05.09.2019 - 10:10 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Hilfe für Menschen in Not

Jürgen Faltenbacher ist Präsidiumsmitglied beim Bayerischen Fußball-Verband und hat einen Sitz im Spielausschuss des DFB. 2012 gibt der Waldsassener die Initialzündung für die BFV-Sozialstiftung, die unbürokratisch hilft, wenn Menschen in Not geraten.

„Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, weiß, was für ein echtes Gut es ist, ein weitgehend sorgenfreies Leben führen zu können“, sagt Jürgen Faltenbacher.
von Konrad RosnerProfil

Der Waldsassener Jürgen Faltenbacher prägt den Amateurfußball und den Bayerischen Fußball-Verband (BFV) bereits seit über 28 Jahren. Als Präsidiumsmitglied ist der 50-Jährige bis heute hauptverantwortlich für den Spielbetrieb im Freistaat. Zudem zählt er zum Verbands-Vorstand des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) und hat einen Sitz im Spielausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

1991 übernahm der Angestellte der Stadtverwaltung seiner Heimatgemeinde Waldsassen den Posten des stellvertretenden Kreisschiedsrichterobmanns im damaligen Kreis Marktredwitz, 1995 wechselte er in den Bereich Spielbetrieb, verdiente sich als Kreis- und Bezirksspielleiter erste Sporen, wurde schließlich auf dem Verbandstag 2006 von den Delegierten zum Vorsitzenden des Verbands-Spielausschusses gewählt und bestimmt seitdem die Geschicke im Verbands-Vorstand mit. 2010 folgte der Aufstieg zum Schatzmeister und Präsidiumsmitglied.

Parallel dazu kümmerte er sich als Spielleiter um die damalige Regionalliga Süd. Den Lohn für seine herausragende Arbeit bekam er im Mai 2018 beim Verbandstag in Bad Gögging, als ihn die Delegierten zum zweiten Mal einstimmig im Amt des Schatzmeisters bestätigten. Absolute Transparenz und ein aktives Mitspracherecht der Vereine sind für den Waldsassener das oberste Gebot.

Egal, ob beim Thema Verbandsfinanzen oder bei der Mittelverwendung der BFV-Sozialstiftung, deren Gründung er als Hauptinitiator 2012 mitverantwortet hat und um die er sich bis heute als Stiftungsvorstand Finanzen und Verwaltung kümmert. Ziel der Sozialstiftung ist es, schnell und unbürokratisch Hilfe leisten zu können, wenn diese dringend nötig ist und die Situation aussichtslos erscheint. Egal ob bei einem Schicksalsschlag innerhalb der bayerischen Fußballfamilie oder in einem der ärmsten Länder der Welt wie beim Sozialprojekt in Mosambik, wo der BFV bereits seit 2005 Hilfe zur Selbsthilfe leistet und vor allem in die Bildung junger Menschen investiert. Insgesamt konnte die BFV-Sozialstiftung bislang in mehr als 400 Fällen helfen und mit mehr als 1,2 Millionen Euro neue Hoffnung schenken.

ONETZ: Die BFV-Sozialstiftung haben Sie mit ins Leben gerufen. Weshalb und warum?

Jürgen Faltenbacher: Weil es mir gut geht, weil ich zum Glück bis heute auf der Sonnenseite des Lebens zu Hause bin – und ich weiß das sehr zu schätzen. Für viele mag das eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, weiß, was für ein echtes Gut es ist, ein weitgehend sorgenfreies Leben führen zu können. Ich kann von mir behaupten, dass es mir gut geht, aber ich will eben jenen helfen, die das nicht sagen können. Und diese Menschen gibt es gleich in der Nachbarschaft, in der direkten Umgebung – also auch bei Menschen, die sich für den Fußball engagieren. Da lag es nahe, dass wir mit der Stiftung hier helfen wollen, Schicksale zu lindern. Schicksale, die übrigens jeden von uns treffen können. Deswegen sollten wir alle ein Stück weit dankbarer sein und uns dort engagieren, wo wir es können.

