Waldsassen
24.09.2018 - 15:34 Uhr

Kunstwerk Gottesdienst

Montags und dienstags ist Thomas Vogl in aller Regel nicht im Dienst: Der Stadtpfarrer ist von der Diözese frei gestellt ‒ für die Arbeit an seiner Promotion. Der Theologe gewährt einen Einblick in sein wissenschaftliches Wirken.

Über seine Doktorarbeit informierte Stadtpfarrer Thomas Vogl jetzt bei einem Vortragsabend im Jugendheim. Bild: kgg
Über seine Doktorarbeit informierte Stadtpfarrer Thomas Vogl jetzt bei einem Vortragsabend im Jugendheim.

Vor einem stattlichen Zuhörerkreis im Jugendheim-Festsaal informierte der Stadtpfarrer über seine Doktorarbeit. "Stimmung und Atmosphäre in Gottesdienst und Predigt" - so der Titel. "Das ist alles andere als selbstverständlich", sagte Vogl. Seit gut vier Jahren sei er zu Beginn der Woche nicht präsent. Von Mitarbeitern und Pfarrangehörigen werde dies "geduldig mitgetragen", so Thomas Vogl - nach der Begrüßung durch Werner Hahn, dem Vorsitzenden der Kolpingsfamilie. Deren Mitglieder waren da, außerdem die der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) sowie des Katholischen Frauenbunds mit der Vita-Gruppe und weitere Pfarrangehörige. Aufmerksamkeit und Interesse wecke das Thema, wenn er danach gefragt werde, so Vogl. "Aber worum geht es da genau?" Den Inhalt der 240 Seiten verpackte Vogl in sein gut eineinhalb Stunden dauerndes Referat. "Stimmung" beziehe sich auf Menschen, "Atmosphäre" auf Umgebung. "Aber was hat das alles mit Theologie zu tun?" Vogl zeigte Bezugspunkte zur liturgischen Praxis auf. Gottesdienst und Predigt seien wesentliche Elemente der Seelsorge. Stimmung und Atmosphäre beeinflussten das Erleben der Liturgie. Die Basilika habe eine besondere Atmosphäre. "Das können Sie bestätigen und Sie wissen, was damit gemeint ist." Über Gottesdienst und Predigt werde Kirche wahrgenommen. Diese müsse den Qualitäts-Begriff einarbeiten. "Wenn etwas nicht stimmt, ist die Stimmung schnell dahin", so der Stadtpfarrer. Er unterstrich die Bedeutung der Kirchenmusik, der von Lektoren und Ministranten. Gottesdienst sei kein Schauspiel. "Aber es gilt die alte Lehre, die die Liturgie als heiliges Theater bezeichnet." Vogl sprach von einem "Kunstwerk Gottesdienst" - mit dem für die Liturgie Verantwortlichen als Regisseur.

Hintergrund:

Prüfungstermin im Pfarrbrief

240 Seiten umfasst das Werk. Doktorvater von Dekan Thomas Vogl ist der Moraltheologe Professor Dr. Erich Garhammer, Universität Würzburg. Vogl, Sekretär des Priesterrats im Bistum Regensburg, erzählte von einem ersten Anlauf für eine Promotion, 2003 bei Professor Dr. Garhammer. Nach seinem Amtsantritt 2005 als Waldsassener Stadtpfarrer habe er, Vogl, zunächst noch das Projekt fortsetzen wollen und dann verworfen. Pfarrer Vogl sei aber weiterhin in Kontakt gewesen mit seinem Doktorvater. Nach seinem Amtsantritt habe Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Promotion mit der teilweisen Freistellung vom Dienst ermöglicht. "Nach 300 Seiten bin ich endlich zu dem vorgestoßen, was ich brauchen konnte", gab Vogl Einblicke in die "Werkstatt". Dies koste viel Zeit. Vermutungen, wonach der Dekan nach seiner Promotion "Karriere machen und Bischof werden" würde, kommentierte Pfarrer Vogl in seinem Vortrag so: "Das kostet Kraft und Sitzfleisch." Diese Mühen seien so ein Ziel gar nicht wert; es wäre auf anderem Wege leichter erreichbar. Das dritte und letzte Kapitel der Arbeit ist laut Vogl beim Doktorvater abgegeben; dieser werde die Arbeit dann Ende Oktober, Anfang November weiterleiten. Dann erhalte die Arbeit der Zweitkorrektor; danach stehe vor dem Promotions-Ausschuss an der Universität Würzburg die zweieinhalb Stunden dauernde mündliche Prüfung an. "Ich bitte Sie jetzt schon ums Gebet." Vogl will den Termin im Pfarrbrief veröffentlichen. "Ich habe einen Riesenbammel davor."

"Wenn etwas nicht stimmt, ist die Stimmung schnell dahin", sagt Doktorand Dekan Thomas Vogl. Bild: kgg
"Wenn etwas nicht stimmt, ist die Stimmung schnell dahin", sagt Doktorand Dekan Thomas Vogl.
 
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