17.07.2018 - 11:43 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Naturerlebnis mit Tempo

Die zwei Stunden werden leicht überzogen, um eine Viertelstunde: Matthias und Kerstin Frank wissen mit ihrem Charme die Fachjury derart zu beeindrucken, dass die Besucher die Zeit vergessen. Zuvor gibt es eine Premiere.

Landschaftsarchitekt Raimund Böhringer stellt im Sparkassensaal das Gartenschau-Konzept vor.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

(pz) Der Mitterhof ist die letzte Station der Besichtigungstour, nach einem ausgiebigen Spaziergang - vorbei an der Mühlenviertel-Baustelle, in den Klostergarten und weiter über die Wondreb-Aue zur Schwanenwiese. Seit Montag besucht die Expertenrunde, die über den Zuschlag für die Landesgartenschauen 2024, 2025 und 2026 zu entscheiden hat, die einzelnen Bewerber-Orte.

Sieben sind noch im Rennen. Am Mittwoch sind Weilheim und Kirchheim an der Reihe, am Dienstag Furth im Wald und Dorfen und zum Auftakt am Montag Schweinfurt und Forchheim. Am späten Nachmittag beendet Waldsassen das Tour-Programm. Zwei Stunden sind für den Aufenthalt vorgesehen, doch die Zeit wird nicht ganz reichen.

Ein bisserl wie heimkommen wäre es, sagt Dagmar Voß, als sie in den Sparkassensaal kommt - und dort einige Bekannte trifft, unter ihnen Landschaftsarchitekt Raimund Böhringer. Man kennt sich von der Gartenschau 2006 in Marktredwitz. Stadtratsmitglieder und Vertreter der Verwaltung warten auf die Gäste. Die Mitglieder der Fachjury, unter ihnen Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl, bekommen im Schnelldurchlauf Fakten serviert: Böhringer stellt das Konzept noch einmal vor, spricht in Anbetracht des Konzepts mit der Kooperation von Kloster und Stadt und der grenzüberschreitenden Komponente von einer "wunderbaren Hintergrundmusik" für die Gartenschau. Die Bewerbung werde getragen von einem Konsens und Engagement der Bevölkerung in der Stadt.

Bürgermeister Bernd Sommer geht auf die Bedeutung Waldsassens und Eger in einem gemeinsamen grenzüberschreitenden Oberzentrum ein. "Das ist kein Papier-Konstrukt."


Nicht "alles schön"

Auch die kritischen Punkte im "Zwischenbescheid" für die Chancen der Bewerber sind ein Thema. "Das hat uns gewundert, ich sag's ganz ehrlich", so Sommer über die geäußerten Zweifel an der, so wörtlich, "Grundstücks-Verfügbarkeit". Denn die Flächen seien auf Dauer öffentlich zugänglich, wie überhaupt Stadt und Kloster in enger Symbiose lebten. Den Einwand, wonach in Waldsassen "schon alles so schön" wäre, lässt Sommer nur bedingt gelten: "Es gibt schon noch Problemfelder."

Ein flammendes Plädoyer für Waldsassen als Gartenschau-Ort trägt Landrat Wolfgang Lippert vor. Er erinnert an die Gartenschau 2013 in Tirschenreuth. "Ich bin jetzt noch begeistert, wenn ich aus meinem Arbeitszimmer schaue", schwärmt der Landkreis-Chef von seinem Ausblick auf den Fischhof-Park. Lippert spricht von Nachhaltigkeit und davon, dass die Gartenschau die Gegend geprägt, das Selbstbewusstsein der Stiftländer gestärkt habe. Bei der Bewerbung der Klosterstadt gebe es durchaus Parallelen zu 2013, sagt Lippert. Er sieht sich als "Fan" einer Gartenschau in Waldsassen und sieht durch sie wichtige Impulse für die Region und für die Stadt.

Die Klostermauer

Beim Rundgang besichtigen die Mitglieder der Fachjury die Elemente des Gartenschau-Konzepts in der Realität: Stationen sind die Mühlenviertel-Baustelle, dann der Klostergarten - konkret die noch nicht gestalteten Flächen. Im Klausurbereich - am Friedhof der Ordensschwestern entlang der Neualbenreuther Straße - ist der schlechte Zustand der Klostermauer deutlich sichtbar.

"Wir können keine Mauern restaurieren und Orangerien bauen", so der Einwand von Regierungsdirektor Wolfram Güthler. Der Leiter des Referats "Landschaftspflege und Naturschutzförderung" schildert unmissverständlich den Anspruch von Gartenschauen - nämlich die Neugestaltung von Grünanlagen und nicht die Sanierung von Gebäuden. Bürgermeister Bernd Sommer antwortet, dass ihm für die genannten Maßnahmen Zusagen der Regierung für Mittel aus der Städtebauförderung vorliegen - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die bezuschussten Objekte in ein Konzept eingebunden sind. Damit komme die Gartenschau ins Spiel.

Dann gibt es eine Premiere: Sr. Sophia M. Schlembach, Cellerarin der Abtei Waldsassen, öffnet zum ersten Mal für Besucher das große Tor in der Klostermauer zur Neualbenreuther Straße hin. Es sei das erste Mal, sagt die Ordensfrau, dass Gäste auf diesem Wege das Klostergelände verlassen dürften. Zuvor muss Sr. Sophia viele Fragen beantworten. Ihr Leben im Kloster interessiert, vor allem das in der Klausur. "Und das Gästehaus?", fragt einer aus den Reihen der Jury. "Das ist mein Arbeitsplatz und Halbklausur", sagt die Zisterzienserin und fügt augenzwinkernd hinzu: "Tagsüber muss ich arbeiten wie jedes andere sterbliche Volk."

Grundstücks-Verfügbarkeit

Es geht weiter über den Wondreb-Steg. Dort ein kurzer Halt, mit dem Blick über die Wondreb-Aue in Richtung Mitterhof. Von dort soll eine alte Verbindung rekonstruiert werden, "ein Traum von Weg", wie der Bürgermeister sagt. Wieder geht es um die "Grundstücks-Verfügbarkeit": Dagmar Voß möchte dazu Einzelheiten wissen. 10 Prozent, erklärt Sommer, seien im Privatbesitz. Die anderen Flächen gehörten der Stadt, dem Kloster, dem Staatsforst. Die privaten Grundstücke könnten verkauft oder langfristig zur Verfügung gestellt werden.

Durch die Parkanlage Schwanenwiese marschiert die Gruppe zum Johannisplatz, wo der Bus wartet. Der bringt die Delegation zum Mitterhof. Dort warten Matthias und Kerstin Frank auf die Besucher. Beide präsentieren das Konzept auf dem Hof - mit der Straußen-Zucht und der sozialen Landwirtschaft - ein Projekt, das in einem besonders maroden Gebäudeteil etabliert werden soll.

Bilder vom Rundgang

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