10.06.2021 - 12:27 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Feuerkinder-Projekt: Erfreuliche Nachrichten aus Tansania

Nicht einfach waren die vergangenen Monate in der Corona-Pandemie für die Hilfsorganisation Feuerkinder. Inzwischen aber gibt es wieder mehr Positives zu vermelden. Dr. Annemarie Schraml nennt Einzelheiten.

Die Verantwortlichen des Feuerkinder-Projekts organisieren regelmäßig die Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Die Aktion Feuerkinder hat auch während der Corona-Pandemie ihre Arbeit nicht heruntergefahren. Die geplanten Operationseinsätze mussten zwar aufgeschoben werden. Doch gegenüber Oberpfalz-Medien kündigt Dr. Annemarie Schraml an, bald nach Tansania zu fliegen, um zumindest vor Ort das weitere Vorgehen zu organisieren.

Die ehemalige Chefärztin freut sich darüber, dass die Anfang Mai gesandte Luftfracht ohne Probleme am Kilimanjaro International Airport angekommen ist und von Mitarbeitern des Nkoaranga-Krankenhauses abgeholt und zum Krankenhaus transportiert werden konnte. Die Lieferung bestand aus medizinischen Überwachungsgeräten, Gehhilfen und einem Instrumentarium für Hauttransplantationen.

Kommunikation über Whatsapp

Darüber, so Dr. Schraml, habe sich besonders Dr. Julius Mollel gefreut, der vom Feuerkinder-Team ausgebildete Allgemeinchirurg. Kunststoffgipse sowie spezielle Schuhe und Orthesen waren für die Klumpfußeinheit im Reha-Center Usa River bestimmt. Webstühle gingen an die behinderten Jugendlichen des Projektes SETU (Special Education and Training Unit).

"Die medizinische und orthopädietechnische Aufbauarbeit in Tansania zeigt weitere Erfolge", bilanziert Schraml. Sie erhielt vom Orthopädietechniker Nanyaro via Whatsapp Fotos von Kindern, die in der orthopädischen Werkstatt in Usa River Prothesen bekamen. "Diese neuen Medien sind gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ein Segen. Es kann Rücksprache genommen und Anweisung und Tipps zur Fertigung der orthopädischen Hilfsmittel gegeben werden."

Diana aus Mwanza, im Westen Tansanias, kam mit ihrem Vater in die orthopädische Werkstatt, da die vor zwei Jahren gefertigte Orthese für ihr linkes Bein zu klein geworden und zusätzlich gebrochen war. Nach Rücksprache mit Nanyaro und Übernahme der Kosten durch das Feuerkinder-Projekt fertigte Nanyaro die Orthese.

Prothese für langjährigen Team-Fahrer

Außerdem fertigte der Orthopädietechniker zwei weitere Prothesen an: eine für einen kleinen Jungen und eine Fußprothese für Amon Nnko. Er war in den vergangenen 20 Jahren Fahrer des Feuerkinder-Teams: "Sicher und höchst zuverlässig", so Dr. Annemarie Schraml, habe er das Team zwischen dem Gästehaus in Usa River und dem acht Kilometer entfernten Nkoaranga-Hospital chauffiert. Wegen einer Infektion musste ihm vor etwa einem halben Jahr ein Fuß abgenommen werden.

Sehr dankbar waren die Tansanier nach den Worten von Frau Dr. Schraml auch wieder für die gestrickten Decken, Mützen und Socken: In Tansania beginnt jetzt der Winter, besonders nachts ist es in den Hütten sehr kalt. Im Hinblick auf die Pandemie erklärt die Ärztin, dass Tansania weiterhin als Risikogebiet eingeschätzt wird. "Ein Operationseinsatz ist derzeit noch nicht möglich."

Röntgenbilder in bester Qualität

Die neuen Medien helfen laut Dr. Schraml auch bei Operationsindikationen. Eine Beratung mit den tansanischen Kollegen sei Dank der neuen digitalen Röntgenanlage möglich: Damit könnten die Röntgenbilder in bester Qualität nach Deutschland gesandt und beurteilt werden. Außerdem wurde in Tansania am 3. Juni der sogenannte Klumpfußtag gefeiert: "Goodluck, der Verantwortliche der Clubfoot-Clinic in Usa River, mailte sehr eindrucksvolle Fotos", erzählt Dr. Schraml dazu. Sie erinnert sich noch gut, als von ihr im Jahr 2006 das erste Neugeborene mit doppelseitigen Klumpfüßen mit der Podnseti-Methode behandelt und die ersten tansanischen Mitarbeiter in dieser damals neuen und gerade für Entwicklungsländer idealen Methode ausgebildet wurden.

Denn vorher seien Kinder mit Behinderungen noch oft versteckt worden. "Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich nach und nach die jetzige Clubfoot-Clinic, gefördert besonders auch durch das Engagement von Dr. Annemarie Reeg und Trine Heim." Die nach der Gipsbehandlung erforderliche kleine Operation führt ein junger tansanischer Arzt aus. Er war durch Dr. Annemarie Schraml während der Operationseinsätze in Tansania und während einer dreiwöchigen Hospitation in der Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg geschult worden.

Ein regelmäßiger E-Mail-Kontakt besteht auch mit den Pastoren, die in ihren zum Teil weitläufigen Gemeinden zusammen mit dem Dorfhelfer Jonas aus Usa River die Verteilung von Lebensmitteln und anderen dringend benötigten Dingen organisieren. "In dieser Woche werden wieder Lebensmittel wie Mais, Reis, Öl, Zucker, Tee an Bedürftige ausgegeben", berichtet die ehemalige Chefärztin. Dies sei für viele Menschen dort die einzige Hilfe, da es keine staatliche Unterstützung gibt.

Die Corona-Pandemie schränkte auch die Arbeit der Organisation "Feuerkinder" ein

Waldsassen
Die Verantwortlichen des Feuerkinder-Projekts organisieren regelmäßig die Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige.
Diana mit ihrer neuen Orthese.
Emanuel mit neuer Prothese.
Hintergrund:

Die Aktion Feuerkinder

  • Seit 2000 fährt ein Team von Orthopäden, Narkoseärzten, OP-Schwestern, Physiotherapeuten und einem Orthopädietechniker ein- bis dreimal jährlich in den Norden Tansanias.
  • Im Nkoaranga-Krankenhaus (NLH) in der Nähe der Stadt Arusha operiert das Team kostenlos Kinder und Jugendliche mit Fehlstellungen an Armen und Beinen. Dazu zählen Klumpfüße sowie stark ausgeprägte X- und O-Beinstellungen.
  • Bisher wurden in 32 Einsätzen 2410 Operationen und 7700 ambulante Behandlungen durchgeführt.
  • Spendenkonto: Projekt Feuerkinder, Evang. Bank Kassel , BIC: GENODEF1EK1; IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82.

"Die medizinische und orthopädietechnische Aufbauarbeit in Tansania zeigt weitere Erfolge."

Dr. Annemarie Schraml

Dr. Annemarie Schraml

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.