ONETZ: Wer wird damit unterstützt?

Jürgen Faltenbacher: Wir versuchen, rasch und unbürokratisch zu helfen, wollen schnell da sein, wenn jemand unverschuldet in Not geraten ist. Dabei ist es uns in der BFV-Sozialstiftung wichtig, eben jenen unter die Arme zu greifen, die sich über den Fußball schon immer uneigennützig für andere eingesetzt haben. In solchen Notsituationen will der bayerische Fußball jetzt auch etwas zurückgeben. Dabei sind die Fälle ganz unterschiedlich gelagert. Wir hatten schon schlimme Verletzungen, die beispielsweise auf dem Platz passiert sind und Konsequenzen für das weitere Berufsleben nach sich gezogen haben, weil der ursprünglich erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt werden konnte. Oder schwere Krankheiten, die besondere Therapien bedingt haben, aber von keiner Krankenkasse bezahlt worden sind. Und dann gibt es auch noch Vereine an sich, die beispielsweise durch ein Feuer oder ein Unwetter keine Bleibe mehr haben. Die Fälle sind sehr breit gelagert, was alleine diese Beispiele zeigen.

ONETZ: Gibt es auch spezielle Unterstützung für Sportler und Institutionen in der nördlichen Oberpfalz? Mit welchem Geldaufwand?

Jürgen Faltenbacher: Schicksalsschläge kennen keine Grenzen und keine regionalen Unterschiede, Krankheiten stoppen nicht an Bezirks- oder Kreisgrenzen. Wir helfen in ganz Bayern – eben überall dort, wo wir der Überzeugung sind, dass die Hilfe am dringendsten benötigt wird. Dort, wo der Fußball etwas zurückgeben kann. Natürlich auch hier in der Oberpfalz. Spontan fallen mir zwei Fälle ein: Auf einen Antrag des TSV Konnersreuth nach dem schlimmen Unwetter in 2018 hin haben wir uns im Stiftungsvorstand mit der Situation in der Marktgemeinde befasst und zwölf Familien jeweils von 1500 bis 2000 Euro zugesprochen, insgesamt waren es 22 500 Euro. Oder die Familie Walbrunn vom ATSV Tirschenreuth, bei denen das Schicksal zweimal schwer zugeschlagen hat: Zuerst erlitt Berthold Walbrunn, ein engagiertes und sehr tatkräftiges Mitglied im Verein, einen Schlaganfall, der ihn für längere Zeit an das Krankenbett fesselte. Dann, nur wenige Wochen später, erhielt die Familie eine zweite schlimme Diagnose: Bei Hugo, dem fünfjährigen Enkel von Berthold Walbrunn wurde Leukämie festgestellt. Auch hier haben wir mit der BFV-Sozialstiftung mit insgesamt 6000 Euro der Familie unter die Arme gegriffen.

ONETZ: Für welchen Club schlägt Ihr Fußballerherz?

Jürgen Faltenbacher: Dass ich mit den bayerischen Bundesliga-Klubs mitfiebere, erklärt sich von alleine. Aber mein Herz hängt dann doch schon sehr an der Gladbacher Borussia. Der bin ich bis heute treu geblieben.

ONETZ: Wer wird Deutscher Meister?

Jürgen Faltenbacher: Klar, spielen die Bayern wieder eine tragende Rolle. Auch wenn aktuell schon wieder von einer Krise gesprochen wird. Alles Quatsch. Die Bayern muss man auf der Rechnung haben. Und ich glaube, dass eine Borussia ebenfalls gute Karten im Titelrennen besitzt. Welche, das können Sie sich aussuchen ...

Jürgen Faltenbacher mit Rainer Koch (rechts), dem Präsidenten des BFV und kommissarischer Präsident des DFB.
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