17.08.2021 - 14:22 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Besondere Aufmerksamkeit für Geläut der Basilikaglocken in Waldsassen

Zahlreiche Zuhörer erlebten auf dem Basilikaplatz in Waldsassen eine Klangmeditation mit Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl. Dabei erfuhren sie viel Wissenswertes über die Glocken der Basilika.

In den Türmen der Basilika befinden sich insgesamt sechs Kirchenglocken.
von Josef RosnerProfil

Eine knappe Stunde nahmen sich viele Zuhörerinnen und Zuhörer Zeit, um am Samstagabend einer Glockenklangmeditation mit Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl vor der Basilika zu lauschen. Bei herrlichem Sommerwetter erzählte der Stadtpfarrer viel Wissenswertes über die sechs Basilikaglocken, die zwischendurch immer wieder mal läuteten.

Ziel der Veranstaltung war es, die Wahrnehmung der Kirchenglocken zu verstärken. "Die Reise unseres Lebens begleiten Kirchenglocken, von der Wiege bis zur Bahre", sagte Thomas Vogl, der sich über das große Interesse freute. "Die Kirchenglocken helfen uns zu unterscheiden zwischen Werktag und Sonntag, zwischen Alltag und Feiertag", so der Stadtpfarrer. "Am Morgen wecken sie uns und erinnern uns daran, Gott zu danken und schon frühmorgens den Tag unter Gottes Segen zu stellen. Am Mittag laden die Glocken zum Innehalten ein und am Abend läuten die Glocken zur Vesper." Nicht abwegig sei die Ansicht, dass Gott mit den Glocken die Menschen erreichen wolle.

Abbau im Zweiten Weltkrieg

Als erste Glocke stellte der Stadtpfarrer die Marienglocke vor, die 20 Zentner wiegt und auf den Ton "f" gestimmt ist. "Glockenklang und Maria, das verbindet sich jeden Tag am Morgen, Mittag und am Abend", so Vogl. Im Anschluss läuteten die Marienglocke und die Josefiglocke, zunächst einzeln und dann gemeinsam. "Maria und Josef gehören zusammen, sie werden oft in einem Atemzug genannt", sagte der Geistliche. Es folgte die Bernhardiglocke aus dem Jahr 1718. Der Stadtpfarrer erinnerte an die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als fünf Glocken der Basilika von einer Tirschenreuther Firma abgebaut werden mussten. In aller Eile ließ der damalige Stadtpfarrer Josef Wiesneth das Glockengeläut auf Schallplatten aufnehmen, um den vertrauten Klang der Nachwelt zu erhalten. "Mit bitterem Schmerz", so wird Wiesneth zitiert, habe die Pfarrgemeinde die liebgewonnenen Glocken dahinscheiden sehen. Transportiert wurden sie nach Hamburg, lediglich die Michaelsglocke blieb nach langwierigen Verhandlungen der Kirche erhalten.

Elektrifizierung im Jahr 1953

1947 wurde die Bernhardiglocke aus Hamburg rückgeführt und am 5. Juni 1947 feierlich eingeholt. Kurz darauf erklang sie wieder von den Türmen der Basilika. Die weiteren Glocken kamen Ende Juli 1948 nach Waldsassen und erhielten durch Erzabt Dr. Johannes Baur den kirchlichen Segen. 1953 wurde die Glockenanlage elektrifiziert, dadurch entfiel die mühsame Bedienung der Glockenseile.

Als nächstes an der Reihe war die 44 Zentner schwere Reliquienglocke, danach ging der Pfarrer auf die Michaelsglocke (Sterbeglocke) ein. "Michael spielt eine wichtige Rolle im Volksglauben", sagte der Pfarrer, der betonte, dass die Michaelsglocke die kleinste der sechs Exemplare ist. "Sie ist die Sterbeglocke und läutet zu den Sterbegebeten für unsere Verstorbenen und am Ende des Tages, wenn wir beim Gebetsläuten auch den Verstorbenen gedenken." Zum Abschluss erklang die Dreifaltigkeitsglocke, mit einem Gewicht von 66 Zentnern die größte der sechs Glocken. "Sie ist die Festtagsglocke und läutet zu den Hochfesten und besonderen Anlässen, wie Ostern Weihnachten, Pfingsten, und jeden Sonntag zum Pfarrgottesdienst." Pfarrer Vogl sagte am Ende, dass das Glockengeläut auch ein Glaubenskenntnis sei. "Das Läuten der Glocken erinnert uns daran, dass es keinen gottlosen Platz, keine gottlose Straße, keine gottlose Familie und keine gottlose Gemeinde gibt. Gott hat sich von den Menschen nicht losgesagt, Gott vergisst keinen Menschen." Zum Abschluss erklang drei Minuten lang volles Glockengeläut, sehr zur Freude der Zuhörer.

Sanierung der Klosterbibliothek in den kommenden Jahren

Waldsassen
Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl stellte den Zuhörern am Basilikaplatz die sechs Glocken der Basilika vor.
Blick in die Reihen der zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer.
Blick in die Reihen der zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer.
Die sechs Glocken der Basilika erklangen am Samstagabend bei einer Klangmeditation.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.