15.07.2021 - 19:11 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Krankenhauskomplex in Waldsassen: Arztpraxen, Läden und viele Wohnungen

Als städtebauliche Aufwertung pries Bürgermeister Bernd Sommer das Vorhaben, nachdem die Grundrisse und Ansichten durchgesprochen waren. Ein multifunktionales Zentrum soll das ehemalige Krankenhaus werden, mit einem besonderen Schwerpunkt.

Mit dem ehemaligen Krankenhaus in Waldsassen hat der Investor große Pläne. So sollen in dem von der Egerer Straße zurückgesetzten Gebäudeteil (Bild) mit den bestehenden Balkons zur Parkanlage Schwanenwiese Wohnungen entstehen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Die Mitglieder des Bauausschusses stimmten dem Vorhaben geschlossen zu und erteilten das gemeindliche Einvernehmen. In der Sitzung lag ein Antrag für den Umbau des Krankenhauses "zu Praxen, Labore, Wohnungen, Läden und Betreuungseinrichtungen" vor, wie es in der Tischvorlage für die Mitglieder des Gremiums hieß.

Schon frühzeitig – vor der Ausschreibung für den Verkauf zu Beginn des Jahres – war mit möglichen Investoren das Konzept für die künftige Nutzung erarbeitet worden. Dies geschah in enger Abstimmung mit der Kliniken AG und der Stadt Waldsassen. Nun wurden zum ersten Mal in der Öffentlichkeit Grundrisse und Ansichten des Gebäudekomplexes an der Egerer Straße präsentiert. Offiziell gibt es keine Angaben über den Käufer. Nach Informationen von Oberpfalz-Medien sollen zwei Firmen – Gesellschaften mit beschränkter Haftung – hinter dem Bauantrag stehen.

Von 30 bis 106 Quadratmeter

"Im Äußeren wird sich wenig verändern", erklärte Bürgermeister Bernd Sommer und stellte vor allem die Nutzungsänderung für das Gebäude heraus. "Wir schauen uns jetzt mal die Geschosse durch", gab Sommer das Signal an Stadtbaumeister Hubert Siller, der die an die Leinwand projizierten Pläne einzeln vorstellte.

Etage für Etage erläuterte Siller – immer wieder auch mit Unterstützung von Bernd Sommer – die einzelnen Pläne. Dabei wurde deutlich: Im ehemaligen Krankenhaus sollen vor allem Wohnungen entstehen – der Sitzungsvorlage zufolge etwa 40 Einheiten. Die Größe bezifferte Sommer auf Nachfrage auf zwischen 30 bis 106 Quadratmeter. Annähernd alle Wohnungen verfügten über Balkons, wobei die bestehenden genutzt und neue angebaut werden.

Barrierefrei durch drei Aufzüge

Vor allem das zweite Obergeschoss des Gebäudekomplexes soll für Wohnungen genutzt werden; außerdem der gesamte von der Egerer Straße abgewandte Gebäudeteil mit Blick zur Schwanenwiese und zur Basilika. "Barrierefreies Erreichen der Wohnungen ist gewährleistet über die drei vorhandenen Aufzüge", informierte Sommer. Im hinteren Bereich sind, wie es hieß, auch Tagespflegeeinrichtungen vorgesehen.

Sommer ergänzte, dass auch die ehemalige Küche zu Wohnungen umgebaut werden soll - mit der ehemaligen Rettungszufahrt als separate Zugänge. „Das ist ideal für Leute, die nicht mehr so gut zu Fuß sind." Wichtig war für Sommer zu erwähnen, dass die frühere Krankenhauskapelle als Gebetsort bestehen bleibt. Ebenfalls zu Wohnungen werden soll die frühere Cafeteria.

Arztpraxen im ersten Obergeschoss

Das Konzept sieht ferner im Erdgeschoss Einzelhandelsgeschäfte vor, ebenfalls eine Apotheke. Dazu wären aber noch Verhandlungen nötig. "Wir sind vielfach in Gesprächen", so Sommer über die Branchen, die sich im ehemaligen Krankenhaus ansiedeln könnten. Dies hänge auch immer davon ab, welche Ärzte sich in das Gebäude einmieteten.

Im ersten Obergeschoss sind nach jetzigem Stand entlang der Egerer Straße Arztpraxen vorgesehen. "In diesem Bereich sind die medizinischen Nutzungen fest vergeben", so Sommer ergänzend. Auch das Labor, das im Moment als solches genutzt wird, werde dort bleiben.

50 Parkplätze ausgewiesen

Als "städtebaulich große Verbesserung" bewertete Bernd Sommer das mit dem Investor abgestimmte Konzept. "Der Bedarf ist da", so der Bürgermeister über den entstehenden, so wörtlich, "1a-Wohnraum". "Ist das nicht etwas knapp bemessen?", wandte Ausschuss-Mitglied Angela Baumgartner im Hinblick auf die ausgewiesenen 50 Parkplätze ein.

