03.12.2021 - 14:22 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ärztin Angela Karban berichtet aus der Sprechstunde im Impfzentrum Waldsassen

Zweifler und Skeptiker sind willkommen bei Angela Karban. Die Ärztin hat schon zig Diskussionen geführt, um Probleme rund um die Corona-Impfung abzuklären. Sie hofft auf viele weitere Begegnungen in der Impfsprechstunde.

Die Ärztin Angela Karban steht mit weiteren Kollegen im Impfzentrum für Fragen rund um die Impfung zur Verfügung. Abseits der Aufklärungsgespräche ist jeden Samstag von 10 bis 11 Uhr eine ergebnisoffene Sprechstunde im ehemaligen Krankenhaus Waldsassen.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Angela Karban gehört zu den Dutzenden Medizinern, die den Impfbetrieb im Landkreis Tirschenreuth mit am Laufen halten. Die Allgemeinärztin sorgt mit zahlreichen Kollegen bei den Aufklärungsgesprächen dafür, dass die Impfungen gegen das Coronavirus vorschriftsmäßig vonstatten gehen. Darüber hinaus gibt es das Angebot der Impfsprechstunde für alle, die noch mehr Fragen haben.

ONETZ: Jeden Samstag von 10 bis 11 Uhr ist die kostenlose Sprechstunde im Impfzentrum Waldsassen besetzt. Wie ist die Resonanz?

Angela Karban : Für meine Begriffe viel zu gering. Vielleicht ist das Angebot noch zu wenig bekannt. Einmal war ich in der Stunde sogar ganz ohne Kontakt. Teilweise kommen auch Mitarbeiter des Impfzentrums, die mich um Rat fragen, wie sie sich verhalten sollen.

ONETZ: Können Sie uns Beispiele einer intensiveren Beratung geben?

Angela Karban : Einmal waren Eltern da, die unsicher waren, ob sie ihr zwölfjähriges Kind schon impfen lassen sollten. Eine Frau, die Probleme hat, schwanger zu werden, teilt ihre Angst vor Unfruchtbarkeit mit. Ein Mann hat Bedenken, zeugungsunfähig zu werden. Ein Jugendlicher, der sich impfen lassen will, scheitert am Widerstand der Mutter. Dafür muss man sich auch in den normalen Aufklärungsgesprächen schon mal mehr Zeit nehmen.

ONETZ: Wie erfolgreich sind die Beratungen?

Angela Karban : Das kann man nicht mit Sicherheit sagen, am Ende muss ja keine Impfung stehen. Meist muss es erst mal sacken, was wir besprochen haben. Viele sind dankbar, dass wir uns um ihre Bedenken kümmern und fühlen sich gut aufgehoben.

ONETZ: Sitzen auch manchmal Corona-Leugner vor Ihnen?

Angela Karban : Die echten Impfverweigerer bringt man sowieso nicht her. Seit einigen Wochen gibt es das vermehrt, dass Leute sich zum Impfen gezwungen fühlen, weil sie sonst im normalen Leben zu eingeschränkt wären. Die kommen dann rein und sind oft motzig. Vor kurzem hat mich einer ganz blöd angemacht. Da habe ich nur kurz erwidert: So dürfen Sie mit niemandem sprechen, der selbst Corona gehabt hat und auch selbst geimpft ist. Da war er dann ruhig.

ONETZ: Gab es schon mal brenzlige Situationen?

Angela Karban : Man weiß oft nicht, ob jemand nur an der Anmeldung aggressiv ist oder auch bei mir im Sprechzimmer. Bis jetzt gab es aber nur verbale Ausfälle. In der Anfangszeit war es im Impfzentrum so, dass alle Leute geimpft werden wollten. Das war ein normaler, guter Kontakt. Das ist bei Menschen, die sich eher gezwungen fühlen, nicht mehr so gegeben. Mit richtigen Corona-Leugnern lasse ich mich auf keine Diskussionen ein. Oft fällt der Satz: Ich habe keine Fragen, ich will nichts wissen. Da weiß man, der will die Sache nur so schnell wie möglich hinter sich bringen.

ONETZ: Wie lange dauert so ein Aufklärungsgespräch?

Angela Karban : Gerade war ein Kollege da, da geht es natürlich ratz-fatz. Andere Beratungen dauern länger. Am schnellsten ist man bei denen, die ausdrücklich nur ihre Impfdosis wollen: Stempel, Unterschrift, basta.

