23.11.2018 - 17:23 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ein Dorf ohne Glocke

Neben dem Rettungsdienst-Thema beschäftigt die Waldsassener bei der Fragerunde in der Bürgerversammlung noch mehr. Es geht um innerstädtische Parkmöglichkeiten und um zwei Anliegen aus Pechtnersreuth.

Hubert Schicker.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Als erste Rednerin verwies Kerstin Walch auf eine Informationsveranstaltung der Ikom Stiftland, im Jugendheim am Donnerstag, 19. November um 19.30 Uhr. Dabei geht es um die Bewerbung um den Titel "staatlich anerkannte Öko-Modellregion". Lydia Riederer nutzte die Gelegenheit für einen Aufruf an die Bürger: Anlass war die Veränderung der Grundstücke. "Es entstehen zunehmend moderne und pflegeleichte Gärten", so die Rednerin und nannte die Ausstattung mit Buchsbaum, Kies- und Schotterflächen und Formgehölzen.

"Wo bleiben Lebensraum und Nahrung für Bienen, Hummeln, Käfer und Schmetterlinge." Jeder Einzelne könne mithelfen, "... dass es in Waldsassen wieder summt und brummt." Lydia Riederer weiter: "Sorgen wir dafür, dass unsere Grundstücke nicht zu Steinwüsten werden, lassen wir wieder einheimische Pflanzen blühen." Die Umweltstation stehe für Ratschläge zur Verfügung. "Das kann ich nur unterstützen", so Bürgermeister Sommer und verwies auf das Bienenprojekt in Zusammenarbeit mit der Umweltstation. "Auch wir haben Flächen, die nicht bienenfreundlich bepflanzt sind." Die Problematik der Parkplatznot in der Innenstadt sprach Max Ernstberger an. Bürgermeister Sommer sicherte ein neues Konzept im Laufe des Jahres 2019 zu. Josef Günthner kritisierte, dass beim Ortseingang an der Einmündung zur Raiffeisenstraße die Anwesen nach "Rocky Docky" aussähen; weiter in Richtung Innenstadt am Winter-Eck fühle man sich wie auf der "Auer Dult". Günthner forderte, dass während des Winters die Bürgersteige geräumt werden. "Plötzlich war die Brille weg", erzählte Günther dann von einem abendlichen Spaziergang. "Warum war sie weg", fragte der Redner und gab die Antwort gleich selbst: "Weil die Anwohner die Sträucher an den Gehsteigen nicht zurückschneiden. Dann fällt dir die Peitsche ins Gesicht und dann schaust dumm." Bürgermeister Sommer verwies auf die "Räumpflicht-Satzung". Darin sei auch festgelegt, dass sich Anwohner ganzjährig um den Gehsteig kümmern müssten. Auch das Zurückschneiden von Sträuchern sollte selbstverständlich sein.

"Ich komme immer noch aus Pechtnersreuth", meldete sich Hubert Schicker zu Wort - und brachte die gleichen Themen vor wie 2016 und 2017. "Heute bin ich wieder da." Schicker wiederholte seine frühere Bitte: "Vergesst die Dörfer nicht." Konkret ging es um die Dorfglocke, die vergangenes Jahr abgebaut wurde: Nun sei sie aber immer noch nicht wieder installiert. "Es gibt ganz viele Gründe, warum das nicht gemacht worden ist." Der geforderte Beitrag - in Form von Eigenleistung und finanziell - sei erledigt. "Bitte nehmt euch für 2019 diese Priorität so vor, dass wir diese Dorfglocke wieder kriegen", so Schicker. "Das mag für manche in der Stadt banal klingen, aber die Dorfglocke gehört dazu. Ein weiteres Thema war Schickers erneute Forderung nach der Breitband-Anbindung. Auch diese gehöre dazu; Termine für die Inbetriebnahme einer schnelleren Anbindungen seien wiederholt verstrichen.

Bürgermeister Bernd Sommer erklärte die Verzögerung bei der Breitbandversorgung mit Problemen bei der ausführenden Firma. Inzwischen werde seitens der Stadt als Auftraggeber eine Vertragsstrafe angezeigt. Schwierigkeiten eine Firma für den Auftrag zu finden sei auch der Grund, warum die Dorfglocke noch nicht wieder installiert sei. Bis spätestens Pfingsten, so erklärte Sommer auf Drängen von Schicker, solle dies nun geschehen sein.

Bastiaan Thijs thematisierte seine Einschätzung, wonach das bundesdeutsche Bildungssystem von im Ausland wohnenden Leuten „ausgenutzt“ wird, wie er sagte. „Ich bin auch Ausländer“, so der aus den Niederlanden stammende Thijs, der vor vielen Jahren in Waldsassen eine neue Heimat gefunden hat und hier mit seiner Familie lebt. Diese Leute hätten theoretisch gar keinen Anspruch aufs Schulsystem. Doch vorm Kinderhaus seien immer mehr Autos mit CZ-Kennzeichen zu sehen. Es müsse doch möglich sein dieses Vorgehen einzudämmen. „Ein sensibles Thema“, meinte dazu Bürgermeister Bernd Sommer; doch sei es erlaubt dieses anzusprechen. Die Stadt habe darauf ein besonderes Augenmerk; Einzelfälle würden intensiv geprüft, ob sie rechtens seien. „Wir sprechen nicht über Asylfamilien, sondern über die Nutzung unseres Betreuungssystems durch Menschen aus dem Nachbarland. Dabei sprach Sommer von einer Überlastung der Kinderbetreuungseinrichtungen. Das EU-Recht biete viele Möglichkeiten im Hinblick auf die Freizügigkeit. „Das sind Europäer und die können sich hier Wohnungen nehmen.“ Man stoße an Grenzen beim Nachweis des ersten oder zweiten Wohnsitzes. Dabei nannte Sommer ein Beispiel. „Wenn jemand am Wochenende in Waldsassen wohnt und unter der Woche in Frankreich auf Montage ist, dann ist er überwiegend in Frankreich und trotzdem immer noch Waldsassener.“ In der Umsetzung auf die Problematik bedeute dies: „Wenn diese Menschen zwei Tage in der Woche in Waldsassen sind und sonst in Tschechien sind, haben sie Zugang zu dem Bildungssystem“, so Sommer und sprach von einer Herausforderung.

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