15.11.2020 - 11:54 Uhr
WaldsassenOberpfalz

"First Lady" in der Basilika Waldsassen

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Martina Weiß ist die erste hauptamtliche Mesnerin in der Basilika Waldsassen. Die 38-Jährige erzählt, was ihr an ihrem neuen Posten besonders gut gefällt und wann sie vor Gottesdiensten nervös wird.

Seit Oktober 2020 ist Martina Weiß Mesnerin in der Basilika Waldsassen. Die 38-Jährige geht auch gern zwischen den Gottesdiensten in die Basilika und genießt für ein paar Minuten die Atmosphäre und die Ruhe.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Fast 13 Jahre arbeitete Marina Weiß als Porzellanmalerin bei Falkenporzellan in Bärnau. Schon länger hatte die 38-Jährige aus Lengenfeld bei Tirschenreuth überlegt, sich noch vor ihrem 40. Geburtstag eine neue berufliche Herausforderung zu suchen. „Ich wollte nochmal etwas anderes probieren“, sagt sie. Es sollte schon etwas mit Kunst zu tun haben und abwechslungsreich sein. Im August habe sie sich spontan auf den vakanten Posten in der Basilika beworben. Nach einigen Gesprächen mit Stadtpfarrer Thomas Vogl stand schnell fest, dass sie zum 1. Oktober die Stelle als Mesnerin antritt.

Porzellanmalerin Nicole Aumann aus Lochau im Porträt

Lochau bei Pullenreuth

Mehr als nur Kerzen anzünden

Zwar sei sie mit dem katholischen Glauben aufgewachsen, dennoch war sie als Kind oder Jugendliche keine Ministrantin oder besitzt Vorkenntnisse in der Mesnerei. „Ich bin der Otto-Normal-Kirchgänger“, sagt sie über sich. Die Basilika kannte die 38-Jährige von Konzertbesuchen oder Gottesdiensten. Schnell habe sie gemerkt: „Es ist ein großes Gebäude, da gibt’s immer was zu tun. Es ist mehr, als nur ein paar Kerzen anzuzünden.“ Der Gottesdienstbesucher bekommt die Arbeiten der Mesnerin oft gar nicht mit. Jeden Tag lernt die Stiftländerin etwas Neues dazu. In ihrem Heftchen notiert sie sich alle Kleinigkeiten, Aufgaben und Handgriffe. „Jeder Festtag ist vom Ablauf her anders. Für mich ist es fast ein Vorteil, dass es momentan wegen Corona ruhiger ist“, findet Weiß.

So einen Ort seinen Arbeitsplatz nennen zu dürfen, ist schon etwas Besonderes.

Basilika-Mesnerin Martina Weiß (38)

Zwar habe sie sich mittlerweile gut eingearbeitet und weiß immer besser, in welchen Schränkchen und Schüben welche Bücher, Kelche oder Gewänder sind. Bei den Messen während der Woche hat sie eine Routine entwickelt zwischen dem Glockenläuten und dem Ausschalten der Lichter. Doch bei den Gottesdiensten am Sonntag ist sie noch nervös. „Fünf Minuten vorher gehe ich im Kopf nochmal alles durch. Liegen die richtigen Bücher draußen? Ist das Mikrofon an?“ Große Katastrophen seien bis jetzt – Gott sei Dank – ausgeblieben, sagt sie und lacht.

Zu ihren Hauptaufgaben gehören neben der Vorbereitung der Messen das Sauberhalten der Basilika, organisatorisches Drumherum wie das Nachbestellen von Kerzen, Wein, Hostien und Weihrauch oder das Bringen von Gewändern in die Reinigung. Wenn mal keine Aufgaben anstehen, macht sie sich mit dem Gebäude vertraut, guckt hinter Türchen oder auf den Dachboden.

Ausschlafen im neuen Job

Eine Umstellung war der neue Job für die Porzellanmalerin schon. Anstatt an fünf Tagen in der Woche ist sie nun an sechs Tagen im Einsatz – auch an Sonn- und Feiertagen. „Aber da gewöhnt man sich daran“, sagt die Mesnerin. Bei ihrem vorherigen Beruf war die 38-Jährige bereits gegen 5 Uhr morgens an ihrem Arbeitsplatz. „Hier kann ich dagegen ausschlafen“, sagt sie und lacht. Vorher sei sie auch eher Einzelkämpfer gewesen, jetzt arbeitet sie im Team. „Es ist schön, wenn man eine Mannschaft hat, auf die man zurückgreifen kann“, betont sie. Froh ist die „First Lady in der Basilika“ besonders jetzt in ihrer Anfangszeit über viele helfende Hände. Weiß lernt auch viele neue Leute und Vereine kennen, die sich in der Pfarrei engagieren.

Für ihre neue Tätigkeit als Mesnerin zog sie in das Wohnhaus der Klosterstiftung an der Brauhausstraße. Das ist besonders praktisch, denn in drei Minuten ist sie zu Fuß an ihrem Arbeitsplatz. Als neue hauptamtliche Mesnerin besucht Weiß im Februar einen dreiwöchigen Kurs in Freising. In dieser Zeit wird sie von einem Team aus vier bis fünf Hilfsmesnern vertreten.

Besonderer Arbeitsplatz

Reizen würde sie es, einmal die Tasten der Orgel bedienen zu dürfen. „Da muss ich Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter einmal fragen“, sagt sie schüchtern. Besonders schön findet Weiß die Taufzeremonien. Und dass sie in aller Ruhe den Gottesdienst vorbereiten kann. Sie schätzt an ihrem neuen Amt, dass sie sich viele ihrer Tätigkeiten flexibel einteilen kann. „Ich gehe auch gern zwischen den Gottesdiensten in die Basilika und genieße für ein paar Minuten die Atmosphäre und die Ruhe. So einen Ort seinen Arbeitsplatz nennen zu dürfen, ist schon etwas Besonderes.“ Vor allem die sakrale Musik und die Kirchenkunst begeistern Weiß an der Basilika. „Malerei und Kunst waren mir schon immer wichtig“, sagt die Stiftländerin.

Nach der Schule machte sie eine Ausbildung zur Glas- und Keramikmalerin und bildete sich zur Dekordesignerin weiter. Jetzt malt sie in ihrer Freizeit noch sehr gerne. „Aber eher abstrakt“, erklärt sie.

Rückblick auf die Einführung ins Amt

Waldsassen

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