24.06.2019 - 16:23 Uhr
WaldsassenOberpfalz

"Kirche fast vor Zerreißprobe"

In der Basilika feierte Stadtpfarrer Thomas Vogl am Sonntag sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Dazu reisten zahlreiche geistliche Weggefährten an, die ihn bisher auf seinem kirchlichen Werdegang begleitet haben.

Pfarrer Thomas Vogl (Mitte) war der Hauptzelebrant beim Festgottesdienst anlässlich Silbernen Priesterjubiläums. Als Konzelebranten waren zahlreiche Weggefährten des Geistlichen angereist.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Jetzt ist es schon ein bisschen Mittag geworden." Mit diesem Zitat eines Kollegen drängte sich Stadtpfarrer Thomas Vogl nach gut zweieinviertel Stunden selbst zur Eile. Nicht ohne sich vorher ausführlich bei all denen zu bedanken, die ihm einen unvergesslichen Festgottesdienst anlässlich seines 25. Priesterjubiläums bereitet hatten. Bei den Feierlichkeiten hatte er von vielen Seiten viel Lob erfahren.

Abrupter Wechsel

Als Festprediger war sein damaliger Primiz-Prediger, Domprobst Prälat Dr. Franz Frühmorgen, aus Regensburg angereist. Er stellte die bisher wichtigsten Stationen des Jubilars vor. Begonnen habe Thomas Vogl als junger dynamischer Kaplan in Dingolfing St. Josef und Regensburg St. Wolfgang. Er wirkte sechs Jahre im Priesterseminar, als Präfekt und Subregens, erlebte dort zwei Regenten, einen großen Umbau und hatte die Aufgabe, junge Menschen auf den Weg zum geistlichen Dienst zu verhelfen.

2005, beinahe von heute auf morgen, der Wechsel nach Waldsassen, vielleicht die größte Herausforderung bis dato, weil alles so plötzlich ging und er innerlich nicht darauf eingestellt war. Dabei habe Pfarrer Vogl ganz existenziell erlebt, was das letzte Wort Jesu an Petrus im Johannesevangelium bedeuten könne: "Ein anderer wird dich führen, wohin du zunächst nicht willst." Er habe sich führen lassen und sei deshalb nicht daran zerbrochen, sei in der Klosterstadt über sich hinausgewachsen und geworden, was er immer sein wollte - Pfarrer.

Man spüre das mit seinen Vorträgen und mit seinem herausragenden Talent, was Predigten betreffe, wie er die Messe feiere und an der Wertschätzung, unter anderem bei den Mitarbeitern in der Pfarrei. Es zeichne ihn aus, dass man mit ihm über alles reden könne und dabei gleichzeitig immer spüre, woher er komme und für wen er stehe.

Nach Aufzählung der Verdienste und Vorzüge von Pfarrer Thomas Vogl stellte er fest: "Es ist kein Wunder, dass dich die Gläubigen hier in Waldsassen noch lange behalten wollen. Ich werde mir das merken und schauen, was man tun kann." Dafür erntete der Domprobst seitens der Menschen in der voll besetzten Basilika spontanen Applaus. Pfarrer Vogl nahm die Aussage mit einem Lächeln zur Kenntnis.

Viel geschultert

Die Leute wollten ihn behalten, weil sie merkten, dass er ein Pfarrer sei, wie man ihn sich wünsche, lobte Frühmorgen weiter. Er sei Pfarrer mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand, und jemand, der vieles schultern könne. Dabei erinnerte Frühmorgen an die Basilika-Renovierung mit enormem Aufwand an Zeit, Mühe, und Geld. Zudem habe Vogl das Amt des Dekans und Priesterratssekretärs angenommen und nebenbei auch noch promoviert. Es sei wahrlich viel, was er in 25 Jahren geleistet habe.

Der Sprecher sah mit Sorge, wie sich die Gesellschaft in Bezug auf Kirche verändert habe. Massive Austritte, enormer Rückgang des Empfangs der Sakramente und viel Dunkles, das in der Kirche ans Licht gekommen sei, machten das Vertrauen schwer. Glaube sei nicht mehr selbstverständlich, und viele fragten besorgt wo der Weg hingehe. "Studien besagen, dass sich bis 2060 die Anzahl der Christen in Deutschland halbiert haben wird." Die Zeiten seien für den Glauben nicht einfach. Die Kirche stehe vor einer schwieriger Situation - fast vor einer Zerreißprobe.

Besondere Geschenke

Der Prälat und Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter überraschten Pfarrer Thomas Vogl mit ganz besonderen Geschenken. Sagstetter mit einer Eigenkomposition, die zu diesem Anlass das erste Mal aufgeführt wurde, und der Domprobst mit dem höchsten, dem päpstlichen Segen für Pfarrer Vogl. Den apostolischen Segen für diesen Tag überreichte er in schriftlicher Form, unterschrieben von Nikola Eterovic, Apostolischer Nuntius in Deutschland.

Gute Wünsche überbrachte das Kinderhaus des Katholischen Kindergartens. Die Kinder hatten zu diesem Anlass ein Lied einstudiert. Der Refrain lautete: "Du bist spitze du bist genial." Für die Kirchenverwaltung bedankten sich Andreas Grillmeier und Sabine Ernstberger für Pfarrer Vogls Engagement. Als Geschenk erhielt er ein Fotobuch mit den wichtigsten Ereignissen der vergangenen 25 Jahre und eine Schatztruhe mit Barem, für die notwendige Reinigung der Orgel.

Für die Stadt Waldsassen lobte Bürgermeister Bernd Sommer Vogls Wirken. Auch er hatte eine Spende für die Orgelreinigung dabei. Dazu zwei symbolische Geschenke: eine Girlande aus lauter kleinen Herzen als Wertschätzung und eine Einladung zum Grillen, wobei der Bürgermeister dann als "Burgermeister" auftreten werde. Glückwünsche seitens der evangelischen Kirchengemeinde überbrachte Pfarrerin Dr. Stefanie Schön persönlich. Sie wünschte dem Jubilar auf seinem Weg weiterhin viel Kraft, um den Geist Gottes weitergeben zu können. Ihr persönlicher Wunsch: "Hoffentlich bleibst du noch lange in Waldsassen."

Für die würdige musikalische Untermalung der Feier sorgte der Basilikachor mit der "Missa solemnis in C" von W. A. Mozart für Soli, Chor und Orchester unter Leitung von Andreas Sagstetter. Äbtissin Laetitia Fech und der Konvent des Kloster hatten sich ein besonderes Geschenk einfallen lassen. Sie überraschten den Pfarrer mit Chronogrammen. In den lateinischen Texten ließen sich immer wieder Jahreszahlen finden, die für Vogls Werdegang relevant waren. Aufgelockert wurden sie durch den Gesang der Ordensfrauen und Stefanie Heinrich, die auf ihrer Geige begleitete.

Nach der kirchlichen Feier hatte Pfarrer Vogl die Gottesdienstteilnehmer zum Essen in den Pfarrgarten eingeladen. Im Eingangsbereich der Basilika ist noch die ganze Woche über ein Gästebuch ausgelegt, in dem man sich eintragen kann.

Bildergalerie Silbernes Priesterjubiläum Pfarrer Thomas Vogl

Gespräch mit Pfarrer Thomas Vogl

Waldsassen

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