03.10.2021 - 10:01 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Feuerkinder-Einsatz in Tansania kurz und intensiv

Die Hilfsorganisation "Feuerkinder" musste 18 lange Monate warten. In der letzten August-Woche konnte Dr. Annemarie Schraml nach eineinhalb Jahren mit einem kleinen Team zum ersten mehrtägigen Hilfseinsatz nach Corona starten.

Bei der Begegnung mit fünf Pastoren erlebte Dr. Annemarie Schraml einen besonders bewegenden Moment.
von Redaktion ONETZProfil

Als "kurz und intensiv" beschreibt Dr. Schraml den 33. Einsatz des Feuerkinder-Projekts in der letzten August-Woche. "In vielen Gesprächen und Begegnungen mit den Verantwortlichen der Meru-Diözese, des Usa River Reha-Centers, des Nkoaranga-Hospitals und ehemaligen Patienten und Müttern von behinderten Kindern und Jugendlichen kam die große Dankbarkeit für die in den letzten Monaten trotz Corona geleistete vielschichtige Unterstützung zum Ausdruck", so die ehemalige Chefärztin.

Bereits im April wurde per Luftfracht dringend vor Ort benötigtes Material ins Krankenhaus gesendet; dorthin wurden kurz vor dem Einsatz im Sommer außerdem drei gewartete und geprüfte Narkosegeräte und ein Druckluftaggregat transportiert. Die Geräte seien inzwischen erfolgreich im Einsatz. Geschult wurden auch Ärzte und Mitarbeiter in der Anwendung des bereits mit einer früheren Fracht geschickten Spezialgeräts für Hautverpflanzungen: Von einheimischen Ärzten werden inzwischen auch Patienten mit Verbrennungen behandelt.

Bewegender Moment

Die erste der vielen Begegnungen in Usa River war ein Treffen mit den fünf Pastoren, die seit Ausbruch der Corona-Pandemie Hilfsgüter, Hygieneartikel, Masken, warme Decken und Kleidung an Bedürftige in ihren Pfarreien weitergegeben haben. Es gibt Pläne zur Einrichtung von Day-Care-Räumen für behinderte Menschen, die bisher zum Teil versteckt wurden. So hätten die Mütter die Möglichkeit zu arbeiten und mit für den Unterhalt zu sorgen.

"In einer eindrucksvollen Präsentation stellten die Pastore dieses Projekt vor", berichtet die frühere Chefärztin. "Es war sehr bewegend", so Dr. Schraml über den Augenblick, als ihr die Pastoren ein Bild, das ein einheimischer Künstler von ihr und einem operierten Kind gemalt hatte, als Dank für die große materielle Unterstützung armer Menschen überreichten.

Kurz nachdem im Krankenhaus die Kunde über die mitgebrachten Corona-Antigen-Schnelltests die Runde gemacht hatte, wurde auch schon die erste Patientin zum Feuerkinder-Team in den neuen OP geschickt. Gregor Wittmann und Dr. Schwendner führten jeweils einen Test in Schutzausrüstung durch, welche glücklicherweise negativ ausfielen. Das Laborpersonal wurde geschult, Schutzkleidung wurde verteilt. "Ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit für das Personal, das bisher nur zum Teil geimpft ist." Mit großem Engagement schulten die Ärzte die beiden einheimischen Anästhesisten an den Narkosegeräten.

Klumpfußprojekt

Dr. Annemarie Schraml und OP-Schwester Marion Belzner besuchten die Klumpfußabteilung im URRC (USA River Rehabilitation Center). Dort wurde bei einem Säugling mit Klumpfuß nach entsprechender Vorbehandlung in örtlicher Betäubung eine Durchtrennung der Achillessehne vorgenommen und der Fuß anschließend eingegipst. Benötigte Materialien wurden mitgebracht und den Mitarbeitern dieser sehr gut funktionierenden Einheit überlassen: Das angewandte Verfahren nach Ponseti führen die einheimischen Kräfte mittlerweile regelmäßig selbständig korrekt und mit großem Erfolg durch.

