28.06.2020 - 17:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Coronavirus: 60 Demonstranten treten für Kindeswohl ein

Kinder gehören zwar nicht zur Risikogruppe von Covid-19. Und doch litten sie besonders in der Pandemie – wegen der Beschränkungen. Gegen die wenden sich am Sonntag die Demonstranten bei der Max-Reger-Halle.

Vor der Max-Reger-Halle kritisiert Helmut Schöner die Maskenpflicht auch für Kinder.
von Helmut KunzProfil

„Bei den Maßnahmen im Zusammenhang mit Covid 19 wurde das Wohl der Kinder nicht berücksichtigt. Es wurde gar nicht danach gefragt“, schimpfte ÖDP-Stadtrat Helmut Schöner am Sonntagnachmittag bei der Demonstration für „Gerechtigkeit und Schutz für unsere Kinder“, zu der Sonja Schuhmacher aufgerufen hatte. Auf dem Parkplatz der Max-Reger-Halle forderte er vor 60 Zuhörern zwar den Schutz von Risikogruppen – „aber nicht, indem man die Kinder wegsperrt, drangsaliert und traumatisiert mit unnützen, fragwürdigen und schädlichen Reglementierungen“.

Das Leben und der Alltag der Kinder hätten sich von heute auf morgen völlig verändert, sagte Schöner. Vor seinem geistigen Auge sehe er Babys mit Gesichtsschildern oder Mütter, die sich mit Atemmasken ihren Babys zuwendeten. „Mir wird Angst. Was macht das aus unseren Kindern? Was macht das aus unserer Gesellschaft?“

Kinder und deren Eltern seien seit der Schließung von Kitas und Schulen am 16. März in Bayern vor sehr hohe Herausforderungen gestellt. Kein Kontakt zu Gleichaltrigen und Freunden, keine Möglichkeit, den kindlichen Bewegungsdrang auszuleben, weil viele Familien auf zu kleine Wohnungen beschränkt seien. Darüberhinaus gebe es verstärkt psychisches oder gar körperliches Leid der Kinder aufgrund häuslicher Gewalt.

Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen haben bereits Tradition

Oberpfalz

Schulschließungen seien nicht sehr effizient gewesen, glaubt Schöner. Er verwies auf Erfahrungen in Norwegen und Dänemark. Dort habe die Wiedereröffnung von Kindergärten und Grundschulen bereits ab Mitte April zu keiner beschleunigten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus geführt. Auf das Maskentragen sei bei Kindern verzichtet worden. Kinder hätten lediglich Abstand halten und Handhygiene gelernt. Das Übertragungsrisiko durch Kinder sei gering.

Masken behinderten das freie Atmen. Sie würden die Mimik und damit den Großteil der nonverbalen Kommunikation verbergen. Dies führe bei Kindern zu Unsicherheit und Angst. „Sie drücken auf die Befindlichkeit und Stimmung und verursachen psychische Belastung bis hin zu psychischen Schäden."

Dornrose-Psychologin Ilkay Gebhardt ging auf Übergriffe auf Kinder ein. „Die häusliche Gewalt an Kindern sei extrem gestiegen in diesen Lockdown-Zeiten“, sagte sie. Als Gründe nannte sie überforderte Menschen und oft viel zu kleine Wohnräume. Dies könne zu Spannungen führen, die einige nur über Gewalt abbauen könnten. „So etwas passiert jetzt. Bei uns steht das Telefon nicht mehr still." Inzwischen laufe der Schulbetrieb wieder an. Menschen, die mit Kindern arbeiteten, hätten normalerweise einen Blick für deren Wesensveränderungen. „Aber durch die Masken verhalten sich Kinder, wie Lehrer völlig anders.“ Der Blick der Pädagogen gehe nur noch in eine Richtung: „Wie kann ich die Regeln umsetzen?“

ÖDP-Stadtrat Helmut Schöner spricht.
Häusliche Gewalt an Kindern habe durch den Lockdown drastisch zugenommen, berichtet Psychologin Ilkay Gebhardt.
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