Die Tourismusregion Oberpfälzer Wald enorm aufwerten könnten in den nächsten Jahren die Eric-Frenzel-Trails – kurz EFTs. Vor diesem Hintergrund zog Bernd Sommer bei der Präsentation der Machbarkeitsstudie im Waldsassener Rathaus Parallelen zum Aktienhandel. "Die ganze Welt investiert in ETFs", so der Bürgermeister und Vorsitzende der Ikom Stiftland und fügte süffisant hinzu: "Wir investieren in EFTs."
Der "Ausnahmesportler, Bundestrainer und einfache Mensch Eric Frenzel", so Sommer, ist Wegepate für 19 Rundwanderstrecken in der nördlichen Oberpfalz. Die für Halbtages- und Tagestouren geeigneten Trails sind zwischen 10 und 20 Kilometer lang und liegen in den Landkreisen Tirschenreuth und Neustadt/WN.
Getragen wird das Vorhaben von den Zweckverbänden Ikom Stiftland und ILE Naturparkland aus dem Nachbarlandkreis Neustadt/WN. Ikom-Geschäftsführer Wolfgang Kaiser wies darauf hin, dass die Machbarkeitsstudie mit einem Projektvolumen von 125.000 Euro von den kommunalen Verbänden finanziert und mit 60 Prozent durch das Amt für Ländliche Entwicklung gefördert worden ist.
Klangvolle Namen
Eric-Frenzel-Trails entstehen in einem Gebiet, das sich von Nord bis Süd auf 75 Kilometer und von West nach Ost auf 25 Kilometer erstreckt. Alle Touren sind nicht nur mit einfachen Buchstaben- und Zahlenkombinationen bezeichnet, sondern tragen besondere Namen mit dem jeweiligen Bezug zur Route – etwa "Waldsassener Glockenklang". "Wir haben tatsächlich die Glocken des Klosters gehört, als wir ihn gelaufen sind", verriet Simone Reintgen im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Die Route "Bärnauer Birkenblatt" heißt deswegen so, weil sie an der 800 Meter langen Birkenallee startet und die Route auf der Karte tatsächlich einem Birkenblatt ähnelt.
Architektin Simone Reintgen ist eine der Projektverantwortlichen, die sich um infrastukturelle Dinge wie die Parkplätze und die Namen der Routen kümmerte. Bei der Entwicklung wirkte ebenfalls Helena Stein mit. Die Beraterin für digitale Konzepte im Wandertourismus informierte über den Einfluss der Digitalisierung vor, während und nach der Wanderung.
"Das Projekt entstand auf der Terrasse bei sommerlichen Abenden bei den Frenzels", erzählte Stephan Peplies. Der Unternehmensberater für regionale Wirtschafts- und Tourismusförderung unterstützt 60 internationale Weltklasseathleten bei der Öffentlichkeitsarbeit, darunter auch seit 20 Jahren Eric Frenzel.
Vorbereitung mit Konfliktpotenzial
"Das macht mich schon ein bisschen stolz, dass das schon so weit ist", sagte Frenzel bei der Präsentation über den aktuellen Stand der Entwicklung. 19 Rundwanderwege mit durchaus sportlichem Anspruch haben die "Macher" erarbeitet. "Das ist kein Prozess, der drei Tage dauert", so Simone Reintgen. "Wir haben es geschafft, dass wir alle Beteiligten im Gespräch halten", erzählte die Architektin von der Vorbereitung mit verschiedenen Verantwortlichen und dem daraus entstehenden Konfliktpotenzial.
Dass es sich bei den Trails um authentische Trainingsstrecken des mehrfachen Olympiasiegers und Weltmeisters in der Nordischen Kombination handelt, wurde bei der Präsentation der Machbarkeitsstudie im Waldsassener Rathaus mehrfach betont. Auch Frenzel bestätigte dies gegenüber Oberpfalz-Medien: "Waldsassen lag auf dem Weg nach Oberwiesenthal, da habe ich hier nach Möglichkeiten gesucht."
Frenzel erzählt im Gespräch, dass er sowohl auf dem Rad als auch "zu Fuß" trainiert hat, "weil es als Grundlagenmittel für das Herz-Kreislaufsystem das effektivere war". Zwischen 2000 und 2500 Kilometer jährlich ist Frenzel in der aktiven Zeit gelaufen, "plus die Kilometer auf dem Rollski". Daneben standen Skispringen, Blocktraining und Krafttraining auf dem Plan.
Oberpfälzer und Erzgebirgler
"Man versucht sich weiterhin fit zu halten", erzählt er über seine aktuelle Situation – mit drei Kindern und vielen Aktivitäten zu Hause und in der Freizeit. "Wir wandern sehr gerne. Das ist etwas, wo wir alles gemeinsam machen können."
"Erzgebirgler und Oberpfälzer sind vom Typ her ähnlich – naturverbunden und sportaffin", so Eric Frenzel. Der 36-Jährige ist in Annaberg-Buchholz geboren und wohnt in Flossenbürg mit seiner Familie. "Ich habe viel Unterstützung erfahren", so der Bundestrainer über seine sportliche Entwicklung. Als Wanderpate für die Eric-Frenzel-Trails möchte er davon wieder etwas zurückgeben.
Die Verbindung von Frenzels Geburts- und Wohnort soll ein Tandemprojekt symbolisieren: Im Erzgebirge ist ein Schwesterprojekt mit 18 Eric-Frenzel-Trails geplant. Beide Regionen fördern und vitalisieren sollen die Premiumwanderwegenetze, so Peplies. Er nannte dazu konkrete Beispiele anderer Wanderregionen mit einem Besucheraufkommen im sechsstelligen Bereich nach fünf bis sechs Jahren.
Finanzieller Einsatz lohnt sich
Dabei verwies Peplies auch auf "Sekundäreffekte" entlang der Routen. "Das muss nicht immer ein Hotel sein", so der Berater und nannte etwa kleinere Angebote entlang der Routen, die diese bereicherten, etwa einen Honigverkauf.
"Wir müssen groß denken, aus der Sicht des Kunden und Gastes", so Bürgermeister und Ikom-Vorsitzender Bernd Sommer über die Kosten von rund 400.000 Euro. In spätestens zehn Jahren habe sich der Aufwand gelohnt.
Bürgermeister und ILE-Vorsitzender Robert Lindner aus Floß begrüßte die Landkreisgrenzen überschreitende Initiative zur Tourismusförderung. "Die Highlights haben wir schon, wir müssen sie nur noch nach außen tragen", unterstrich Bürgermeister Thomas Meiler aus Flossenbürg, wo die Familie Frenzel wohnt.
Eric-Frenzel-Trails im Oberpfälzer Wald
- Kosten: Ersteinrichtung für 19 Trails rund 260.000 Euro (Parkplätze mit Fahnen, Wegweisern, Schilder und Wegweiser mit einheitlichem Erscheinungsbild), weitere 130.000 Euro für Erstausstattung Marketing; rund 30.000 Euro für Zertifizierung. Jährliche Kosten für Betrieb und Instandhaltung rund 35.000 Euro
- Finanzierung: Durch Gemeinden in beiden Zweckverbänden; Fördermöglichkeiten über EU- und bayernweite Förderprogramme
- Zeitplan: Beschlüsse in den Gremien der Kommunen voraussichtlich im Herbst 2025, danach schrittweise Umsetzung

















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