"Das sind die zurzeit vorhandenen", erklärte dazu Bauamtsleiter Markus Härtl. Es stünde aber noch ausreichend Platz für weitere Stellflächen zur Verfügung, etwa auf dem früheren Helikopter-Landeplatz. "Die Egerer Straße packt schon einiges", ergänzte zudem Bürgermeister Sommer und erinnerte an "Krankenhaus-Zeiten". Da hätten Besucher und Beschäftigte auch ausreichend Parkplätze rund um das Gebäude gefunden.

Warnung vor Leerständen

"Rettungswege sind auch immer ein Thema", hinterfragte Jörg Wifling einen für ihn wichtigen Aspekt. Markus Härtl antwortete, dass dies geprüft werde; der Bauherr müsse auch Fluchtwege und Treppen nachweisen. "Das müssen wir an dieser Stelle nicht zwingend beurteilen", verwies der Bauamtsleiter auf die Zuständigkeit des Landratsamts.

"Das Gebäude verfügt über mehrere Treppenhäuser", wandte Bürgermeister Sommer ein und erinnerte, dass bei Umbauten vor einigen Jahren dies immer wieder geprüft worden sei. "Nachdem sich die Zuschnitte sich nicht groß ändern, kann man davon ausgehen, dass es passt." Rettungswege dürften deshalb kein großes Problem sein. Aber auch die Architekten hätten sich darüber schon Gedanken gemacht.

"Nicht, dass wir da Leerstände in der Innenstadt bekommen", befürchtete Harald Hertel in seiner Wortmeldung, dass Geschäftsleute ihre Läden einfach in das neue Domizil im Krankenhausgebäude verlagerten. Auch dazu hatte Sommer spontan eine Antwort: Im Moment würden mit dem Einzelhandel, der sich für die Flächen an der Egerer Straße beworben habe, keine Geschäfte aus der Innenstadt verschwinden.

Schon im Frühjahr zeichnete sich ab, dass das Krankenhaus weiterhin Gesundheitseinrichtung bleibt

Waldsassen
Hintergrund:

Umbau auch parallel zum Betrieb im Impfzentrum und im Testzentrum

  • "Wir haben 0,4 Tage gebraucht, um das abzuarbeiten", sagte Bürgermeister Bernd Sommer: Zu Beginn der Woche war der Antrag für den Umbau des ehemaligen Krankenhauses im Rathaus eingegangen. Im Bauamt war die Vorlage noch für die aktuelle Juli-Sitzung am Montag bearbeitet und ein "Rekord" aufgestellt worden, wie Sommer sagte - und darauf gespannt war, wie lange nun die Baubehörde am Landratsamt für die Bearbeitung braucht.
  • Im Gespräch erklärte Bernd Sommer aber auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, dass die Prüfung des Vorhabens bis zur Genehmigung wohl einige Monate in Anspruch nehmen könnte; im Herbst voraussichtlich könnte dann der Umbau beginnen.
  • Das frühere Krankenhaus-Gebäude an der Egerer Straße wird im Moment im Zusammenhang mit der Pandemie intensiv genutzt. Das BRK hat im hinteren Bereich zur Parkanlage Schwanenwiese hin eine Teststation eingerichtet. Im Erdgeschoss an der Egerer Straße betreibt das BRK das Impfzentrum für den Landkreis Tirschenreuth.
  • Aktuell laufen bereits Überlegungen, wie sich die momentane Nutzung mit den Umbauplänen verträgt - vor allem dann, wenn das Rote Kreuz die beiden Einrichtungen noch über längeren Zeitraum betreiben muss. Wie es heißt, sollte eine Bautätigkeit parallel zum Betrieb im Impfzentrum und im Testzentrum bei einer abgestimmten Planung kein größeres Problem darstellen.
Die frühere Rettungszufahrt soll als barrierefreier Zugang zu den Wohnungen dienen.
Im Untergeschoß des zurückgesetzten Gebäudetrakts des früheren Krankenhauses ist zurzeit das Testzentrum untergebracht.
Mit dem ehemaligen Krankenhaus in Waldsassen hat der Investor große Pläne.

"Nicht, dass wir da Leerstände in der Innenstadt bekommen."

Harald Hertel

"Ist das nicht etwas knapp bemessen?"

Angela Baumgartner über die 50 ausgewiesen Parkplätze

"Barrierefreies Erreichen der Wohnungen ist gewährleistet über die drei vorhandenen Aufzüge."

Bürgermeister Bernd Sommer

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.