Waldsassen
15.06.2018 - 11:13 Uhr

Heiß auf die Gartenschau

"Bewerbung" steht auf der blauen Mappe, die Bernd Sommer unterm Arm trägt. Nächste Woche, sagt der Bürgermeister, will er sie persönlich nach München bringen.

Unter einem Pavillon im Naturerlebnisgarten erläuterten Bürgermeister Bernd Sommer und Landschaftsarchitekt Raimund Böhringer noch einmal das fertige Bewerbungskonzept für die Gartenschau. Von links Äbtissin Laetitia Fech, Bürgermeister Bernd, Sommer, Raimund Böhringer, Oberbürgermeister Zdeněk Hrkal und Bürgermeister-Stellvertreter  Michael  Pospíšil sowie Johanna Härtl, Leiterin der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen. pz
Unter einem Pavillon im Naturerlebnisgarten erläuterten Bürgermeister Bernd Sommer und Landschaftsarchitekt Raimund Böhringer noch einmal das fertige Bewerbungskonzept für die Gartenschau. Von links Äbtissin Laetitia Fech, Bürgermeister Bernd, Sommer, Raimund Böhringer, Oberbürgermeister Zdeněk Hrkal und Bürgermeister-Stellvertreter Michael Pospíšil sowie Johanna Härtl, Leiterin der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen.

(pz) Im Naturerlebnisgarten präsentierten Bürgermeister Sommer und Raimund Böhringer vom Büro "Ideen finden" in Wunsiedel noch einmal das Konzept - wenige Tage vorm Abgabeschluss, 29. Juni. Mit dem Paket, das Böhringer und sein Team in den vergangenen Monaten zusammen mit engagierten Waldsassenern in Workshops und Arbeitsrunden schnürten, will die Klosterstadt das Rennen um eine der Gartenschauen 2024 bis 2026 machen.

Städtebaulich würde sie einen enormen Schub geben: Die besonderen Verbindungen im grenzüberschreitenden Oberzentrum Waldsassen-Eger/Cheb ließen sich bestens vertiefen. Und schließlich die Potenziale im Hinblick auf den Klostergarten und das frühere Klostergut Mitterhof, zählt Sommer die enormen Chancen im Falle eines Zuschlag auf. Über diese Möglichkeiten und die der grenzüberschreitende Zusammenarbeit staunte auch der Oberbürgermeister von Cheb/Eger, Zdenek Hrkal. Er war zu dem Treffen zusammen mit Bürgermeister-Stellvertreter Michal Pospísil in die Nachbarstadt gekommen, um sich über das Konzept zu informieren.

Raimund Böhringer unterstrich die optimistische Stimmung in Waldsassen; vor allem auch nach den ersten positiven Rückmeldungen seitens der Gartenschau-Gesellschaft. Die Bewerbung werde aber, so Böhringer, wörtlich, "nicht ein Selbstläufer sein". Die anderen Mitbewerber stellten eine Konkurrenz-Situation dar. Wichtig war Böhringer herauszustellen, dass das Bewerbungskonzept die Tradition der Zisterzienser und den Klostergarten mit den Ansprüchen und neuen Anforderungen des 21. Jahrhunderts zusammenbringt. Dabei wurde auch die Prämierung Waldsassens als einen der "Genussorte" Bayerns genannt. "Zentrale Aufgabe ist die Stadtentwicklung", so Böhringer und ergänzte, dass es sich nicht um eine "Luxus-Veranstaltung" handelt. "Die Situation ist einmalig", so der Landschaftsarchitekt. Er nannte die besonderen Voraussetzungen mit dem Kloster und der tschechischen Nachbarstadt Cheb. Seit gut 18 Jahren gebe es mit dem Egrensis-Park ein grenzüberschreitendes Landschaftskonzept. Zudem seien die Nachbarstädte gemeinsames grenzüberschreitendes Oberzentrum. "Das kann von Hof bis Passau niemand nachahmen."

Info:

Vertreter aus Egerer Rathaus beeindruckt

Oberbürgermeister Zdenek Hrkal, der vor seinem Amtsantritt als Lehrer arbeitete, stellte in dem Konzept für die Bewerbung besonders den Aspekt der Umweltbildung heraus. „Das ist eine tolle Sache“, so das Stadtoberhaupt, worauf Äbtissin Laetitia Fech einhakte und erklärte, dass die Mädchenrealschule wiederholt das Prädikat „Umweltschule Europas“ bekam.

Hrkal gefiel besonders, dass die historischen Gebäude gepflegt und mit Leben erfüllt werden; damit werde die gleiche Philosophie verfolgt wie in der Egerer Altstadt. Bürgermeister-Stellvertreter Michal Pospíšil erinnerte daran, dass das frühere Konzept des Egrensis-Parks, das noch vor dem EU-Beitritt Tschechiens entstand, nun Grundlage sei für gemeinsame Planungen auf bayerischer und westböhmischer Seite.

„Das wird eine Achse von der Landesgrenze bis zur Altstadt, und das ist uns ganz wichtig.“ Pospíšil weiter: „Wir haben hier eine tolle sakrale Landschaft.“ Als Beispiel nannte er Maria Loreto. Dort solle nun der große Umgang restauriert werden. „Das ist keine leichte Aufgabe“, so der Bürgermeister-Stellvertreter in Anbetracht des 40 Mio-CZK-Projekts. Im Zuge des Konzepts könnte auch die südliche Vorstadt von Cheb/Eger im Bereich des Bahnhofs aufgewertet werden. So solle die „rote Brücke“, die es bis 1945 gegeben hatte, wieder rekonstruiert und als Übergang für Radfahrer geschaffen werden. Michal Pospíšil sah außerdem einen riesigen Vorteil im Vergleich zur gemeinsamen grenzüberschreitenden Gartenschau 2006 zusammen mit der Stadt Marktredwitz. „Die war 25 Kilometer weg, aber wir sind direkte Nachbarn.“

„Diese hohen Summen schockieren uns nicht“, erklärte Bürgermeister Bernd Sommer zuvor in der Runde in Anbetracht des finanziellen Aufwands für die Gartenschau. „Wir müssen die Stadt lebendig halten“, so Sommer über die städtebauliche Aufwendungen, die bereits in der Vergangenheit – ohne Gartenschau – geschafft worden seien.

Es stelle sich somit nicht die Frage, ob sich Waldsassen dies leisten könne, sondern ob es sich die Gartenschau leisten wolle. Und falls Waldsassen nicht den Zuschlag erhalte, müssten die Projekte über andere Wege gestaltet werden.



Info:

Es bleibt ein Wettbewerb

Im seinem Rückblick auf das bisherige Verfahren seit der Entscheidung im Stadtrat für die Bewerbung ging Bernd Sommer auf den Brief der Gartenschau-Gesellschaft ein. Diese sah für die Waldsassener wenig Chancen auf Erfolg (wir berichteten) - unter anderem wegen der Eigentumsverhältnisse. Sommer sprach von "ganz großen Hürden": "Aber dann sind wir einige Meter wieder zurück, haben Anlauf genommen und sind über die Hürden hinweg gelaufen", erklärte der Rathauschef und meinte: "Das Konzept ist so toll, dass wir die Gartenschau bekommen sollten. Aber es bleibt eben ein Wettbewerb." (pz)

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