16.09.2020 - 10:13 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Jugendstadtrat präsentiert Konzept für Jugendtreff im Bahnhof Waldsassen

Ein Schwerpunktthema beschäftigte die Mitglieder des Stadtrats in der September-Sitzung: Dort gab es einen Überblick, wie der künftige Jugendtreff im Bahnhofsgebäude funktionieren soll. Nach der Präsentation blieben aber noch Fragen offen.

Andrea Wurm und Tobias Wedlich vom Jugendstadtrat präsentierten in der jüngsten Sitzung des Stadtrats ihr Konzept für den künftigen Jugendtreff im Bahnhof.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Im öffentlichen Teil der jüngsten Sitzung des Stadtrats befasste sich das Gremium beinahe nur mit einem einzigen Thema. In der Aula des Klosters ging um den künftigen Jugendtreff. Der soll bekanntlich im Bahnhofgebäude entstehen, im ersten Obergeschoss.

Der Jugendstadtrat hatte das Thema schon seit Jahren auf der Agenda; nun – mit der Betreuung der Jugendbeauftragten Katja Bloßfeldt und Andreas Koch – machen die Nachwuchs-Kommunalpolitiker sprichwörtlich "Nägel mit Köpfen".

"Klasse Präsentation"

Nach einem ersten Arbeitseinsatz vor einigen Wochen gab es eine umfangreiche Information über das Vorhaben. Stellvertretend für den Jugendstadtrat stellten Andrea Wurm und Tobias Wedlich die Einzelheiten des Konzepts vor. "Eine klasse Präsentation", lobte Bürgermeister Bernd Sommer und fügte hinzu, er habe selbst von professionellen Büros schon Schlechteres gesehen.

Andrea Wurm und Tobias Wedlich zeigten Grafiken mit dem Grundriss der Wohnung. Sie umfasst drei Zimmer, Küche und Bad sowie einen Abstellraum. Laut Andrea Wurm werden in der Küche für die Einrichtung ausrangierte Küchenmöbel der Mittelschule mit verwendet. "Die sind super in Schuss."

Kasse auf Vertrauensbasis

Geöffnet sein soll der Treff freitags von 18 bis 22 Uhr und eventuell sonntags "durch mindestens ein Mitglied Ü18", wie es in der Ausarbeitung des Jugendstadtrats heißt. Die Kasse soll auf Vertrauensbasis geführt werden; zum Verkauf kommen Wasser, Limo, Spezi. Die Getränke sollen von einem lokalen Händler erworben werden, wie es hieß. Geplant sind den Angaben zufolge diverse Angebote – Palettenmöbel-Bau oder Graffiti-Workshops.

Die jungen Leute hatten für jeden Raum detaillierte Kostenaufstellungen vorgelegt – etwa für die sogenannte "Chilllounge". Die soll laut Wunschliste ausgestattet sein mit Kickertisch, Musikanlage, Dartscheibe und Fernseher. Insgesamt werden für die Ausstattung des Treffs 2300 Euro veranschlagt. Darin enthalten wären dann aber auch schon diverse Ausgaben für die Ausstattung der Wohnung – etwa Deckenlampen, Möbel für Garderobe und Bad und für Küchenutensilien wie Wasserkocher, Essgeschirr und Gläser.

CSU sagt spontan Hilfe zu

Noch offen ist die Finanzierung einer neuen Küchenzeile. "Wir wissen nicht, wo wir die 1800 Euro herkriegen sollen", hofften die beiden Sprecher auf Unterstützung durch den Stadtrat. Die Resonanz darauf kam wenig später im Verlauf der Sitzung: Markus Scharnagl sicherte eine Spende von 500 Euro seitens der CSU, der JU und der Frauen-Union zu. Vielleicht, so Scharnagl, würden sich noch Nachahmer finden. "Ihr wollt Verantwortung tragen, und wir werden euch daran nicht hindern." Bürgermeister Sommer sagte dazu: "Gibt es noch weitere Wortbeiträge ähnlichen Inhalts?"

Einhelliges Lob für Vorarbeit

Die Sprecher der Fraktionen – Andreas Riedl für die CSU, Monika Gerl für die SPD und Johann Wurm für die Freien Wähler – lobten das außergewöhnliche Engagement der jungen Leute und signalisierten grundsätzliche ihre Unterstützung. Konkrete Beschlüsse aber gab es noch nicht. Die weiteren Fragen, wie etwa die Übernahme der laufenden Kosten, müssten in den Gremien geklärt werden, hieß es.

