04.12.2020 - 17:07 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Hart-Keramik in Waldsassen fährt "volle Leistung"

Am Produktions-Standort im oberfränkischen Nachbarort Schirnding läuft's. Auswirkungen der Corona-Pandemie sind für das Unternehmen kaum spürbar. Dabei hilft auch ein innovatives Produkt, das inzwischen international verwendet wird.

Vorstand Anton Wolfgang Hart und Elisabeth Hart sind glücklich, dass Hart-Keramik AG bisher gut durch die Pandemie kam.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Eine insgesamt positive Bilanz über das Jahr 2020 ziehen Anton Wolfgang Hart, Vorstand der Hart-Keramik AG, sowie Elisabeth Hart im Besprechungsraum der Verwaltung in Waldsassen im Gebäude "Anton-Hart-Straße 1". Dabei hatte es nach dem Ausbruch der Pandemie gar nicht danach ausgesehen.

"Italien ging schon früher in den Lockdown, Österreich hat die Grenzen sofort geschlossen, in Polen Stillstand", erinnert sich Anton Wolfgang Hart an das Frühjahr. Mit der Strategie "Wir fahren auf Sicht und stochern im Nebel" sei über die Zukunft des Unternehmens mit einem Exportanteil von 65 Prozent nachgedacht worden, immer mit der Frage: "Wo geht der Weg hin?" Selbst über eine Sommerpause war schon nachgedacht worden.

Dann aber habe sich die Lage deutlich entspannt. "Wir sind auf einem guten und positiven Weg und sind bisher mit einer kleinen Delle gut durch die Krise gekommen", erklärt Hart. Die Märkte hätten sich wieder normalisiert, so Hart über den stabilen Absatz von Keramikschornstein-Rohren und Hafner-Schamotte-Platten.

"Lemix": Enorme Entwicklung

Enorm entwickelt hat sich das Geschäft mit der Lehmbauplatte mit der Bezeichnung "Lemix". Dabei lassen Elisabeth und Anton Wolfgang Hart durchblicken: Die Bemühungen seit einigen Jahren, das Produkt am Markt zu etablieren, tragen nun endlich Früchte.

"Wir haben lange gesät", beschreibt Anton Wolfgang Hart das Engagement: Bei der Bau-Messe in München 2017 sei "Lemix" ein Schwerpunkt der Präsentation gewesen – als ökologisch ideale Ergänzung zu Wohnhäusern in Holzbauweise. Daneben sei die Lehmbauplatte als ökologische Alternative zur Gipskartonplatte in Fachzeitschriften oder auf Architektenmessen vorgestellt worden.

30 Prozent Umsatzplus

Inzwischen kommt "Lemix" auch bei größeren Objekten und Gewerbebauten zum Einsatz, etwa bei einem neuen Schulgebäude in Paris oder beim Neubau der Zentrale einer Krankenversicherung in Basel. Eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent nennt Hart durch die Lehmbauplatte. Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen 130.000 Euro in eine neue hydraulische Formgebungs-Presse investiert. Die Anlage wurde in die Produktionslinie eingebunden.

Die Lehmbauplatten wurden in der Anfangsphase manuell wie ein großer Kuchen auf einem Blech "gebacken", inzwischen ist die Fertigung automatisiert und auf größere Kapazitäten ausgerichtet. Zahlen nennen die Harts nicht, doch inzwischen gewinnt "Lemix" beim Umsatz einen Anteil von rund 10 Prozent, Tendenz steigend. Denn die neue Anlage sei, wie es heißt, eigentlich schon wieder am Limit, was vor allem an den aktuellen Aufträgen liegt.

Ein zartes Pflänzchen

Dennoch spricht Anton Wolfgang Hart im Hinblick auf den Markt für Lehmbauplatten von einem "zarten Pflänzchen, das noch wachsen muss", während Elisabeth Hart ergänzt: "... und gedüngt". "Lemix" werde aus einheimischen Rohstoffen gefertigt; die Fertigung gehe in Richtung CO2-freie Produktion: Dabei sei eine Mikrogasturbine im Einsatz, die Strom erzeugt und deren Abwärme die Lehmbauplatten trocknet.

Aufwendige Prüfungen und Untersuchen seien für die Herstellung und den Vertrieb der Lehmbauplatte nötig gewesen. Elisabeth Hart unterstreicht die wertvolle Arbeit von Schwiegertochter Lea Hart und Sohn Sebastian Hart, die in das Unternehmen eingebunden sind. Die "Diplomingenieurin (FH) Werkstofftechnik", so die neue Bezeichnung für Keramik-Ingenieurin, habe sich dabei erfolgreich engagiert – etwa im Zusammenhang mit dem Siegel "Natureplus" für die Bauplatte.

Neue Masse-Aufbereitung

Anton Wolfgang und Elisabeth Hart verweisen noch auf eine weitere große Investition – rund 1,0 Million Euro für eine neue Masse-Aufbereitung. Die Anlage ersetzt die frühere, die zum Teil aus den 70er-, 80er-Jahren stammt und ist deutlich leistungsfähiger.

Der neue "Kollergang", wie die Fachbezeichnung lautet, mit zwei „Läufern“ –zwei Walzen mit einem Gewicht von jeweils 15 Tonnen (vorher jeweils 6 Tonnen) – zerkleinert die gemischte keramische Masse; diese wird durch zwei Walzwerke nochmals definiert zu maximalen Korngrößen aufbereitet. "Alle keramischen Massen inklusive der ,Lemix‘-Masse laufen über diese Anlage", informiert Hart.

Ehrung und Verabschiedung treuer Mitarbeiter finden bei Hart-Keramik immer in besonderem Rahmen statt

Waldsassen
Hintergrund:

Zum ersten Mal nicht auf der Bau-Fachmesse

  • Die Firma Hart-Keramik AG zählt 120 Mitarbeiter. "Das ist seit Jahren ziemlich konstant", erklärt Vorstand Anton Wolfgang Hart.
  • Seit vielen Jahren bei der Bau-Fachmesse in München präsent ist Hart-Keramik. Vieles sei schon vorbereitet gewesen für Januar 2021. Doch die Absage und die angebotene virtuelle Alternative spiegelten nicht die Vorstellungen des Unternehmens wider. Hart verweist aber auf die Präsenz bei anderen Plattformen und Brancheninsidern - etwa eine virtuelle "Architek-Tour" im März.

 

 

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