14.02.2020 - 14:29 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Jetzt hat es der Wähler in der Hand

31 Tage vor der Entscheidung hatten die Bürgermeisterkandidaten in Waldsassen Gelegenheit, vor großem Publikum um das Vertrauen zu werben: Kurzweilig, informativ und zwischendurch auch emotional war die Podiumsdiskussion am Donnerstag.

Die Kandidaten standen im Jugendheim-Saal vor der Bühne auf einem Podest an Stehtischen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Ich bin zufrieden und werte die Veranstaltung als Erfolg", erklärte Nils Wittmann von der Führungsriege der Aktionsgemeinschaft Waldsassen (AGW) am Freitag auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Die AGW hatte den Abend im Jugendheim-Festsaal arrangiert. Vor der Bühne auf einem erhöhten Bereich waren an Stehtischen Amtsinhaber Bernd Sommer (CSU) sowie die beiden Herausforderer Helmut Zeitler (SPD) und Johann Wurm (Freie Wähler) positioniert, zusammen mit Jürgen Meyer von Radio Ramasuri. Er führte als stets souveräner Moderator durch den Abend.

Regelmäßiger Blick auf die Uhr

Die Kandidaten hatten vorab einen Themenkatalog erhalten, den der Moderator während der zweieinhalb Stunden abarbeitete. Dabei achtete Meyer stets auf die Zeit und drängte sanft zur Eile. Nach der Kurzvorstellung der Kandidaten gaben die Bewerber um den Rathaus-Chefsessel auch private Einblicke und äußerten die Ziel ihrer kommunalpolitischen Arbeit.

"Es macht mir Spaß, zu gestalten", meinte Bernd Sommer (51) und bekannte, dass er für Hobbys keine Zeit mehr hat. Wichtig ist für den amtierenden Bürgermeister, das "Wir-Gefühl" in Waldsassen zu stärken. Dem 45-jährigen Zeitler ("der Helmut vom Roten Kreuz", wie er sagte) liegt die medizinische Versorgung in Waldsassen am Herzen, die Zukunft des Krankenhauses eingeschlossen - dort, wo der Notfallsanitäter einst den Beruf des Krankenpflegers erlernt hatte. Zeitler will sich für ein "soziales Waldsassen" einsetzen.

Johann Wurm (57) präsentierte sich als "Freier Wähler mit Leib und Seele" und stellte die Notwendigkeit heraus, die "Politik vor Ort" zu den Verantwortlichen "nach oben" zu tragen. Eine wichtige Aufgabe ist für Wurm die Haushaltskonsolidierung, wobei der Kandidat von "Förderakrobatik" sprach. Waldsassen sei weit weg von einer eigenständigen Finanzkraft.

Schwerpunktthema Straße

Ein Schwerpunktthema war die Verkehrssituation. "Durchaus schlimm" sei diese, meinte Helmut Zeitler. Der Lkw-Verkehr sei momentan ausgesperrt. Doch künftig werde Güterverkehr auf dem Lkw-Weg durch Waldsassen laufen. "Wenn ich anschaue, was da auf uns zurollt", so der SPD-Mann in Anbetracht der Industrie in Eger und des Verladeterminals in Wiesau. "Ob die Straße unten durch oder sonst wie führt - das ist keine Entlastung", sagte Zeitler und sprach von einer anstrengenden Bauzeit von sechs Jahren. Schon die Kabelarbeiten vor der Wohnung vor zwei Jahren hätten genervt. "Da sind diese kleinen Bagger gefahren. Wenn du Nachtdienst hattest und kommst heim und würdest gerne schlafen - da wirst du wahnsinnig."

Bernd Sommer sagte: "Der Streit, den wir da verursachen, ist es nicht wert." Das Thema müsse sachlich angegangen werden. "Wir brauchen eine Entlastung der Innenstadt vom Lkw-Verkehr. Aber wir brauchen keine Trasse außen herum, die keiner befährt." Diese Trasse sei notwendig.

Die Tschechen hätten kein Interesse daran, den Verkehr über Waldsassen zu schicken, verwies Sommer auf den Bau eines Bahn-Terminals in der Nachbarstadt. "Eine Elektrifizierung der Bahnstrecke würde für uns eine größere Entlastung bringen als jede Straße, die irgendwo außen herum führt", so Sommer. Er appellierte dazu, gemeinsam darum zu kämpfen, gerne auch laut.

