24.10.2021 - 11:37 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Lärmschutzwände mit mundgeblasenem Glas aus Waldsassen

Vor seinem geistigen Auge sieht Bernd Sommer schon den fließenden Verkehr auf der neuen Bundesstraße. Der Bürgermeister will durch die Verlegung der Fahrbahn aus der Innenstadt heraus auch die Bereiche entlang der Trasse aufwerten.

Solche durch Sanierungsmaßnahmen aufgewertete Ecken wie hier am neuen Cäcilienplatz in der Altstadt wünscht sich Bürgermeister Sommer im Zusammenhang mit der Verlegung der Bundesstraße auch in anderen Ortsteilen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Das ist eben der Unterschied in der Arbeitsweise", nutzt Bernd Sommer im Gespräch mit Oberpfalz-Medien die Gelegenheit zu deutlichen Worten. Der Bürgermeister sieht sich und sein Team im Rathaus als Macher, die Themen in Angriff nehmen. "Als wir festgestellt haben, wir gehen in Richtung Planfeststellungsbeschluss, haben wir unser Versprechen eingelöst."

Die neue Straße werde in die Stadt eingebettet. Und vielleicht, so die Vision, sei die neue Trasse auch Anlass für erhebliche Verbesserungen in der Stadt insgesamt. So etwa könnte bei den Lärmschutzwänden mundgeblasenes Lamberts-Glas zum Einsatz kommen. "Das kann für die Stadt zum Highlight werden."

"Wir kümmern uns darum", sagt Sommer über die Themenliste: Wohnquartiere entlang der neuen Trasse ließen sich parallel zum Bundesstraßen-Neubau gut aufwerten. Die beiden Deckel, unter der die Fahrbahn verläuft, ließen sich besonders gestalten. Auch der Erwerb von Immobilien in der Innenstadt gehöre zu diesem Konzept. "Wir werden Impulse setzen und zeigen wie's geht." Sommer setzt auf den Effekt wie im Altstadtbereich: Dort seien Erfolge sichtbar; private Investoren zögen nach. "Da geben wir Gas und setzen alles um", so Sommer und fügt hinzu: "Das ist der Unterschied, als wenn nur gesagt wird: Ich bin dagegen."

Ausweitung des Sanierungsgebiets

Sommer nennt in diesem Zusammenhang die Ausweitung des Sanierungsgebiets, beschlossen in der Sitzung im September. In gewissen Teilen des Stadtgebiets sei "nicht alles glänzend". Dabei drückt sich Sommer bewusst ganz vorsichtig aus und nennt keine Straßenzüge konkret. Der Bürgermeister rät dazu, ganz bewusst sich die Altstadt anzuschauen, sich 30 Jahre zurückzuerinnern und die Veränderungen dort zu projizieren auf eben jene Viertel mit städtebaulichem Handlungsbedarf. "Da wird es eine positive Veränderung geben, die letztendlich jeder Eigentümer in der Hand hat", so Sommer, auch im Hinblick auf die besonderen Fördermöglichkeiten.

Die Ausweitung des Sanierungsgebiets hat der Stadtrat im September beschlossen

Waldsassen

Im Vorfeld der Stadtratssitzung tritt der Bürgermeister dafür ein, dass die vorgelegte und genehmigte Planung nun flott verwirklicht wird. Dass andere Lösungen gar nicht funktionierten, zeigt Sommer am aktuellen Beispiel in der Innenstadt und fragt: "Was wäre denn, wenn wir eine weiträumige Umgehung bekämen?" Und er fügt hinzu, dass diese ja nicht komme, "weil die Entlastungswirkung zu gering ist". Die gegenwärtige – durch die Baustellen in der Innenstadt verursachte – Situation zeige eindrucksvoll, dass eine weiträumige Umgehung nichts bringe. Denn die Umleitung entspreche in etwa der Route, die von Befürwortern einer, wie es heißt, "echten Umgehung" favorisiert werde. Die Praxis sehe aber ganz anders aus.

Weiträumig funktioniert nicht

"Wir bitten unsere Tschechen, über Münchenreuth zu fahren", schildert Sommer die Theorie. "Schöne Strecke, gut befahrbar, einige Minuten länger Fahrzeit." Die Nachbarn aber folgten der Empfehlung nicht. "Die testen, ob sie durch Waldsassen fahren können und fahren dann auch durch." Der ganze Verkehr, der im Moment einspurig durch die Egerer Straße sowie über die provisorische Straße auf dem Bahndamm und über die Baumeister-Emil-Engel-Straße verläuft, fließe weiter durch Waldsassen.

