12.07.2019 - 10:08 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Geraubtes Kunstwerk wieder in der Partnerstadt von Waldsassen

Eine spannende Geschichte. In der Hauptrolle: Ein wertvolles Gemälde. Es war 1973 in Frankreich gestohlen worden – aus der Kirche St.-Marie-Madeleine in Marcoussis, der Partnerstadt von Waldsassen.

Im Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden ist das wertvolle Gemälde "Jesus bei Martha und Maria" von Théodore Chasseriau an Bürgermeister Olivier Thomas (Zweiter von links) übergeben worden. Links Silvelie Karfeld vom BKA und von rechts Polizeivizepräsidentin Roswitha Briel und Markus Möhring vom Polizeipräsidium.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Der besondere Kriminialfall fand zu Beginn der Woche ein glückliches Ende. Olivier Thomas, Bürgermeister von Marcoussis, machte auf der Rückreise vom Bürgerfest-Besuch in Waldsassen einen Abstecher nach Wiesbaden: In den Räumen des Polizeipräsidiums Westhessen nahm Thomas das Gemälde "Jesus bei Martha und Maria"von Théodore Chassériau (1819 - 1856) in Empfang - von den beteiligten Beamten des Polizeipräsidiums, des Bundeskriminialamts (BKA) und von Polizeivizepräsidentin Roswitha Briel.

Restaurator entdeckt Bild im Internet

Bei einem Treffen anlässlich eines EU-Projekts zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Kulturgut im Mai dieses Jahres in Frankfurt war eine Mitarbeiterin des Bundeskriminialamts in Wiesbaden (BKA) von einer Vertreterin des französischen Kultusministeriums auf ein Gemälde angesprochen worden. Ein französischer Restaurator hatte auf der Internetseite eines Wiesbadener Auktionshauses das betreffende Gemälde entdeckt, welches zum Kauf angeboten wurde. Laut der Aussage des Restaurators handelte es sich hierbei um das 1973 in Marcoussis entwendete Gemälde.

Die französische Vertreterin äußerte ihr Bedauern, dass in diesem Fall Ermittlungen wohl schwierig seien, bzw. ein Verkauf schwer zu verhindern sei: Der Diebstahl liege schon so lange zurück. Außerdem sei das Gemälde nicht in der nationalen und internationalen Fahndung ausgeschrieben war.

Polizei stellt Gemälde sicher

"Das BKA schloss sich dieser Bewertung nicht an - und regte eine Sicherstellung wegen des Verdachts der Hehlerei eines inkriminierten Gegenstandes bei der örtlich zuständigen Wiesbadener Polizei an", teilt dazu das Polizeipräsidium Westhessen mit. Deren Ermittler zögerten nicht lange: Sie fuhren in das Auktionshaus und stellten das Gemälde sicher.

Der Mann, der das Gemälde zum Verkauf anbot, erklärte den Beamten, das Bild aus Familienbesitz geerbt zu haben. Seinem Kenntnisstand zufolge hätten seien Eltern das Gemälde 1974 auf dem Pariser Kunstmarkt erworben – während der Flitterwochen. Erst 2019 fiel dem Sohn das Gemälde, das auf dem Dachboden verwahrt worden war, wieder in die Hände und er entschloss sich zum Verkauf. Mindestgebot: 300 Euro.

Das lange verschollene Bild.

Nationales französisches Kulturgut

Nachdem der Einlieferer erfahren hatte, dass es sich bei dem Gemälde um ein registriertes, nationales französisches Kulturgut handelt, erklärte er sich zur Überlassung an den Eigentümer, der Stadt Marcoussis, bereit. "Eine wirklich außergewöhnliche Geste, die dazu führte, dass das Bundeskriminalamt gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Westhessen die Rückführung des Gemäldes organisieren konnten", heißt es in der Pressemitteilung.

Der genaue Wert des nun zurückgeführten Gemäldes kann derzeit nicht näher beziffert werden. Das Gemälde wurde seinerzeit aus dem Rahmen herausgetrennt, weist leichte Beschädigungen auf und es fehlt eine Signatur. Andere Werke des Künstlers T. Chasseriau werden je nach Zustand ab 10 000 Euro auf dem Kunstmarkt gehandelt. Beim Bürgerfest in Waldsassen war im Zusammenhang mit dem Wert des Bild ein höherer sechsstelliger Betrag genannt worden.

Bürgermeister Olivier Thomas würdigte der Mitteilung zufolge bei der Übergabe ausdrücklich die Arbeit des BKA und der Wiesbadener Kriminalpolizei für die schnelle und effiziente Sachbearbeitung, die eine Rückkehr des Gemäldes möglich gemacht hatten. "Der Dank der Gemeinde Marcoussis gilt in besonderem Maße auch dem Vorbesitzer, der sich freiwillig bereit erklärte, das Gemälde an die Gemeinde zurückzugeben."

Olivier Thomas erzählte, dass er sich noch gut an das Gemälde erinnere, weil es zum Zeitpunkt seiner Kommunion im Jahr 1971 noch in der Kirche hing und er die Hoffnung nie aufgegeben habe, es irgendwann zurückführen zu können. Mit Olivier Thomas freut sich auch Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer darüber, dass die Geschichte um den Kunstraub ein glückliches Ende gefunden hat. Das Gemälde sei in der Zeit gestohlen worden, als die Städtepartnerschaft begründet wurde. "Bei den ersten Besuchen damals haben die Delegationen das Bild noch gesehen."

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.