"Es wird immer Betroffene geben, mit der einen Lösung wie mit der anderen", erklärte Johann Wurm. Über die Gründe für die Trassenwahl könne man lange philosophieren. Doch der Stadtrat entscheide nicht. "Es ist eine Bundesstraße, die in der Planung und Ausführung vom Bauamt Amberg-Sulzbach entschieden wird", so Wurm.

"Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera". Man müsse das Beste aus dieser Lösung machen. Auch ihn störten viele Dinge an der Planung, so Wurm. "Aber so lange nicht begonnen wird, wird sich an unserer Situation nichts ändern."

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Bis zu 100 Zuschauer auf dem Live-Stream

Zunächst hatten die Verantwortlichen Bedenken wegen der fehlenden DSL-Verbindung, doch dann lief es: Sebastian und Andreas Koch hatten zur Podiumsdiskussion einen Live-Stream arrangiert. Zeitweise verfolgten über den Online-Kanal gut 100 Leute die Veranstaltung. Im Saal dürften laut Schätzungen zwischen 220 und 230 Leute gewesen sein. Zwischendrin blieben zwar einige Stühle frei, doch waren Plätze unter und auf der Galerie besetzt.

Stefan Marti sorgte während der Veranstaltung vor Ort am Mischpult dafür, dass die Redebeiträge gut zu hören waren - sowohl die jeweiligen Antworten der Kandidaten als auch die Fragen, die aus den Reihen der Zuhörer gestellt wurden. Diese bekamen jeweils von Alfons Kliebhan von der AGW das Mikro gebracht.

Sebastian Koch (links) vor dem Laptop, mit dem der Live-Stream von der Veranstaltung online gesendet wurde. Gegenüber Nils Wittmann und Alfons Kliebhan von der AGW (von rechts).
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Sorge um die Zukunft der Orthopädie-Reha

Monika Grötsch, die in der Orthopädie-Reha im früheren Krankenhaus Waldsassen beschäftigt ist, hatte bei der Vorstellungsrunde ganz genau zugehört. Dies zeigte sich in der abschließenden Fragerunde. Grötsch erinnerte daran, dass Bernd Sommer im Zusammenhang mit der medizinischen Versorgung Waldsassens erklärt habe, dass ein Gesundheitszentrum angestrebt werde, ob mit oder ohne Reha. "Das hat mich geschockt", erklärte die Rednerin: "Das Krankenhaus ist weg und anscheinend die Reha auch."

Bernd Sommer, Mitglied im Aufsichtsrat der Kliniken AG Nordoberpfalz, erklärte dazu, er könne versprechen, dass er als Bürgermeister sich einsetzen werde für den Fortbestand der Reha. Dazu müssten aber alle Träger - neben dem Landkreis Tirschenreuth der Landkreis Neustadt/WN und die Stadt Weiden - an einem Strang ziehen. Die Situation könnte laut Sommer anders aussehen, wenn der Landkreis stärker vertreten worden wäre.

Sommer durfte keine Einzelheiten nennen, sprach aber von einem neuen Defizit der Kliniken AG. Die Veröffentlichung der Zahlen, so Sommer, werde keine Freude bereiten. Vor den Wahlen werde wohl nichts mehr bekannt werden. Sommer bescheinigte dem neuen Vorstand Thomas Egginger einen "sehr guten Job". "Schnellschüsse", so Sommer, wie in der Vergangenheit, dürfe es aber künftig nicht mehr geben. Außerdem seien starke Verbündete notwendig.

"Wie wollen Sie Ärzte nach Waldsassen bringen?", lautete eine Frage von Hermann Gerl aus Kondrau an Helmut Zeitler. Dieser wollte neue Ideen verwirklichen, etwa indem sich mehrere Ärzte zusammenschließen und die medizinische Versorgung sicherstellen.

Bernd Sommer erzählte, dass er schon vor zwölf Jahren auf Kreisebene geraten habe, mit Abiturienten und künftigen Medizinstudenten aus der Region in Kontakt zu bleiben. Doch es habe an der Unterstützung durch den Landkreis gefehlt.

Gut gefüllt waren die Tischreihen bei der Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten
Sebastian Koch vor dem Laptop, mit dem der Live-Stream von der Veranstaltung online gesendet wurde.
Bernd Sommer.
Johann Wurm.
Moderator Jürgen Meyer von Radio Ramasuri führte souverän durch den Abend.
Helmut Zeitler.
Sabine Schiml fragte im Zusammenhang mit der Bundesstraßen-Verlegung konkret Helmut Zeitler nach den Alternativen zur aktuellen Planung.

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