21.09.2018 - 13:23 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ghost-Gründer Uwe Kalliwoda verlässt Firma

Von einem der "fittesten Rentner" ist die Rede, wenn Wegbegleiter über Uwe Kalliwoda sprechen: Der ehemalige Geschäftsführer und Mitbegründer des Fahrradherstellers "Ghost" steigt mit 52 Jahren aus dem aktiven Geschäft aus.

Uwe Kalliwoda ist als Geschäftsführer von Ghost-Bikes verabschiedet worden und ist erst einmal Privatier.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Der künftige Ruheständler macht dagegen eine ganz andere Rechnung auf: Gemessen an der geleisteten Arbeitszeit in den vergangenen Jahren, seit er nach Schule und Studium mit seinem Schulfreund „Möwe“ Klaus Möhwald in der Fahrradbranche durchstartete, müsste er zwischen 80 und 90 sein. „Es war alles harte Arbeit. Und es gehörte auch ein bisserl Glück dazu“, blickt Kalliwoda zufrieden zurück. Gut drei Wochen nach der Abschiedsparty auf dem Ghost-Gelände sieht Kalliwoda, der 1993 das Unternehmen zusammen mit Möhwald gegründet hat, entspannt aus. Dass er sich mit seinen 52 Jahren ins Privatleben zurückziehen würde, war für ihn schon 2016 klar: Damals hätte die niederländische Accell-Gruppe, die das Unternehmen 2008 übernommen hatte, Kalliwoda gerne für drei weitere Jahre als Geschäftsführer von Ghost in Waldsassen verpflichtet.

Doch der Manager erklärte: „Nach zwei Jahren ist Schluss“, wie er im Rückblick sagt. „Die sind jetzt vorbei“, so der frühere CEO vor wenigen Wochen auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Gerne erinnert sich Kalliwoda an das Sommerfest auf dem Ghost-Gelände. „Der Abschied war schon sehr emotional“, sagt Kalliwoda im Rückblick über die vielen unvergesslichen Momente. „Die haben mir so viel geschenkt, was du dir in keinem Geschäft kaufen kannst“, freut er sich über die Überraschungen während des Abends. Unter anderem meldeten sich Wegbegleiter per Videobotschaft, darunter auch Klaus Möhwald aus den USA. Er war 2013 aus dem Unternehmen ausgestiegen.

Abschiedsgeschenk des Ghost-Teams war ein Foto mit allen Mitarbeitern. „Das habe ich schon in Kirchberg stehen“, erzählt bisherige Chef von seinem neuen Lebensmittelpunkt in den Tiroler Alpen – am Gaisberg in einem alleine stehenden Haus direkt an der Europacup-Strecke. Der Koch eines befreundeten Hoteliers, den Kalliwoda durch die Kooperation von Ghost mit den Kitzbühler Alpen kennt, zog dort aus. Nach einem Wochenende „Probewohnen“ war die Sache perfekt. „Jetzt ist es durch Zufall so, dass ich von meiner Terrasse zum Lift fahren kann.“ Im Winterhalbjahr täglich zum Skifahren – das ist es, worauf sich der Ex-Manager besonders freut. Nach dem Motto „Back to the Roots“ gibt es sogar Überlegungen, ob er bei Skiwettbewerben mitmischt. „Das würde mich auch schon mal jucken.“ Doch das ist Zukunftsmusik.

Der neue Lebensabschnitt ist für ihn ein „ganz großes Geschenk“, wie er sagt. Die nächste Zeit will Kalliwoda es ganz bewusst etwas ruhiger angehen lassen und vor allem reisen. Er hat auf allen Kontinenten Anlaufpunkte. „Das Schöne ist wenn du Freunde hast, die zu dir sagen: Wenn du acht Wochen bleiben willst – kein Problem. Aber wenn du gehst, mach’ bitte das Licht aus.“

Uwe Kalliwoda ist froh darüber, dass er die Freunde in aller Welt nun mal länger als bisher sehen kann, wo jeweils nur kurz vor oder nach Messen Zeit blieb. „Bis Mitte Januar bin ich voll“, sagt er über seinen Terminplan. „Danach möchte ich drei Monate Skifahren.“ Weitere Planungen gibt es noch nicht, obwohl Kalliwoda nicht verhehlen will, dass er „1000 Ideen“ hat. Dem Stiftland und seiner Heimatstadt Waldsassen will er auch weiterhin treu bleiben, auch weil er den Kontakt zur Mama Luise nicht abreißen lassen will. Dann wird der frühere Ghost-Boss immer wieder auch in der Firma vorbei schauen. Von ihr wird er sich auch künftig nicht ganz lösen. „Im Herzen ist es immer noch unsere Firma“, spricht er auch im Sinne von Klaus Möhwald. „Und wenn ich herkomme wird es mich immer interessieren, wie es läuft.“ Auch die Accell-Konzernspitze möchte den Kontakt zu ihrem ehemaligen Mitarbeiter nicht abreißen lassen: Beim Abschieds-Dinner in München sind regelmäßige Treffen einmal jährlich vereinbart worden – „zur Reflexion von außen“.

Glücklich ist Kalliwoda über die Wahl seines Nachfolgers. „Ich hatte nach der ersten Begegnung ein gutes Bauchgefühl.“ Dies habe ihn, Kalliwoda, selten getäuscht. „Er war mir sofort sympathisch und es ist schön zu wissen, dass die Leute auch nach mir in guten Händen sind.“ Der neue Geschäftsführer Dominik Thiele, der aus der Lebensmittelbranche kommt, war bei der Abschiedsparty dabei und begeistert. Kalliwoda ist fest überzeugt: „Ich glaube, dass er großes Interesse hat diese Unternehmenskultur so weiter zu führen.“

Uwe Kalliwoda (rechts) zusammen mit seinem Nachfolger Dominik Thiele.

Als emotionales Ereignis in Erinnerung bleibt die Abschiedsparty auf dem Ghost-Gelände.

Klaus Möhwald und Uwe Kalliwoda Mitte der 80er Jahre bei einem Grasskirennen in Schloppach. Später gründeten beide die Firma Ghost.

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