht seltene Niederlassung von Kapitalisten, Pensionisten u. dgl. in Waldsassen, wozu dieses in folge seiner anziehenden, schon von Göthe (Schweizerreise) gerühmten gesunden Lage in Mitten frischer Waldberge, seiner trefflichen, öffentlichen Einrichtungen, wie seinen kunstvollen Bauwerken, sich recht wohl eignete, durch die allergnädigste Bittgewährung nur gewinnen, wie hiedurch auch dem unmittelbar bei Waldsassen gelegenen Bade Kondrau mit seinem weithin beliebten Sauerbrunnen sicherlich eine namhafte Förderung zu Teil würde".

Appell von Bürgermeister Bernd Sommer an die Staatsregierung

Waldsassen
Hintergrund:

Die Bürgermeister der Stadt Waldsassen in den vergangenen 125 Jahren

Die Namen von 16 Persönlichkeiten sind im Stadtarchiv auf der Liste der Bürgermeister seit der Verleihung der Stadtrechte im Februar 1896 vermerkt. Manche Amtsinhaber waren, etwa während des Zweiten Weltkriegs, teils nur wenige Monate im Amt. Die dienstältesten Bürgermeister waren Franz Fischer (von Mai 1960 bis April 1990) und Josef Hierl (Februar 1919 bis April 1940). Die Aufstellung hatte der frühere Stadtheimatpfleger Robert Treml erarbeitet, anlässlich des 120. Jahrestags 2016.

  • Gabriel Velhorn, Kaufmann, November 1893 bis September 1896
  • Gottfried Fick, Schreinermeister, Oktober 1896 bis April 1902
  • Christoph Gill, Kaminkehrermeister, April 1902 bis Dezember 1911
  • Josef Simon, Kaufmann, Januar 1912 bis Dezember 1918
  • Josef Hierl, Jurist, Februar 1919 bis April 1940
  • Johann Held, Forstbeamter, April 1940 bis Juni 1941
  • August Franz, Brauereibesitzer, Juli 1941 bis April 1945
  • Karl Bergauer, Baumeister, April bis Mai 1945
  • Georg Ponnath, Regierungsrat, Mai 1945 bis April 1946
  • Franz Josef Maenner, Buchdrucker, Mai 1946 bis September 1946 und
    Mai 1948 bis September 1948
  • Michael Kunz, Porzellanarbeiter, Oktober 1946 bis Mai 1948
  • Andreas Bernreuther, Konditor, November 1948 bis Dezember 1959
  • Franz Fischer, Finanzbeamter, Mai 1960 bis April 1990
  • Hans Schraml, Religionslehrer, Mai 1990 bis April 1996
  • Herbert Hahn, Stadtkämmerer, Mai 1996 bis April 2008
  • Bernd Sommer, AOK-Angestellter, seit Mai 2008
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