In der Aussprache äußerte vor allem Monika Gerl ihre Bedenken und fürchtete diverse "Fallstricke", wie sie sagte. Ungeklärt seien etwa rechtliche und haftungsrechtliche Fragen. "Wer trägt die Verantwortung?" Völlig unklar sei auch, für welches Klientel und für welche Altersgruppe der Jugendtreff gedacht sei. "So lange nichts passiert, ist alles gut", sagte die SPD-Frau. Ein großer Nachteil nach Ansicht der SPD-Fraktion: Der Jugendtreff liegt im ersten Stock. "Nicht zugänglich für Menschen mit Handicap."

"Wie früher der Teeladen"

Monika Gerl wünschte sich einen "betreuten Jugendtreff" und ergänzte: "Wie früher der Teeladen." Eine solche Lösung sei zwar kosten- und zeitintensiver. "Aber die Erfahrung am Festplatz hat gezeigt, dass ein unbetreuter Jugendtreff auf Dauer nicht funktioniert." Mit dem Jugendamt sollten finanzielle Fördermöglichkeiten sowie rechtliche und praktische Möglichkeiten abgeklärt werden. Auch eine interkommunale Zusammenarbeit regte die Sprecherin an.

Als "Miesmacher und Bremser" wollte sich die SPD-Fraktion aber nicht hinstellen lassen. Vielmehr solle der Stadtrat die jungen Menschen unterstützen, sie andererseits aber in der Verantwortung nicht alleine lassen.

Johann Wurm (Freie Wähler) mochte die Bedenken hinsichtlich der Klientel nicht ganz teilen, auch im Hinblick auf die künftigen Räumlichkeiten. Ein gewisser Spielraum mit einem nicht zu ausufernden Reglement solle den jungen Leuten schon geboten werden.

Niederschwellige Jugendarbeit

Das jetzige Konzept sei mit dem früheren am Festplatz nicht vergleichbar, als den jungen Leuten ein Büro-Container zur Verfügung stand, so Wurm. "Das war nicht verkehrt", hielt Bürgermeister Bernd Sommer dagegen und sprach von einer niederschwelligen Jugendarbeit. Die jungen Leute damals hätten inzwischen alle ihren Weg gefunden, seien in Berufen etabliert und engagierten sich in Vereinen.

Jugendbeauftragte Katja Bloßfeldt brach eine Lanze für die jungen Leute. "Wir begleiten, beraten und helfen", so die CSU-Rätin über die Funktion der Erwachsenen. Diese blieben wohl im Hintergrund, doch ließen sie sich im Jugendtreff auch regelmäßig blicken. "Da sind wir am Zug", erklärte die Sprecherin im Hinblick auf die Haftungsfrage. Diese müsse klar geregelt sein.

Der künftige Jugendtreff war schon in der Juli-Sitzung des Stadtrats ein Thema

Waldsassen
Auf der Basis des Grundrisses der Wohnung, den die jungen Leute vom Bauamt im Rathaus zur Verfügung gestellt bekamen, war eine Visualisierung der Räume erstellt worden.
Der Aufenthaltsbereich mit Sitzecke und Kickertisch.
Ein weiterer Aufenthaltsbereich mit Fernseher und einer Sitzecke.
Wegen der Sperrung der Egerer Straße wäre die Stadthalle nur über Umwege erreichbar gewesen. Deshalb hat der Stadtrat seine Sitzung in die Aula des Klosters verlegt.
Im Blickpunkt:

Ausnahmsweise in der Aula des Klosters

In die Aula des Klosters verlegt worden war die Sitzung des Stadtrats. Der Tagungsort war eine Ausnahme: Wegen der Sperrung der Egerer Straße zu Beginn der Woche war die Stadthalle nur schwer erreichbar, weshalb die Lösung in der Zisterzienserinnen-Abtei gewählt wurde. Ein Problem in der Aula bei der Sitzung war die doch recht komplizierte Akustik im früheren Mönchsrefektorium. Der Schall überträgt sich in dem mit Gewölbe und Bögen gestalteten Raum in Kombination mit dem Natursteinboden mehrfach. Bürgermeister Bernd Sommer hatte zwar sein eigenes Ansteckmikrofon an der Jacke. Doch die Redebeiträge während der Sitzung waren bei den besonderen Bedingungen in dem Raum nur schwer verständlich, zumindest aus weiterer Entfernung. Wegen der Hygienebestimmungen war ein Durchreichen der beiden weiteren verfügbaren Mikros nicht möglich. Die Erfahrung vom Montag hat die Verantwortlichen im Rathaus darin bestätigt, dass die konstituierende Sitzung im Mai in der Stadthalle veranstaltet wurde. Denn zuerst war überlegt worden, für das erste Treffen des neu gewählten Stadtrats die Kloster-Aula zu wählen, auch des besonderen und festlichen Rahmens wegen.

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