"Wir haben jetzt die Situation, die dann eintreten würde, hätten wir nicht die Straße, wie sie jetzt geplant ist." Dabei unterstreicht Sommer, dass sich an der aktuellen Situation kaum etwas ändern würde: "Oberirdisch, klein ausgebaut, ohne Lärmschutz und mit Kreuzungsbereichen." Die Leute seien jetzt schon nicht begeistert von der Situation. "Ich sage: Der Verkehr wäre in der Stadt, wir würden keine Entlastung bekommen." Denn eine weiträumige Umgehung würde nicht angenommen von den Verkehrsteilnehmern.

Behinderungen ähnlich wie jetzt

Ängste in der Bevölkerung, wonach das Bauprojekt den Einzelhandel in der Innenstadt ruiniert, tritt Sommer ebenfalls mit Argumenten entgegen. "Die Baustelle ist schon ein Aufwand", räumt der Bürgermeister ein. "Es wird aber nicht die ganze Zeit an jeder Stelle gebaut." Wenn keine Klage käme, gebe es Grund zur Hoffnung auf einen Baubeginn im nächsten Jahr. "Erstes Bauwerk wäre die Brücke an der Schirndinger Straße." Damit ergäben sich kaum Beeinträchtigungen für Geschäfte in der Innenstadt. Behinderungen seien mit den Trogbauwerken verbunden; diese könnten aber mit Bypässen umgangen werden. "Eng wird es dann in der Schützenstraße", räumt Sommer ein; doch die Behinderungen seien dann wohl ähnlich wie jetzt.

Sommer unterstreicht, dass das Geld für das Vorhaben bereit stehe. "Wir sind im vordringlichen Bedarf", so Sommer über das Projekt. Veränderungen im Bundesverkehrswegeplan, etwa im Zusammenhang mit einer Regierung mit anderen Schwerpunkten beim Ausbau von Verkehrswegen, seien ein Prozess von ein, zwei Jahren. "Da sehe ich keine größeren Themen auf uns zukommen."

Denn im Nachklang der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schließung der bayerisch-tschechischen Grenze sei selbst in Berlin verstanden worden, "wo Waldsassen liegt", stellt Sommer die Bedeutung als Nahtstelle zu Tschechien heraus. Es sei in der Hauptstadt erkannt worden, "dass hier Verkehr fließt und dass hier noch jemand lebt". Insgesamt freut sich Sommer, dass es nun endlich losgehen könnte mit der Verlegung der Bundesstraße, heraus aus der Innenstadt. "Ich sehe die Chance, dass wir endlich ins Machen kommen."

Zur Stadtratssitzung hat die SPD-Fraktion einen Antrag eingereicht

Waldsassen
Dass weiträumige Umfahrungen kaum Entlastungswirkung zeigen, wird nach Ansicht von Bernd Sommer aktuell bei den Baustellen in Waldsassen deutlich. "Wir haben jetzt die Situation, die dann eintreten würde, hätten wir nicht die Straße, wie sie jetzt geplant ist."
Hintergrund:

Planfeststellungsbeschluss und weitere Themen

  • In der öffentlichen Sitzung des Stadtrats am Montag, 25. Oktober, ab 17 Uhr steht der Planfeststellungsbeschluss für die Verlegung der Bundesstraße 299 auf der Tagesordnung. Besucher müssen sich zwingend anmelden, per Mail unter vorzimmer.bgm[at]waldsassen[dot]de oder telefonisch unter 09632/88-112.
  • Beraten wird auch über einen neuen Abrechnungsmodus bei der Straßenreinigung.
  • Außerdem wird das Kommunale Förderprogramm für, wie es heißt, "private Gebäudesanierungs- und Umfeldgestaltungsmaßnahmen" neu gefasst.

"Ich sage: Der Verkehr wäre in der Stadt, wir würden keine Entlastung bekommen."

Bürgermeister Bernd Sommer über eine weiträumige Umgehung

Bürgermeister Bernd Sommer über eine weiträumige Umgehung

 

 

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