28.09.2020 - 11:53 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Von der Kloster-Aula nach Amerika

Nach der Zwangspause für die seit Jahrzehnten etablierte Veranstaltungsreihe in Waldsassen mischt der Waldsassener Kammermusikkreis beim Kulturangebot jetzt wieder mit. Das Konzert mit den "Ladystrings" war ein gelungener Wiedereinstieg.

Die "Ladystrings" beim Konzert des Waldsassener Kammermusikkreises in der Aula des Klosters: von links Charlotte Balle, Maria Friedrich, Dorothea Galler und Lisa Barry.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Wer den ersten Auftritt im Februar 2019 erlebt hat, der wusste schon: Das wird kein klassisches Konzert, wie es normalerweise von einem Streichquartett erwartet werden kann. Die Ladystrings, vier taffe Frauen mit ordentlich Power und Können, lieferten in der Aula des Klosters beinahe eineinhalb Stunden lang nonstop ein musikalisches Programm der Extraklasse.

Der Waldsassener Kammermusikkreis hatte das Konzert unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln arrangiert, die verfügbaren Plätze waren rasch vergeben. Nach monatelanger, durch die Corona-Pandemie bedingte Abstinenz wurde der Nachmittag für die knapp 70 Leute im Publikum zu einem abwechslungsreichen Erlebnis.

"Wunderbares Geräusch"

"Danke für das wunderbare Geräusch, das wir so lange vermisst haben", sagte Charlotte Balle während des Konzerts nach einem Zwischenapplaus der Besucher. Charlotte Balle und Lisa Barry (beide Violine) sowie Dorothea Galler (Viola) und Maria Friedrich (Vionloncello) entführten die Zuhörer musikalisch nach Amerika und ließen dabei kaum eine Stilrichtung aus. Dabei stellten die "Ladystrings" auch ihre gesanglichen Qualitäten unter Beweis.

Situationskomik und Wortwitz

Mit Situationskomik und Wortwitz, bei der sich auch das Publikum mit einbinden lassen durfte, wurde das Konzert eben nicht zu einem jener Sorte, weshalb viele Leute einen Besuch derartiger Veranstaltungen lieber meiden - weil's dort eben gar so steif zugeht und manch einer verunsichert ist, ob er sich gerade richtig verhält.

Derlei Fragen stellten sich aber am späten Sonntagnachmittag erst gar nicht: Die heitere und lockere Atmosphäre sprang schnell auf das Publikum über. Die Streicherinnen, jede für sich Solistin und ausgewiesene Könnerin auf ihrem Instrument, jazzten und swingten sich munter und mit einer beeindruckenden Leichtigkeit durchs Programm, durch das abwechselnd alle vier Frauen führten.

Stevie Wonder und Michael Jackson

Passend zum Thema gab's zur Eröffnung staatstragend die amerikanische Hymne, wenig später leiteten die Musikerinnen über zur Musik von Stevie Wonder mit dem vielfach im Radio gehörten "Sir Duke" und würdigten im Programm auch den "Maskenträger der ersten Stunde", wie Dorothea Galler sagte - Michael Jackson.

Mach einer der Zuhörer in der Aula dürfte froh gewesen sein, dass wegen der Abstandsregeln aufs Tanzen verzichtet werden durfte. Dies galt für den einst von Michael Jackson perfekt beherrschten Moonwalk, noch mehr aber für die Aufforderung zum Tango. Der "südamerikanische Seitensprung" nach Argentinien kam zuerst temperamentvoll und wenig später schwermütig und gefühlvoll daher.

Rückkehr für die Zugabe

Mit einem Stück aus Star Wars unterrahmen die Frauen einen Abstecher zur Traumfabrik Hollywood, ehe gegen die Ladystrings den Klassiker der Andrew-Sisters musizierten: "Bei mir bist du schön".

Für die Zugabe kehrten die Künstlerinnen wieder zurück in die Heimat, mit Beethovens "Fünfter". Allerdings nicht so, wie es bei einem "normalen" Konzert eines Streichquartetts klingen würde. Die vier Damen arrangierten das Werk, als ob der Komponist Amerikaner wäre und bewiesen ihre besondere Virtuosität –mit wechselnden Tempi und teils schräg klingend. Nach langem Beifall und dem bekannten mexikanischen Liebeslied "Bésame Mucho" klang das Konzert aus.

Die Ladystrings gastierten bereits im Februar 2019 in Waldsassen

Waldsassen
Mit dem "Corona-Stab" in der Hand informierte WKK-Vorsitzender Andreas Sagstetter über das weitere Vorgehen im nächsten Jahr.
Hintergrund:

WKK fährt bei neuer Konzertreihe "auf Sicht"

Das Konzert mit den "Ladystrings" war eigentlich als letztes der aktuellen Veranstaltungsreihe des Waldsassener Kammermusikkreises (WKK) geplant. Doch der größte Teil der Termine in den vergangenen Monaten seit März musste gestrichen werden. "Wir werden auf Sicht fahren", erklärte Vorsitzender Andreas Sagstetter vor Beginn des Konzerts über die weitere Zukunft der Veranstaltungsreihe. Mit dabei hatte Sagstetter den von Vorstandsmitglied Johannes Röttges gefertigten "Corona-Stab". Der dürfte bei künftigen Veranstaltungen eine besondere Rolle spielen. Denn mit dem exakt 1,50 Meter langen schwarzen Stock wird der Abstand zwischen den Sitzplätzen gemessen. Bei künftigen Terminen werde es vorerst keine Abendkasse mehr geben - die Tickets seien ausschließlich über den Vorverkauf erhältlich, jeweils vier Wochen vor den Terminen. Das Programm für die Konzertreihe will der WKK spätestens im Dezember präsentieren. Mitte Januar ist dann das erste Konzert geplant - ein Abend mit dem Volksmusiker Hans Berger aus dem Chiemgau, der schon in Waldsassen wiederholt musizierte, unter anderem auch mit dem Chor der Basilika. "Wir bitten Sie um Unterstützung", sagte Sagstetter zu den Konzertbesuchern, "dass die wenigen Plätze, die wir anbieten werden, auch gefüllt sind".

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