17.07.2020 - 16:40 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Attest statt Maske: Asthmatikerin erlebt viel Hass beim Einkaufen

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Wegen ihrer Krankheit kann Monika Poss aus Waldsassen keine Schutzmasken tragen. Sie wird deshalb regelmäßig angefeindet und sogar teils aus Läden und öffentlichen Einrichtungen verwiesen.

Seit sie nahezu täglich beim Einkauf angefeindet wird, trägt Monika Poss extra ein gut sichtbares Hinweisschild auf ihre Krankheit um den Hals. "Viele Leute sind trotzdem ziemlich böse zu mir wegen der fehlenden Maske."
von Ulla Britta BaumerProfil

Monika Poss ist 66 Jahre alt und hat Asthma. Sie hat ihr Leiden gut im Griff, konnte damit bis heute leben. Dann kam Corona. „Ich habe es wirklich versucht. Zuerst mit den Stoffmasken und dann mit Plexiglasschildern. Aber ich denke jedes Mal, ich ersticke“, erzählt sie.

Monika Poss ging mit ihrem Problem zum Hausarzt, zum HNO-Azrt und rief die Corona-Info-Hotline in München an. Überall sei ihr bestätigt worden: Asthmatiker und Menschen mit Behinderungen seien von der Maskenpflicht gesetzlich befreit. Mit dieser für sie guten Nachricht ging die Waldsassenerin wieder einkaufen, unbeschwert und ohne Maske. Dachte sie anfangs zumindest.

Attest ist immer dabei

„Ich sage natürlich in jedem Geschäft sofort, warum ich keinen Schutz trage. Und ich zeige das Attest vom Arzt vor“, sagt sie. Was ihr seither dennoch an Unrecht geschieht, macht sie total fertig. Sie erzählt, sie werde persönlich wegen der fehlenden Maske von anderen Kunden böse angegriffen und teils sogar aus Geschäften rausgeworfen.

Da hilft es auch nicht, dass sie inzwischen einen Hinweis auf ihre Krankheit gut sichtbar um den Hals trägt. „In Waldsassen und Mitterteich in einen Supermarkt darf ich nicht mehr rein. Einmal hat mich ein Security in Mitterteich an der Tür aufgehalten. Er sagte, er wisse nichts von Befreiungen. Und obwohl mir dann ein junger Kunde geholfen hat und dem Mann bestätigt hat, dass meine Befreiung rechtlich verankert ist, wurde mir der Einlass verweigert.“

"Die glauben mir nicht"

Wiederholt bekommt Monika Poss Sätze wie „Das kann ja jeder sagen“ oder „Sie denken wohl, Sie sind was Besseres“ zu hören. Oder ihr wird vorgeworfen, sie habe das Attest gefälscht. „Die glauben mir nicht“, klagt sie. Monika Poss hat um Gespräche mit den Filialleitern und Geschäftsinhabern gebeten. „Einmal wurde mir gesagt, ich muss halt jemand suchen, der für mich zum Einkaufen geht.“

Nicht überall sei ihr Misstrauen begegnet. „Es gibt auch Discounter, die sehr viel Verständnis haben.“ In einem davon habe der Filialleiter ihr geholfen gegen eine boshafte Anfeindung. „Der Mann war sehr aggressiv mir gegenüber. Da bezog der Filialleiter Stellung für mich und bat ihn zu gehen.“

Kein Einlass in Apotheke

Unmöglich findet Monika Poss, dass ihr sogar eine Apotheke den Einlass verweigert. „Man kann erwarten, dass wenigstens in Apotheken die gesetzliche Befreiung bekannt ist“, wettert sie. Der Gipfel der Diskriminierung sei es, dass ihr mit Anzeige gedroht werde. „Einmal habe ich einem gesagt, er soll gleich mit mir deshalb zur Polizei gehen, aber vorher seine Maske runternehmen. Damit ich sehe, wer er ist. Dann ist er wütend weggelaufen.“

Man kann erwarten, dass wenigstens in Apotheken die gesetzliche Befreiung bekannt ist.

Monika Poss

Sehr traurig macht sie der Rauswurf aus einem öffentlichen Gebäude. Dennoch schützt sie die Person, die ihr das angetan hat noch und will das Geschehen deshalb nicht weiter beschreiben.

"Die Leute gehen alle gleich noch drei Meter weiter weg von mir." Dabei könne doch jeder höflich fragen, warum sie keine Maske trage. „Mir reicht’s. Ich will nicht mehr länger ständig ein mulmiges Gefühl haben, nur weil ich einkaufen muss“, wettert Monika Poss. Sie ist es leid, weiter Beleidigungen und Diskriminierungen aushalten zu müssen.

Zum Einkaufen in andere Städte

„Ich bin nicht die einzige, die keine Maske tragen kann“, will sie ihren Leidensgenossinnen und -genossen Mut machen, sich zu wehren. Monika Poss lässt sich nicht aus den Geschäften vertreiben. Nur: Immer häufiger fährt sie deshalb zum Einkauf in andere Städte und sucht Läden, wo ihr Verständnis begegnet.

„Wie kann man nur so böse sein? Mich macht das traurig“, sagt die Asthmatikerin. Niemals in ihrem Leben hätte sie gedacht, dass sie eines Tages wegen ihrer Krankheit stigmatisiert werde.

In Weiden war die Maskenpflicht Anlass für eine Demo:

Weiden in der Oberpfalz
Infobox:

Anonyme Post für Monika Poss

Der Gipfel der Unverschämtheit ist Monika Poss daheim passiert: Sie fand Post von anonymen Denunzierern in ihrem Briefkasten. „Setz' gefälligst deine Maske auf und halte Abstand!“ oder „Sie glauben wohl, Sie sind was Besseres“ seien nur Beispiele, was ihr anonym und verbal an den Kopf geworfen werde.

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