09.12.2018 - 14:30 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kinderlächeln gibt ihr Kraft

Was Dr. Annemarie Schraml immer wieder antreibt, nach Tansania zu fliegen, um dort Kindermit orthopädischen Fehlbildungen zu operieren, ist ihr Glaube an Gott und ihre Überzeugung, dass die Menschheit nur miteinander bestehen kann.

Auf unzähligen Fotos aus Tansania strahlt Dr. Annemarie Schraml mit den Kindern, denen sie helfen konnte, um die Wette.
von Ulla Britta BaumerProfil

Als Dr. Annemarie Schraml im Jahr 2000 nach Tansania flog, um Kinder mit Verkrümmungen an den Beinen zu operieren, ahnte sie nicht, was diese Reise auslösen würde. Die Ärztin arbeitete damals in der Rummelsberger Klinik, die ein Berufsbildungswerk in Tansania unterstützte. "Mein Kollege machte dort Urlaub und wurde gefragt, ob es möglich sei, die kranken Kinder zu operieren. Wir besprachen das dann, stellten ein Team zusammen und flogen hin. Es sollte eine einmalige Sache sein", erzählt sie.

Schon damals stellte sich heraus, dass es mit dem einen Mal nicht getan ist. "Unser Einsatz hat sich herumgesprochen, es kamen immer mehr." Da nicht alle operiert werden konnten, flogen Dr. Schraml und Dr. Giering 2001 wieder in die Klinik nach Nkoaranga im Norden Tansanias. Auslöser zum Weitermachen sei aber für sie vor allem ein Bericht über ihre Arbeit in der Tageszeitung "Der neue Tag" gewesen. Die Reportage über die "Feuerkinder" habe eine Spendenwelle entfacht, mit der sie nicht gerechnet habe.

Beim zweiten Einsatz sei sie schon mutiger gewesen, erzählt Annemarie Schraml. Sie musste erst in die Aufgabe hineinwachsen. "Ich hatte Angst vor Infektionen bei den kleinen Patienten und machte zuerst nur kleine Eingriffe." Ihre Sorgen waren unbegründet, auch bei schwerwiegenden orthopädischen Fehlbildungen erzielte sie gute Erfolge. Ende November war die Waldsassener Ärztin wieder für zwölf Tage in Afrika, um aufzuarbeiten, was beim letzten Besuch nicht machbar war. Und sie will weitermachen.

18 Jahre nach dem ersten Einsatz sprechen 2000 Operationen und 6800 ambulante Behandlungen für sich. Das deutsche Ärzteteam verbesserte zudem die medizinischen Verhältnisse in der Klinik und leistete Hilfe zur Selbsthilfe. Ebenso hat sich unter anderem das Klinik-Personal in Tansania verdreifacht, es wurde eine orthopädische Werkstatt angegliedert, afrikanische Kollegen werden in Nürnberg geschult, Hebammen wurden ausgebildet, medizinische Geräte konnten angeschafft werden.

Schraml erzählt von tapferen Müttern in Afrika, die mit ihren Kindern 1500 Kilometer bis in die Klinik zurücklegen. Sie interessierte sich auch von Anfang an für die politische Lage des Landes. Zwar habe sich Tansania gut entwickelt, "aber die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander". Trotz all der Umstände sei Tansania ein traumhaft schönes Land.

"Ich denke, wir haben unseren Mitmenschen gegenüber eine große Verantwortung und sollten füreinander da sein", nennt Annemarie Schraml als Beweggrund. Es sei reiner Zufall, im reichen Europa geboren zu sein und nicht in Afrika, mahnt sie. Ihre Passion zum Heilen und Helfen entspringt einem tiefen Glauben an Gott, aus dem die Medizinerin Kraft für neue Einsätze schöpft. Als Christin sei dies ihr Versuch, Nächstenliebe mit den ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu praktizieren.

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