21.02.2021 - 10:55 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Aktion Feuerkinder: Erste OP im neuen Trakt

Die Arbeit der Hilfsorganisation in Tansania ist nicht leicht: Die Regierung ignoriert die Pandemie weitgehend, Kirchenvertreter warnen vor einer Ausbreitung des Virus, so Dr. Annemarie Schraml. Es gibt aber auch positive Nachrichten.

von Externer BeitragProfil

"Die Unterstützung der Menschen um Usa River und das Nkoaranga-Hospital muss fortgesetzt werden, da die Not weiterhin sehr groß ist", schreibt Dr. Annemarie Schraml über die aktuelle Situation vor Ort. Die geplanten OP-Einsätze sind wegen Corona aufgeschoben worden. Dennoch ist die frühere Chefärztin von Waldsassen aus beinahe täglich mit ihrem Team in Tansania in Kontakt.

Sehr erfreulich ist den Angaben zufolge die Zusammenarbeit mit fünf Pastoren: Sie haben im vergangenen Jahr in Usa River an einem SETU-Kurs (Special Education and Training Unit) teilgenommen. "Sie helfen jetzt in ihren Gemeinden, besonders arme Menschen ausfindig zu machen und Lebensmittel, Hygieneartikel usw. an diese bedürftigen Menschen weiterzugeben."

Ellenbogenfraktur zur Premiere

Eine weitere erfreuliche Nachricht: Am 29. Januar ist im neuen, von der Organisation "Ein Herz für Kinder" finanzierten OP-Trakt die erste Operation bei einem Kind mit einer Ellbogenfraktur durchgeführt worden – von Dr. Kiwesa mit seinem Team und dem Anästhesisten Patrick.

Erschwert wird die Arbeit durch die Pandemie: Während diese die tansanische Regierung weitgehend ignoriere, warnen der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, Fredrick Shoo, und der katholische Erzbischof Gervas Nyaisonga vor einer starken Ausbreitung des Coronavirus in Tansania.

Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO vermuten, dass sich in den vergangenen Wochen die Corona-Mutation aus Südafrika verbreitet hat. Andere Theorien sprechen von neuen Infektionsketten, die durch große russische Touristengruppen auf Sansibar verbreitet worden sein könnten.

Patienten mit "Lungenproblemen"

"Eine öffentliche Diskussion über die Corona-Pandemie ist in Tansania nicht erlaubt", erzählt Dr. Schraml weiter. Dennoch werden auch aus dem Nkoaranga-Hospital NLH vermehrt Patienten mit „Lungenproblemen“ gemeldet.

"Durch eine sehr glückliche Fügung können die Mitarbeiter des Reha-Centers Usa River und des Nkoaranga-Hospitals vom Feuerkinderteam mit FFP2-Masken versorgt werden", berichtet Dr. Schraml: Geliefert wurden diese von zwei Frauen, die privat und beruflich nach Tansania geflogen sind. Der Kontakt zu Dr. Annemarie Schraml war von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Daressalam vermittelt worden.

"Eine öffentliche Diskussion über die Corona-Pandemie ist in Tansania nicht erlaubt."

Dr. Annemarie Schraml

Die Pflegekräfte und Ärzte des NLH haben Angst, sich bei Patienten mit Covid-19 anzustecken. Die nach dem letzten Feuerkinder-Einsatz belassenen medizinischen Masken sind weitgehend aufgebraucht. Sehr dankbar sind die Mitarbeiter, dass sie nun die eigentlich für den nächsten Einsatz und Anfang Dezember gesandten FFP2-Masken nutzen können, so Dr. Schraml. In Tansania seien nur sehr dünne, dennoch sehr teure Masken erhältlich.

Finanzielle Hilfe

"Die Not der Menschen in und um Usa River und Nkoaranga ist weiterhin sehr groß und wir setzen die im letzten Jahr begonnene Unterstützung armer Familie und ehemaliger Patienten fort", berichtet Dr. Annemarie Schraml weiter.

So werden erneut 5000 Euro für einen Hilfsfonds für arme Menschen in den Dörfern um den Mount Meru bereitgestellt. Die fünf Pastoren, die am SETU-Kurs teilgenommen hatten, helfen Sophia Moshi und Mona Behninger, die Nahrungsmittel, Hygieneartikel und all die benötigten Dinge zu kaufen und zu verteilen.

500 Euro sind bereitgestellt worden für Hygieneartikel und Unterwäsche für arme Schüler in Usa River, die zum Teil ohne Ersatzkleidung oder Seife und Zahnbürste ins Zentrum gebracht worden waren. "Weitere 500 Euro, um das Essen der Schüler im URRC mit Gemüse und Früchten zu verbessern." 100 Euro monatliche Unterstützung für Peter, den früheren Klumpfußpatienten, der nun in Mwanza Lehramt studiert. 50 Euro monatliche Unterstützung für David, das Waisenkind, Sohn der verstorbenen Krankenschwester Asnath.

100 Euro für die Mutter von Daniel, die nun in Karatu schon einen kleinen Laden eingerichtet hat. Daniel ist nach der plastischen Operation nach der schweren Verletzung nach einem Hyänenangriff zu Hause und nach Angaben von Mona Behninger wieder ein aufgeschlossener, froher Junge. Daniels Mama ist für die Übernahme der Behandlung und die monatliche Unterstützung sehr dankbar. Sie wird als Schneiderin unterstützt und hat einen kleinen Laden eröffnet, um als Witwe längerfristig den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder selbst verdienen zu können. Ein weiteres Beispiel für „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Vor wenigen Wochen bekam Dr. Annemarie Schraml eine großzügige Spende aus Beidl

Beidl bei Plößberg
Hintergrund:

Die Aktion Feuerkinder

  • Seit 2000 fährt ein Team von Orthopäden, Narkoseärzten, OP-Schwestern, Physiotherapeuten und einem Orthopädietechniker ein- bis dreimal jährlich in den Norden Tansanias.
  • Im Nkoaranga-Krankenhaus (NLH) in der Nähe der Stadt Arusha operiert das Team kostenlos Kinder und Jugendliche mit Fehlstellungen an Armen und Beinen. Dazu zählen Klumpfüße sowie stark ausgeprägte X- und O-Beinstellungen.
  • Bisher wurden in 32 Einsätzen 2.410 Operationen und 7.700 ambulante Behandlungen durchgeführt.
  • Das Feuerkinderteam bedankt sich für jede Unterstützung und bittet weiterhin um Spenden. Spendenkonto: Projekt Feuerkinder, Evang. Bank Kassel , BIC: GENODEF1EK1; IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82.
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