24.01.2021 - 09:49 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Neue Mietwohnungen in zentraler Lage von Waldsassen

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Der Leerstand ist schon lange kein Schmuckstück mehr. Der Wohnblock in der Adalbert-Stifter-Straße in Waldsassen soll abgerissen werden. Nun sollen an gleicher Stelle neue Wohnungen entstehen – für eine spezielle Klientel von Mietern.

Seit vielen Jahren leer steht das Mehrfamilienhaus an der Adalbert-Stifter-Straße 2 und 4. Entgegen früherer Konzepte sind der Kinosaal und der Zwischenbau (rechts) nicht mehr in die Planungen für ein mehrstöckiges Wohnhaus einbezogen.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

In der Adalbert-Stifter-Straße sollen in zentraler Lage 18 Mietwohnungen errichtet werden, zwischen 50 und 110 Quadratmeter groß. Für das Vorhaben wird das bestehende Mehrfamilienhaus abgebrochen. Es steht seit Jahren leer und war im vergangenen Jahr von der Kewog erworben worden.

Inzwischen ist die Projektkonzeption gegenüber früheren Versionen verändert worden. Ursprünglich war die Fläche mit dem alten Kino – es steht zwischen Mehrfamilienhaus und dem Hotel-Gasthof „Bayerischer Hof“ als eigenes Gebäude – in die Planungen mit einbezogen.

Davon ist die Stadt aber im Einvernehmen mit dem Inhaber des Gastronomiebetriebs und des Kinosaals samt Zwischenbau wieder abgerückt. Bürgermeister Bernd Sommer berichtet davon, dass nach Gesprächen mit der Familie Sperber umgeplant wurde.

900 Quadratmeter

Wenn die Familie Sperber Grund für das Projekt abgegeben hätte, wären sehr stark die künftigen Entwicklungsmöglichkeiten des Hotel-Gasthofs eingeschränkt worden. Dies bestätigt auch auf Anfrage von Oberpfalz-Medien Wolfgang Sperber. Von seinem Grundstück, rund 1600 Quadratmeter groß, wären für das Vorhaben 900 Quadratmeter benötigt worden. "Der Saal ist nicht baufällig", so der Eigentümer über das Gebäude, das er als Lager für seinen Hotel- und Gastronomiebetrieb nutzt.

"Der Stadtrat hat entschieden, nur die Wohnhäuser 2 und 4 einzubeziehen", so Sommer über die aktuellen Planungen an der Adalbert-Stifter-Straße. Damit werde das Projekt kleiner als zuerst vorgesehen. Ausdrücklich unterstreicht Sommer, dass es sich bei dem Projekt nicht um Sozialen Wohnungsbau handelt: Es kommt bei dem Vorhaben die zweite Säule des Bayerischen Wohnbau-Förderungsprogramms ins Spiel.

Höhere Einkommensgrenzen

"Wir dürfen eigene Kriterien festlegen, wer dort einziehen darf", erläutert Sommer einen wesentlichen Unterschied zum Sozialen Wohnungsbau. Denn für derartige Wohnungen müssten Mietinteressenten einen Wohnberechtigungsschein vorlegen; dieser sei aber an harte Einkommensgrenzen gebunden. "Diese dürfen wir hier höher legen."

"Wir dürfen eigene Kriterien festlegen, wer dort einziehen darf."

Bürgermeister Bernd Sommer

Bürgermeister Bernd Sommer

Die künftigen Wohnungen in der Adalbert-Stifter-Straße sind für Mieter gedacht, die ihr Leben lang gearbeitet haben, 1200 Euro Rente erhalten und damit aber keine Sozialwohnung bekommen, "obwohl die eigentlich sehr schön und günstig wären", so Sommer etwa über die Angebote auf der gegenüberliegenden Seite der Adalbert-Stifter-Straße. Die Stadt Waldsassen möchte nun die Einkommensgrenzen erhöhen und damit erreichen, "dass diese Leute endlich auch an schöne neue Wohnungen kommen".

Im Komplettpaket

Dem aktuellen Zeitplan zufolge soll ein Ingenieurbüro im Januar und im Februar die Ausschreibung vorbereiten. "Ich liebäugle damit, dass wir das Komplettpaket ausschreiben, vom Abbruch bis zum Neubau", benennt Sommer seine Vorstellungen, wie die Verwirklichung des Projekts aussehen soll.

Wenn der Bagger, so Sommer, erst einmal vor Ort sei, "geht's durch", formuliert der Bürgermeister die nahtlose Abfolge der einzelnen Abschnitte. Sommer wünscht sich den Baubeginn "hoffentlich", wie er sagt, im nächsten Jahr; im laufenden könnten Planung und Ausschreibungen erledigt werden. Im ausgehenden Jahr 2023 könnten dann die ersten Wohnungen bezogen werden. Dies sei, so der Bürgermeister, ein durchaus ehrgeiziger Plan. "Aber wir wollen es schon sportlich halten."

Einstelliger Millionenbetrag

Im Hinblick auf die Kosten geht Sommer wegen der verkleinerten Variante von einer Reduzierung gegenüber früheren Schätzungen aus; dennoch werde das Vorhaben einen einstelligen Millionenbetrag in Anspruch nehmen. Bei der Finanzierung hat der Bürgermeister auch die Stabilisierungshilfen in Verbindung gebracht.

Wenn diese finanzielle Hilfe künftig ausbleibe, könnten Projekte wie das Wohngebäude nicht verwirklicht oder müssten aufgeschoben werden, fürchtet Sommer. Dann hätten andere Vorhaben, wie der Bau des Kindergartens, oder Investitionen in die Infrastruktur als absolute Pflichtaufgaben Vorrang. "Auch wenn Wohnungen wichtig wären: Für die bleibt dann kein Geld mehr übrig", schildert Sommer das schlimmste Szenario.

Bereits im Sommer 2020 kündigte Bürgermeister Bernd Sommer das Projekt an

Waldsassen
Der Bestand an der Adalbert-Stifter-Straße in Waldsassen.
Erste Entwürfe zeigen die Lage des künftigen Mehrfamilienwohnhauses an der Adalbert-Stifter-Straße. Am linken Bildrand die vorhandene Bebauung – der Gasthof „Bayerischer Hof“ mit dem anschließenden Kinosaal und dem Zwischenbau.
Hintergrund:

Für Leute mit einer Durchschnittsrente von 1200 Euro

Bürgermeister Bernd Sommer hat konkrete Vorstellungen, wie die künftigen Neubau-Mietwohnungen belegt werden sollen.

  • Die ältere Generation mit einer Durchschnittsrente von 1200 Euro erhält keinen Wohnberechtigungsschein. Sozialwohnungen für 4,30 Euro Miete pro Quadratmeter können nicht genutzt werden.
  • Andere schöne Wohnungen, die so hergerichtet sind wie die Sozialwohnungen, sind nach den Worten von Bürgermeister Bernd Sommer vielfach gar nicht auf dem Markt. Das Problem: „Wer sich etwas leisten kann, der hat etwas. Und wer wenig hat, kann die Angebote ebenfalls nutzen. Aber die Leute zwischendrin, die auch eine schöne Wohnung wollen, die fallen durch."
  • Vor diesem Hintergrund trifft nach Einschätzung von Bernd Sommer das Wohnbauprogramm genau den Bedarf in Waldsassen. "Die ältere Generation, die ein Leben lang geschuftet hat, soll auch schöne Wohnungen haben." Dies sei auch die Klientel, die hauptsächlich für das Gebäude gedacht ist.

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