05.01.2021 - 09:47 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Millionenförderung für Kloster Waldsassen

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Eine Förderung in Höhe von 4 Millionen Euro aus Bundesmitteln erhält das Kloster Waldsassen. Äbtissin Laetitia Fech konkretisiert, wofür sie das Geld verwenden will. Im Gespräch erwähnt die Ordensfrau einen besonderen Deal.

Äbtissin M. Laetitia Fech ist froh über die Förderzusage aus Berlin. Den endgültigen Bescheid erwartet die Ordensfrau im Frühjahr.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Das Kloster Waldsassen erhält aus dem Etat des Bundeskanzleramts eine Förderung von 4 Millionen Euro. "Das war für mich wie Weihnachten und Ostern auf einmal", freut sich Äbtissin Laetitia Fech im Gespräch mit Oberpfalz-Medien über die Mitteilung aus Berlin. Schriftlich hat das Kloster noch nichts über den Geldsegen. Der Bescheid ist zwischen März und Mai angekündigt. Bis dahin müsse man sich aber keine Sorgen machen, so die Information, als sich die Äbtissin nach dem Beschluss Ende November nochmals telefonisch erkundigt hatte. "Es ist politisch gewollt."

Die Äbtissin will das Geld für die weitere Entwicklung der Klosteranlage verwenden: Gartenschulhaus, Orangerie und Bibliothek nennt die Klosterchefin dabei. Kosten und zeitliche Planungen gibt es noch nicht. Doch die Ordensfrau weiß nun, dass sie sich an die nächsten Vorhaben heran wagen kann. Dabei erzählt sie von einem Deal mit dem heiligen Joseph. Der fungiert für die Ordensfrau als persönlicher Finanzminister.

Gebet zum Finanzminister

"Wenn du mir hilfst, dass ich vom Bund die Mittel bekomme, dann ist das für mich ein Zeichen des Himmels, dass ich dieses Projekt noch weiter verfolgen soll", verrät die Zisterzienserin von ihrem Gebet an ihren Fürsprecher in finanziellen Angelegenheiten. Ihm sei auch eine Alternative angeboten worden: "Wenn das nicht klappt, dann gehe ich es nicht mehr an."

"Es sieht gut aus", so die Äbtissin über das Zwischenergebnis. "Damit habe ich die Basis, auf der ich weitere Verhandlungen führen kann." Die 4 Millionen Euro Bundesmittel sind, zusammen mit dem Geld aus der Städtebauförderung, der Grundstock des Finanzierungsplans für die weiteren Vorhaben.

Ruinen nicht verwalten

"Man agiert vorsichtiger", sagt sie im Hinblick auf die Finanzierung derartiger gewaltiger Projekte und die Erfahrungen in der Vergangenheit. "Die Generalsanierung war absolut notwendig. Das Gästehaus absolut notwendig, weil das Kloster keinerlei Einnahmen hatte", sagt die Äbtissin im Rückblick.

"Aber Ruinen verwalten ist auch keine Lösung", spricht die Ordensfrau mit einem Augenzwinkern über ihre Verantwortung für die Anlage und freut sich über das sanierte Mühlenviertel. Durch Gottes Fügung sei es gelungen, "dass wir dort unten die Gebäude mit Leben erfüllen konnten".

Umweltstation dritter Anlaufpunkt

Das Haus St. Gertrud mit dem Übergang zur Mühlbachgasse und die künftigen Projekte der Stadt seien eine absolute Aufwertung nicht nur fürs Kloster, sondern für die ganze Stadt Waldsassen. "Ein bisschen sehe ich so auch die Umweltstation." Wenn Auswärtige nach Waldsassen kommen, seien nach Basilika und Bibliothek das Kultur- und Begegnungszentrum und die Umweltstation der dritte Anlaufpunkt.

Nächster Schritt sei nun die Kostenermittlung. "Jetzt kommt wieder die Übung, wie wir das halt gewohnt sind", spricht die Ordensfrau aus Erfahrung: "Die Äbtissin muss wieder auf Betteltour gehen, um die übrigen Mittel über verschiedene weitere Fördertöpfe zu bekommen", sagt die Chefin der Abtei über sich selbst und nennt etwa das Umweltministerium.

MdB Karl und MdB Rupprecht

Gut sei aber zunächst, dass die Hälfte des benötigten Betrags fest zugesagt sei. Dankbar ist die Äbtissin, dass Bundestagsabgeordneter Alois Karl vermittelt hat und die Förderung durch den Bund angestoßen und sich für Waldsassen eingesetzt hat. Zusammen mit MdB Albert Rupprecht war dann erreicht worden, dass das Kloster die Bundesmittel erhält.

Ende November wurde in Berlin die Bereitstellung der Fördermittel beschlossen

Waldsassen

"Der Bürgermeister strahlt von einem Ohr zum anderen, weil das Gartenschauprojekt jetzt doch umgesetzt werden kann", freut sich die Äbtissin mit Bernd Sommer, dass nun Planungen im Zusammenhang mit der Bewerbung zur Gartenschau verwirklicht werden können. Schon damals hatte der Konvent beschlossen, dass er einen Teil des Klostergartens für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. "Das ist eine große Bereicherung für die Bevölkerung von Waldsassen."

Letzter Mühlenviertel-Bauabschnitt

Nichts mit den künftigen Projekten zu tun hat die Neugestaltung der Parkflächen an der oberen Brauhausstraße. Die Arbeiten sollen voraussichtlich im Februar 2021 beginnen und gehören noch zur Neugestaltung des Mühlenviertel-Areals mit dem Haus St. Gertrud. Hinter der Klostermauer sollen die früheren Hausmeister-Werkstätten abgebrochen werden.

Dort entsteht dann ein weiterer Teil der 90 Stellplätze, die die Abtei für die Mädchenrealschule, die Umweltstation und für das Gästehaus St. Joseph nachweisen muss. Ein Teil der Stellplätze entsteht auch auf dem Festplatz. Der soll bekanntlich über einen Steg über die Wondrebaue zur Brauhausstraße angebunden werden.

Hintergrund:

Gartenschulhaus, Orangerie und Bibliothek

  • Das Gartenschulhaus ist 1910 errichtet worden. "Die Fenster sind undicht, die Heizung funktioniert nicht." Das Gebäude ist Sitz der Umweltstation und der Geschäftsstelle des Kultur- und Begegnungszentrums Abtei Waldsassen. "Die sitzen im Winter mit dem Anorak im Büro."
  • Daneben soll in der Fortsetzung des Gartenschulhauses eine Orangerie errichtet werden, wie es sie schon früher im Klostergarten gegeben hat.
  • Ein drittes Projekt ist der Bibliothekssaal: Statisch wäre der wohl schon gesichert, erinnert die Äbtissin daran, als bei der Generalsanierung des Klosters unterm Boden Sicherungsanker eingezogen worden waren. Noch nicht saniert sei dagegen die Raumschale; außerdem müsse das barocke Kleinod zukunftsorientiert ausgerichtet werden, was die touristische Bedeutung betrifft.
  • Dann wäre noch die Klostermauer: Die Äbtissin schätzt, dass für deren Sanierung alleine 1,5 Millionen Euro fällig werden dürften.
Das Gartenschulhaus im Naturerlebnisgarten des Klosters, davor der in das Gartenschau-Konzept eingebundene Bereich.
In die künftigen Vorhaben im Zusammenhang mit der Förderung des Bundes einbezogen ist auch der Bibliothekssaal.

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