08.06.2018 - 14:35 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Mühlenviertel ändert täglich sein Gesicht

Fensterbauer und Estrichleger lassen das Kloster bei der Restaurierung des Mühlenviertels im Stich. Deshalb verlängert sich die Bauzeit um etwa drei Monate. Auf die Kosten hat das aber keinen Einfluss.

Aus der Vogelperspektive lässt sich erahnen: Hier entsteht ein grandioses Bauwerk.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Anfang des Jahres ist der Estrichleger mit der Dämmung fertig und verabschiedet sich ohne Vorwarnung von der unvollendeten Baustelle. Bereits Ende vergangenen Jahres verschwinden die Fensterbauer auf Nimmerwiedersehen. Weil der Winter sich mit ganzer Kraft zeigt, müssen die offenen Bereiche mit Brettern verschlagen und so weit wie möglich provisorisch abgedichtet werden. Denn nur so kann der Innenausbau fortgesetzt werden.

"Restauro-Glas"

Die Äbtissin freut sich, dass in Teilen des Altbaus "Restauro-Glas" der Firma Lamberts zum Einsatz kommt. Dabei handelt es sich um mundgeblasenes Fensterglas, das der Waldsassener Hersteller speziell für Denkmalschutzprojekte entwickelt hat. Einzig im ehemaligen Sudhaus sind die Fenster bereits eingebaut.

Dort zieht als erster der Waldsassener Physiotherapeut Gerhard Grüner mit seiner Praxis, die noch kein Dach über dem Kopf hat, ein. Es fehlen noch die Ziegel, aber das sei kein Problem, weil es schnell erledigt werden könne. Am 3. Oktober wird die Einrichtung im ehemaligen Sudhaus eingeweiht. Der Rest der Anlage ist dann zwar noch Baustelle, aber auf einem guten Weg. Somit kann voraussichtlich im Mai 2019 das komplette Mühlenviertel in neuem Glanz erstrahlen. 40 Jahre lang stand das Areal leer, wurden die Gebäude nicht mehr genutzt und verfielen zusehends, bevor am 6. April 2017 der Spatenstich zur Generalsanierung über die Bühne ging.

Der Mühlenkasten durfte abgerissen werden und ist durch einen Neubau ersetzt worden. Die anderen Gebäude, in der einst die klostereigene Schmiede und das Sudhaus untergebracht waren, sind denkmalgeschützt. Begeistert äußert sich Äbtissin Laetitia darüber, dass künftig ein etwa 400 Meter langer Holzsteg den Großparkplatz mit dem Mühlenviertel verbindet. Er beginnt am Festplatz, wo für die Gäste des Hauses St.-Joseph 40 Parkplätze entstehen. Weitere 24 bietet in der Endausbauphase das Mühlenviertel selbst und noch einmal 20 entstehen hinter der Schreinerei, die auch künftig sporadisch genutzt wird. Die anderen daran anschließenden Werkstätten werden abgebrochen. Dann stört nichts mehr den perfekten Blick aus Richtung Naturerlebnisgarten auf das imposante Ensemble aus Kloster und Mühlenviertel. Der Kostenrahmen für das Bauvolumen von 11,4 Millionen werde nicht überschritten, sagt die Äbtissin. Sie berichtet, dass bisher 5 Millionen Euro verbaut worden sind. Von den bewilligten Fördermitteln seien 3,1 Millionen abgerufen worden. "Von den 1,8 Millionen Euro, die das Kloster selbst aufbringen muss, habe ich 767 500 Euro erbettelt. Ein harter Weg. Der Rest des Eigenanteils wird über die Mieteinnahmen refinanziert."

Neue Kandidatin

"Das hat schon alles Nerven gekostet. Auch wenn es viele nicht glauben - im Kloster geht es zu wie im richtigen Leben", sagt die Äbtissin. Als Glücksfall bezeichnet sie Schwester Sophia, "die ja in ihrem früheren Leben Bauleiterin war und die Branche kennt". Was das eigentliche Klosterleben betrifft, kann die Klosterchefin ebenfalls Positives berichten. "Bald kommt eine neue Kandidatin, die bei uns bleiben will. Und aktuell sind vier Interessentinnen vor Ort, die mal ins Klosterleben hineinschnuppern, um zu sehen, ob das der richtige Weg für ihre Zukunft ist."

Der Dachausbau geht flott von der Hand.
Hier hat der Estrichbauer nicht zu Ende gearbeitet.
Viele Fenster im Altbau bekommen spezielles Lamberts-Glas, das extra für Denkmalschutzprojekte entwickelt wurde.
Äbtissin Laetitia Fech in der alten Schmiede. Die alten Gerätschaften werden hier mit integriert.
Wenn eines Tages die Gerüste verschwunden sind, zieht sich ein Weg durch das Mühlenviertel, der über eine Brücke bis zum Festplatz führt.
Hier entsteht eine Physiotherapie-Praxis.
Hier entsteht eine Physiotherapie-Praxis.
Info:

Bau-Tagebuch

2015 übernahm die damalige Staatsministerin für Digitales, Medien und Europa, Emilia Müller die Schirmherrschaft zur Idee, das Mühlenviertel zu sanieren. Zusammen mit der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) und dem Bezirk Oberpfalz erfolgte der Startschuss. Das Wagnis, nach mehr als 40 Jahren Leerstand die alten Gebäude mit neuem Leben zu erfüllen, begann. Beim ersten Runden Tisch mit möglichen Fördergeldgebern wurden im Juli 2015 die Weichen gestellt. Der neuen Nutzung der ehemaligen Klostermühle und Klosterschmiede mit Brauerei im 21. Jahrhundert stand nun nichts mehr im Weg. Nach dem zweiten Runden Tisch und hartem Verhandeln im August 2016 stand der Finanzierungsplan.

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