19.03.2021 - 18:11 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sich in der Fastenzeit in respektvollem Umgang üben

Waldsassens Gemeindereferentin Gertrud Hankl setzt sich im fünften Teil der Serie "Gedanken zur Fastenezeit" mit der Frage auseinander: Wie kann man Jesu Beispiel folgen und die Welt zum Positiven verändern?

Gertrud Hankl ist Gemeindereferentin in Waldsassen und Supervisorin/Coach in der pastoralen Beratungsstelle der Diözese.
von Externer BeitragProfil

Die Fastenzeit dauert nun schon mehr als vier Wochen. Fasten im christlichen Sinne ist eine Zeit der Vorbereitung auf Ostern hin. Wir Christen sind eingeladen zu fasten mit all unseren Sinnen, besonders auch mit dem Herzen. Die Fastenzeit ist auch die Zeit, in der wir besonders eingeladen sind, unseren Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu lenken. Der Misereor-Sonntag am 5. Fastensonntag (21. März) konfrontiert uns mit dem Leben und den Problemen der Menschen weltweit.

„Da kann man nichts machen! Was könnte ich schon ausrichten? Da muss die Politik was machen!“ Solche (Aus-) Reden höre ich häufig, wenn das Gespräch auf die Unterstützung der Armen kommt.

Kleine Taten

Dann fällt mir ein Satz aus dem Lied „Deine Schuld“ von der Band „Die Ärzte“ ein. Da heißt es: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt so ist, wie sie ist. Es wäre deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Es liegt also an mir – mit meiner Kraft, meinen Fähigkeiten – die Welt zum Positiven zu verändern. Ich kann sehr wohl für mehr Frieden sorgen, indem ich respektvoll und wertschätzend meinen Mitmenschen begegne. Ich kann vielleicht nicht eingreifen in korrupte Machenschaften in vielen Ländern, aber ich kann sehr wohl die Armut verringern, indem ich seriöse Hilfsorganisationen unterstütze. Ich kann mich für die Lebensumstände leidtragender Menschen interessieren und nicht wegsehen. Ich kann all diese Geschundenen in meine Gebete einschließen. Ich kann dazu beitragen, dass die Vielfalt unserer Umwelt erhalten bleibt. Ich kann die Einsamkeit eines Menschen lindern, indem ich ihn besuche, mir Zeit nehme und zuhöre. Ich kann meine Hilfe anbieten, wenn andere gehandicapt sind. Ich kann da sein für Menschen, die sich auf ihren letzten Weg vorbereiten oder für deren Verwandte. Das kann ich tun – und ich soll es tun.

Glaube allein reicht nicht

Gerade an diesem Wochenende sind die Gläubigen eingeladen, ihre Herzen zu öffnen. Gerade das offene Herz für andere, das „sich Einsetzen“ für andere, macht uns zu einem christlichen Menschen. Jakobus macht dies in seinem Brief sehr deutlich: „Meine Brüder (und Schwestern), was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?“ (Jak 2,14) und „Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke.“ (Jak 2,26) Glauben nur für sich alleine geht eben nicht. Genau das wollte Jesus den Menschen lernen: „Liebe Gott und den Nächsten wie dich selbst!“

Christsein im Handeln und Tun

Jesus zeigte uns durch sein Leben ganz eindringlich, was es heißt, christlich zu sein. Daher müssen wir uns immer wieder neu fragen:

Wo zeigt sich mein Christsein in meinem Reden, Handeln und Tun? Es gilt für uns, Jesu nachzuahmen und den Menschen so zu begegnen, wie er es tat. Es war seine Wertschätzung für alles und jeden, sein Verständnis, seine Hilfe und der Respekt, mit dem er anderen begegnete, sein Wohlwollen und seine unendliche Liebe. So richtete er die Menschen auf und heilte sie an Leib und Seele. Wer mit Jesus zusammentraf, erlebte Veränderung und Befreiung aus den Verstrickungen des persönlichen Lebens. Jesus wollte Gott als den Verzeihenden, Gütigen und Barmherzigen unter den Zuhörenden vorstellen. Ein Gott, der auf der Seite der Schwachen und Armen steht, der den Kindern und Frauen Beachtung schenkt, der den Sünder liebt und unendlich oft verzeiht.

Gott weiß um unsere Unzulänglichkeiten und unsere oft kläglichen Versuche, das Leben nach seinen Geboten zu meistern. Er kennt unser Mühen und unsere Sehnsüchte. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, lässt er uns Gnade zuteilwerden. Die Freude über dieses Geschenk dürfen wir an Ostern feiern und jeden Sonntag des Jahres.

 

 

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