24.11.2019 - 12:41 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Angriff auf perfekte Mütter und Instagram-Fotoidyllen

Newcomerin Eva Karl-Faltermeier unterhielt bei einer Benefizveranstaltung gut zwei Stunden lang im Kunsthaus mit kabarettistischen Überlegungen zum Landleben in der Oberpfalz sowie Instagram und Co.

Eva Karl-Faltermeier verstand es bestens, die alltäglichen Verfehlungen der Menschen mit Humor aufs Korn zu nehmen.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Und was spüren Sie jetzt?" Die Frage zog sich wie ein Faden durch den Abend, zu dem der Rotary-Club Stiftland und der Verein Kunsthaus Waldsassen ins Domizil an der Kunstgasse eingeladen hatten. Die Benefizveranstaltung galt dem neuen Jugendprojekt der Stiftland-Rotarier, die grenzüberschreitend Prävention gegen Sucht unterstützen wollen.

Rotary-Präsident Wolfgang Gropengießer freute sich über ein volles Haus und lobte das Kunsthaus als ein Geschenk, für das sich die gesamte Region bedanken könne. "Sie mag es gern, wenn ihr lacht", lud er das Publikum ein, sich bei der folgenden Kabarettistin Eva Karl-Faltermeier nicht zurückzuhalten. Nicht nur deshalb kringelten sich einige Zuschauer vor Lachen, während selbst die etwas stilleren Gäste aus dem Schmunzeln nicht herauskamen.

Kuriositäten menschlichen Daseins

Eva Karl-Faltermeier zeichnete ein herrlich überzogenes Bild der Südoberpfalz als ihre Heimat, wo immer Nebel herrsche. Die Ähnlichkeiten zur Nordoberpfalz waren unübersehbar, was gut ankam. Karl-Faltermeier, die erst das zweite Mal mit großem Programm auf einer Bühne stand, ließ kein Auge trocken bei der Beschreibung, wie sie aufgewachsen sei. Die 37-Jährige bediente kabarettistisch die ganz normalen Kuriositäten des menschlichen Daseins, speziell auf dem Land und traf damit den Nerv des Publikums.

Als junge Frau müsse man derart perfekt sein, immer gut gelaunt und sexy, mit lackierten Zehennägeln. Da hätten es sogar die Trümmerfrauen leichter gehabt, meinte sie. Deshalb sei sie frustriert zur Psychotherapeutin gegangen, zu Frau Jannicke. Die würde immer fragen: "Und was fühlen Sie jetzt?" Hier also steckte des Pudels Kerl. Frau Jannicke begleitete Eva Karl-Faltermeier zwei Stunden lang wie einen unbequemen Schatten. Bald lachte das Publikum schon beim ersten Wort des legendären Satzes.

Instagram, Handwerker und die perfekte Familie sind der zweifachen Mutter aus Regensburg ein gehöriger Dorn im Auge. Sie verstünde nicht, wie diese Mütter es schaffen, Fotos zu posten in der Abenddämmerung beim Spaziergang der Familie ganz in weiß. "Wissen Sie, wie wir aussehen, wenn wir morgens um 6 Uhr für ein Fotoshooting aufstehen müssen?"

Mit spitz-sarkastischer Zunge

Außerdem sei ihr erstes Kind bereits wieder schmutzig, bevor das zweite weiß angezogen sei, meinte Karl-Faltermeier mit spitz-sarkastischer Zunge, was sich im Verlauf des Abends steigert. Das Kunsthaus erlebte eine durchaus ernstzunehmende, neue Konkurrenz der bayerischen Kabarettszene. Viel zu lachen gab es immer, wenn Karl-Faltermeier mit ihrer besten (fiktiven) Freundin Steffi von Frau zu Frau sprach. Frauen untereinander seien sich eh selbst die größten Feinde. Nur wenn es um Tampons gehe, da würde zusammengehalten und ausgeholfen bei Bedarf. "Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Da macht man auch bei Feindinnen eine Ausnahme".

Überhaupt habe ein Kind, bevor es in die Pubertät komme, mindestens 15 000 kleine Pubertäten, blieb das Thema "junge Familie" präsent. Und Durchschlafen? Sei ein Mythos. "Und was spüren Sie jetzt?"

Wolfgang Gropengießer lachte immer noch, als er die Regensburgerin mit einem Geschenk von der Bühne entließ. Das Publikum dankte mit viel Applaus.

Zahlreiche Gäste waren gekommen, um die Newcomerin der Oberpfälzer Kabarettszene zu erleben.
Wolfgang Gropengießer überreicht der Kabarettistin, die ihr zweistündiges Programm sehr gut gemeister hat, am Ende Blumen und für ihre zwei Kinder ein Lebkuchenhaus.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.