ONETZ: Welche Bedenken sind besonders häufig?

Angela Karban : Vor allem jüngere Leute haben Angst vor jedem Kopfschmerz, vor jedem bisschen Fieber. Denen sage ich dann: Das ist unangenehm, aber es geht vorbei. Viele können nicht unterscheiden zwischen Komplikationen und Nebenwirkungen. Über lebensverändernde Komplikationen müssen die Leute natürlich auch Bescheid wissen.

ONETZ: Wie klären Sie über echte Komplikationen auf?

Angela Karban : Die kann man nicht leugnen, die kommen selten vor. Irgendwann trifft es natürlich auch jemanden aus unserer Region, den man kennt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich durch eine Impfung Komplikationen bekomme, ist wesentlich geringer als die Problematik, die ich ohne Impfung durch eine Corona-Erkrankung kriege. Das muss man einfach abwägen.

ONETZ: Gibt es eigentlich auch Corona-Leugner in der Ärzteschaft?

Angela Karban : Ja, leider. Auch im Landkreis. Das finde ich beschämend. Besonders, wenn sie bei ihren Patienten gegen die Impfung wettern.

ONETZ: Sorgen die modernen Medien beim Thema Impfen eher für Verwirrung als für Aufklärung?

Angela Karban : Ich will nicht sagen, dass der Austausch auf Twitter oder Facebook negativ ist. Das sind halt eher die Medien der jungen Leute, und das muss man ihnen zugestehen. Aber es müssten viel mehr seriöse Leute und Organisationen auch in diesen Medien was reinstellen, das nicht nur einseitig ist. Da müsste man noch mehr in die Diskussion gehen. Ich glaube, da fehlt es oft an versierten Informationen.

ONETZ: Sind Sie manchmal der Debatten müde?

Angela Karban : Nein. An die Leute, bei denen man sich den Mund fusselig reden könnte, kommt man ja gar nicht so leicht heran. Die gehen in keine Sprechstunde. Die erreicht man nur über die Medien, die sie nutzen.

ONETZ: Haben Sie schon persönlich Freundschaften verloren über der Impfdebatte?

Angela Karban : Gottseidank nicht. Ich habe keine Impfverweigerer im direkten Umfeld. Aber ich weiß, wie das Thema spalten kann. Zum Beispiel, wenn ein guter Freund an Corona gestorben ist und dessen engste Angehörige dennoch Aktivisten gegen die Impfung und andere Maßnahmen bleiben. Da kriegt man dann als Erklärung: Die haben den auf der Intensivstation umgebracht.

ONETZ: Wie ist Ihr persönlicher Corona-Impfstatus?

Angela Karban : Ich habe gleich zu Beginn der Pandemie im März 2020 Corona gehabt, und zwar ordentlich. Mein Mann, der noch als Arzt praktiziert, hatte es aus der Arbeit mitgebracht. Ich bin zweifach geimpft und warte derzeit auf die dritte Dosis.

ONETZ: Zum Abschluss noch ein gutes Argument für die Corona-Impfung?

Angela Karban : Unsere jungen Leute, die derzeit noch nicht geimpft werden können. Sie brauchen unseren Schutz. Und den können wir ihnen nur geben, wenn wir uns impfen lassen. Dafür tragen wir alle solidarisch Verantwortung.

Auch in Weiden gibt es eine Impfsprechstunde

Weiden in der Oberpfalz
In großen Glaszylindern sammeln die Mitarbeiter die Ampullen der im Impfzentrum verabreichten Dosen.
Hintergrund:

Zur Person

  • Die Allgemeinärztin Angela Karban ist 70 Jahre alt.
  • Mit ihrem gleichaltrigen Mann Dr. Reiner Karban betrieb die Wiesauerin in ihrem Heimatort jahrzehntelang eine Hausarztpraxis.
  • Angela Karban ist seit 2016 im Ruhestand und hilft seit langem im Impfzentrum Waldsassen.
  • Die Ärztin ist Mutter von vier erwachsenen Kindern und Oma von elf Enkeln.

"Ich habe keine Impfverweigerer im direkten Umfeld. Aber ich weiß, wie das Thema spalten kann."

Angela Karban

 

 

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