Finanzielle Hilfe für Neubau

Anwesend war auch Dr. Godnester Mungure, die das Medizinstudium in einem staatlichen Hospital abgeschlossen hat und ab November im Nkoaranga-Hospital arbeiten wird. In sie setzt Dr. Schraml große Hoffnungen, nach weiterer Schulung während der nächsten Einsätze des Feuerkinder-Teams die Operationen gerade bei Kindern und Jugendlichen zu übernehmen. Höchst dankbar waren die Mitarbeiter für die gesandten Kunststoffgipse, die für die Nachbehandlung der Patienten absolut notwendig und in Tansania nicht zu erwerben sind. Dr. Schraml und Marion Belzner führten Gespräche mit den Verantwortlichen der Diözese und des Krankenhauses über den Bau eines Gebäudes für die Gynäkologie und Geburtshilfe. Das Vorhaben soll mit finanzieller Unterstützung des Feuerkinder-Projektes realisiert werden. Gespräche gab es auch über die "Dorfarbeit" zur Unterstützung ehemaliger Patienten, die Vergabe von Mikrokrediten an Frauen zum Aufbau einer eigenen Existenz und der finanziellen Unterstützung von Mitarbeiterkindern. So etwa bedankten sich Daniel und seine Mutter herzlichst für die Übernahme der Kosten für die plastischen Operationen zur Wiederherstellung seines Gesichtes und Einrichten eines kleinen Ladens für seine Mutter. Der ehemalige Klumpfußpatient Peter, dessen Studium in Mwanza mitfinanziert wird, kam aus 150 Kilometer Entfernung, um Danke zu sagen.

Mit den Verantwortlichen des URRC wurde die aktuelle Situation besprochen und Zukunftsperspektiven entwickelt. Ein Treffen fand auch mit den Lehrkräften der Secondary-School im URRC statt, für die durch die "Feuerkinder" vor fehlendes Lehrmaterial für die Schule gekauft werden konnte.

Dankbar für Hygieneartikel

Mona Behninger berichtete dem Team als Verantwortliche für das SETU Projekt (Special Education and Training Unit). In dieser Abteilung im Center werden Menschen mit lern- und geistiger Behinderung unterrichtet. Aber auch das Personal vor Ort wird in diesem Bereich ausgebildet. Dankbar ist man für vom Feuerkinder-Projekt bezahlten Waschgelegenheiten, Hygieneartikel und behindertengerechte Toiletten.

In der orthopädischen Werkstatt, der Abteilung für Physiotherapie und in der Klumpfußabteilung wurde die Entwicklung in den letzten 18 Monaten besprochen und gemeinsam das weitere Vorgehen geplant. Ein junger Massai, der nach an einem Löwenangriff einen fehlverheilten Armbruch hat und für den eine Beschäftigung organisiert werden konnte, wurde mit einer neuen Orthese versorgt. "Es ist höchst erfreulich, zu sehen, wie gut Nanyaro, der Orthopädietechniker arbeitet und auch die Schuhmacher, die für die Klumpfußnachbehandlung erforderlichen Abduktionsschienen und Schuhe fertigen."

Waldsassen
Dr. Annemarie Schraml bei der Behandlung vor Ort in Tansania.
Dr. Annemarie Schraml beim Klumpfußgipsen nach Ponseti.
Die Fachkräfte vor Ort werden an den von der Aktion "Feuerkinder" nach Tansania geschickten medizinischen Geräten unterwiesen.
Sophia Moshi, Mama Daniel und Daniel zusammen mit Dr. Annemarie Schraml.
Die erste der vielen Begegnungen in Usa River war ein Treffen mit den fünf Pastoren, die seit Ausbruch der Corona-Pandemie Hilfsgüter, Hygieneartikel, Masken, warme Decken und Kleidung an Bedürftige in ihren Pfarreien weitergegeben haben.
Das Leitungsteam des Usa River Reha-Centers.
Godluck mit Klumpfußorthesen.
Joel mit neuer Orthese.
Hintergrund:

Spendenkonto

  • Dr. Annemarie Schraml dankt den vielen Spendern und Unterstützern, die das Projekt ermöglichen. Die Not in Tansania ist durch Corona größer und vielschichtiger geworden, die Aufgaben des Feuerkinderprojektes haben sich ausgeweitet. Deshalb bittet Dr. Schraml weiterhin um Spenden, um den Menschen, besonders den Kindern helfen zu können – Spendenkonto: Projekt Feuerkinder, Evang. Bank Kassel BIC: GENODEF1EK1; IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82.
  • Im Team waren Dr. Annemarie Schraml (Orthopädin, Projektleiterin), Marion Belzner (OP-Schwester), Gregor Wittmann (Anästhesiepfleger) und Dr. Klaus Schwendner (Anästhesist).

"In vielen Gesprächen und Begegnungen kam die große Dankbarkeit für die in den letzten Monaten trotz Corona geleistete vielschichtige Unterstützung zum Ausdruck."

Dr. Annemarie Schraml

 

 

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