25.09.2019 - 16:24 Uhr
WaldsassenOberpfalz

68 Operationen in 11 Tagen

Immer wieder Überraschungen erlebt Dr. Annemarie Schraml in Tansania. Beim 31. "Feuerkinder"-Einsatz im Nkoaranga-Krankenhaus Tansania konnte die Ärztin auch einem jungen Massai helfen, der von einem Löwen schwer verletzt worden war.

Vielen Kindern mit entstellten Gliedmaßen half das Team von Dr. Annemarie Schraml (Zweite von rechts) auch beim 31. Einsatz.
von Ulla Britta BaumerProfil

Es war ein überaus erfreulicher Einsatz mit sehr positiven Erfahrungen", sagt die Stiftländerin. Erst kürzlich ist sie mit ihrem Team aus Afrika zurückgekommen. Diesmal wurde die ehrenamtlich tätige Ärztin von Marion Belzner, Daniela Klughardt, Dominic Reinhart, Johanna Schröter und Anna-Maria Eberl sowie Grace Ayoo-Küfner begleitet. Letztere setzt sich schon seit 20 Jahren für das Hilfswerk ein. "Sehr hilfreich war auch wieder die Mitarbeit von Dr. Mirjam Triebel, Neuropädiaterin aus Jena, die seit Januar 2019 in Ifunda in einem neuropädiatrischen Zentrum im Süden Tansanias wirkt", berichtet Schraml.

Nicht zu vergessen die beiden tansanischen Ärzte Dr. Kiwesa und Dr. Mollel, deren Ausbildung über das Hilfswerk "Feuerkinder" finanziert wurde. Seither führen sie sehr viele Operationen durch. Aus weitem Umkreis werden Patienten mit Knochenbrüchen gebracht, die mit Nagelosteosynthese versorgt werden. Schraml: "Das Krankenhaus hat sich damit im Norden Tansanias einen Namen gemacht und ist sehr bekannt geworden."

Handbohrer hilft

Längst sind Patienten der Hilfsorganisation nicht mehr nur Kinder mit entstellten Gliedmaßen. Die Ärztin erzählt, dass der Allgemeinchirurg mittlerweile auch Gehirnblutungen versorge. Mit einem aus Deutschland besorgten Handbohrer entlaste er den Bluterguss im Kopf und habe damit schon das Leben von vier jungen Menschen gerettet. "Insgesamt hat sich der Pflege- und Behandlungsstandard des Hospitals besonders durch die Hospitation von inzwischen elf Mitarbeitern in der Cnopf'schen Kinderklinik in Nürnberg deutlich verbessert", freut sich Dr. Schraml.

Besonders beeindruckt hat sie der Besuch von Peter, den sie vor 16 Jahren wegen Klumpfüßen operiert hat. Seine Mutter habe ihn 2003 zum Krankenhaus getragen. "Er war nicht fähig zu gehen und hat sich aus Scham auf seine Füße gesetzt. Deshalb steiften seine Kniegelenke in Beugestellung ein." Mit Gipsverbänden habe sie seine Knie gestreckt. Peter konnte danach die Schule besuchen, wurde Abschlussbester und erhielt ein Stipendium. "Er macht nächstes Jahr Abitur und will Jura studieren", sagt Schraml glücklich. Ihren Einsatz sieht sie am Ende auch als Beitrag zur Entwicklungshilfe und damit Fluchtprophylaxe.

Eine zweite höchst erfreuliche Geschichte ist die des jungen Massai Joel. Der Betriebswirtschaftsstudent hütete in den Ferien die Rinder seines Vaters nahe am Ngorongoro-Krater, wo ihn ein Löwe schwer verletzt hat. Wie durch ein Wunder überlebte er und wurde ins 200 Kilometer entfernte Nkoaranga-Krankenhaus gebracht. Bis auf den linken Unterarm, der vom Löwen zerbissen worden war, seien alle Verletzungen verheilt. Mit Hilfe einer Orthese kann er die Hand wieder benutzen.

Zulauf aus ganz Tansania

Bevor Schraml den jungen Mann kennenlernte, musste der Vater die Behandlungskosten selbst zahlen und seine Rinder verkaufen. Die Ärztin vermittelte Joel in Malambo in einer Internatsschule für Massai-Kinder eine Stelle. Sie hat auch eine Familie besucht, der sie mit dem Bau eines kleinen Hauses geholfen hat. Nun bauen die Bewohner Gemüse zum Eigenverbrauch und zum Verkauf an und betreiben eine kleine Schneiderei. An 11 Tagen wurden 68 OPs durchgeführt und 170 ambulante Patienten untersucht. "Obwohl der Einsatz nicht öffentlich war, kamen am ersten Tag zur Voruntersuchung 110 Kinder mit ihren Angehörigen aus ganz Tansania", erzählt Schraml. Sie ist für jede Hilfe dankbar. "Wir konnten die Mützen, Socken und Decken, die Frauen im Landkreis Tirschenreuth, in Marktredwitz und Freiburg gestrickt haben, wunderbar brauchen." In Tansania sei es Winter und nachts sehr kalt. Schraml, die immer wieder die politische Lage in Tansania beobachtet, erlebt positive Entwicklungen. Aber die Schere zwischen Arm und Reich sei gewaltig. "Wir müssen viele Patienten mit Essen, Kleidung und Fahrgeld unterstützen." Ein Problem sei die Besorgung von Kunststoffgipsen für die Vor- und Nachbehandlung von Klumpfüßen. "Feuerkinder" habe mit drei großen Kartons helfen können.

Nächster Einsatz 2020

Und ein besonderes Projekt macht große Fortschritte: Schraml ist glücklich, dass der Neubau des von der deutschen Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" finanzierten OP-Saals vorangeht und vielleicht sogar bei ihrem nächsten Einsatz in Tansania im Februar 2020 eingeweiht werden kann. Wer die Arbeit von Dr. Annemarie Schraml unterstützen möchte, kann spenden auf das Konto "Projekt Aktion Feuerkinder", Iban DE53 5206 0410 0103 5099 82.

Der junge Massai Joel wurde von einem Löwen schwer verletzt. Jetzt kann er seine Hand wieder benutzen und vielleicht auch weiterstudieren.
Dr. Annemarie Schraml (rechts) hat mit ihrem Team in Tansania wieder große Hilfe leisten können.
Peter, der als Kind nicht laufen konnte, ist jetzt ein prächtiger junger Mann, der Jura studieren möchte.
So haben Peters Klumpfüße im Jahr 2003 vor den Operationen ausgesehen.
Simon strahlt übers ganze Gesicht, denn auch seine OP ist gut verlaufen.
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