27.04.2020 - 12:55 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Große Sorgen um Freunde in Afrika

Die Hilfsprojekte in Afrika stecken in der Krise: Annemarie Schraml vom Hilfswerk "Feuerkinder" hört aus Tansania viel Schlimmes wegen des Coronavirus. Den Menschen droht nun zusätzlich eine schreckliche Hungersnot.

Dr. Annemarie Schraml (Zweite von links), die hier vor Freude über den Erfolg einer OP für ein kleines Kind strahlt, hat im Februar noch in Tansania operiert. Sie macht sich große Sorgen um ihre Freunde in Tansania und befürchtet für den Kontinent Afrika wegen der Pandemie eine gleichzeitig einsetzende Hungersnot.
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Hilfsprojekte in Afrika stecken in der Krise. Annemarie Schraml vom Hilfswerk "Feuerkinder" hört aus Tansania viel Schlimmes wegen des Coronavirus. Den Menschen droht nun zusätzlich eine schreckliche Hungersnot.

Ende Februar landete das Feuerkinder-Team am Kilimanjaro-Flughafen zum 32. Einsatz in Tansania. Die Ärztin Annemarie Schraml aus Waldsassen, die das Hilfswerk seit 20 Jahren leitet, bekam zu diesem Zeitpunkt noch wenig vom Coronavirus in Afrika mit. Seit sie wieder daheim ist, überschlagen sich die Nachrichten aus dem Nkoaranga-Krankenhaus und Arusha. Das Virus pralle mit voller Wucht auf diesen Kontinent, der sich nicht schützen könne, sagt Schraml. In Arusha seien bereits zwölf Fälle bekannt geworden. Zwar sei die Stimmung im Land bisher gut gewesen. "Und es wurde rasch reagiert." Schulen und Kindergärten seien geschlossen. Nur könne es nun geschehen, dass von ihr frisch operierte Kinder, die im "Plaster House" in Arusha untergebracht sind, nach Hause geschickt werden. "Sie wohnen 2000 Kilometer entfernt und können dort nicht medizinisch versorgt werden. Sie haben Gipsbeine und sind nicht mobil", sorgt sich die Ärztin.

Festgestellt hat sie auch einen argen Hass auf die "weißen Touristen". Angeblich hätten eine Dänin und ein Deutscher das Coronavirus nach Arusha mitgebracht. Ihre deutschen Mitarbeiter in der Klinik seien bereits ausgeflogen, bis auf eine Krankenschwester. "Es herrscht eine gespenstische Ruhe", beschrieben Freunde die Lage. Annemarie Schraml ist froh, dass sie noch Hilfsgüter mitgebracht hatte. Was bei einem Ausbruch des Virus geschieht, will sie sich gar nicht ausmalen. Die Leute in Afrika hätten kein Geld für eine medizinische Versorgung. "Sie gehen erst ganz spät oder gar nicht ins Krankenhaus." Desinfektionsmittel und Schutzmasken seien dort noch vorhanden.

Mitte April bekam Schraml eine Mail des Nkoaranga-Krankenhauses, das in Tansania 94 Erkrankte und vier Tote meldete. "Wie viele es wirklich sind, weiß keiner, weil nur in Daressalam getestet wird." Nach Angaben eines deutschen Hoteliers sei die Situation wegen der Armut vieler Menschen sehr ernst, da für jede Behandlung sofort bezahlt werden müsse. Schraml erfuhr, dass viele Leute zu Hause sterben. Ein deutscher Arzt schrieb ihr, dass Universitäten, Kindertagesstätten und Großveranstaltungen untersagt seien. Aber das muntere Treiben auf den Märkten gehe weiter. Den Mitarbeitern der geschlossenen Bildungseinrichtungen sei das Gehalt gekürzt worden oder gestrichen. Schramls Kollege vermutet, dass die folgende Armut in Tansania weit schlimmere Folgen haben werde als die Pandemie selbst. Besonders dramatisch sei das für die Kinder, sagt Schraml: Sie seien aus Internaten und Schulen nach Hause geschickt worden, wo das Essen nicht reicht. "Für die Mädchen steigt die Gefahr, dass sie zwangsverheiratet und beschnitten werden." Auch Ordensschwestern in Kenia hätten auf diese Entwicklungen hingewiesen und einen dramatischen Appell gestartet.

Das Reha-Center Usa River, das Annemarie Schraml mit aufgebaut hat, ist geschlossen. 120 Schüler habe man nach Hause geschickt, die Mitarbeiter seien teils entlassen. Direktor Pastor Kaaya habe bei ihr angerufen und dringend um Übernahme der Löhne gebeten, wie es bereits bei fünf Mitarbeitern geschehe. Da es sich in Tansania kaum jemand leisten könne, für Wochen zu Hause zu bleiben, stünden viele vor der Entscheidung, sich zu infizieren oder zu verhungern, fürchtet Annemarie Schraml. Sie bittet darum, die Menschen in Afrika nicht zu vergessen und hat die Ziele des Projektes "Feuerkinder" aktuell erweitert: "Wir wollen in Tansania helfen, da es für viele um Leben und Tod geht."

Klaus Kupke aus Wiesau, der ein Hilfsprojekt des Rotary-Clubs Tirschenreuth für Äthiopien ins Leben gerufen hat, hat sich zur aktuellen Lage in der Augenklinik kundig gemacht. "Die klinischen Verhältnisse sind außer in der Hauptstadt katastrophal", hat Kupke erfahren und sorgt sich um die Menschen. Die Augenklinik und die gynäkologische Klinik arbeiteten inzwischen autark. Kupke möchte bald, falls noch möglich, einen neuen Hilfstransport nach Äthiopien schicken. In der Augenklinik und der Gynäkologie in Debre Markos, 300 Kilometer nördlich von Addis Abeba, werden monatlich etwa 800 bis 850 Augenpatienten stationär und ambulant behandelt.

Spendenkonto :

Wer die Helfer in Afrika unterstützen möchte, kann das über folgendes Spendenkonto tun: Projekt Aktion Feuerkinder, Evangelische Bank Kassel, BIC: GENODEF1EK1, IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82

Klaus Kupke und sein Patenkind Yezina in Äthiopien. Kupke hat den Buben kennengelernt, als er drei Jahre alt war. Er war beidseitig blind und konnte nicht laufen. Nach der Operation sah er das erst Mal seinen Vater und fünf Tage später lief er munter umher. Der Wiesauer rief ein Hilfsprojekt für Äthiopien ins Leben und möchte sobald als möglich einen nächsten Hilfstransport verschicken.

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