13.10.2021 - 15:57 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Pandemie legt Schwächen bei der Inklusion offen

Die Corona-Pandemie hat vor allem auch Menschen mit Behinderung getroffen. Beim Inklusionsgipfel in Waldsassen diskutierten die Teilnehmer über Fehler und künftige Lösungen.

Das Abschlussgespräch der vier Arbeitskreise fand in der Klosteraula statt. Mit dabei waren (erste Reihe, von rechts) Landrat Roland Grillmeier, Regierungsvizepräsident Florian Luderschmid, sowie die MdlLs Annette Karl und Anna Schwamberger.
von Josef RosnerProfil

Friedrich Wölfl sprach es klar an: „Wo waren eigentlich unsere Lobbyverbände, als die Pandemie auf dem Höhepunkt war? Ich habe von denen nichts gehört, dabei sollten doch gerade sie die Menschen mit Behinderung ganz besonders im Auge haben. Da gibt es noch Luft nach oben“, sagte er bei seinem Vortrag beim Inklusionsgipfel im Gästehaus St. Joseph in Waldsassen. Dabei diskutierten die Teilnehmer in verschiedenen Arbeitsgruppen zum Thema „Vom Glück dazuzugehören – erst recht in Pandemiezeiten“.

Die Arbeitsgruppe „Wohnen“ fasste Thomas Fehr zusammen. Bemängelt wurde dabei der Personalmangel an Fachkräften. Fehr forderte eine Nachbarschaftshilfe. „Dies machte die Pandemie deutlich. Wir brauchen Menschen, die sich einbringen und Menschen mit Behinderung gerade in diesen Zeiten unterstützen.“ Dazu gehöre auch eine Attraktivitätssteigerung von Pflegeberufen.

Schwachpunkt: Digitalisierung

Den Bereich „Arbeiten“ leitete Andrea Kraft. Sie verwies darauf, wie schwierig es ist, Menschen mit Behinderung am ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. Gleichzeitig forderte sie, dass Menschen mit Behinderung von Anfang an mit einbezogen werden, zumal diese sehr froh seien, wenn sie in Arbeitsprozesse mit eingebunden werden. Sie sprach sich dafür aus, das eventuelle Mehrkosten für individuelle Maßnahmen übernommen werden. Christina Ponader ("Freizeit und Assistenz“) mahnte mehr digitale Teilhabe an. Digitalisierung ersetze aber nicht Präsenz. Sie kritisierte die unterschiedlichen Corona-Regelungen.

Friedrich Wölfl von der Gruppe „Lernen“ bemängelte, dass bei den Maßnahmen die Förderschulen vergessen wurden. Vor allem im Bereich Digitalisierung gebe es viel Nachholbedarf. Unverständnis äußerte Wölfl im Zusammenhang mit der Schließung von Schulen, zumal wichtige soziale Kontakte damit verhindert worden seien. Die Verordnungen aus dem Kultusministerium seien schwer und oftmals kaum verständlich formuliert gewesen. Ausdrücklich lobte er den Einsatz der Lehrer, die sich gerade bei der individuellen Betreuung ihrer anvertrauten Schüler hervortaten. Ausbaufähig nannte er die Lobbyarbeit: „Hier müssten Menschen mit Beeinträchtigung einen höheren Stellenwert bekommen.“

"Hut ab vor den Mitarbeitern“

Bezirksrätin Brigitte Scharf bedauerte, dass die Menschen mit Behinderung in der Pandemie ganz besonders betroffen waren. „Gerade sie waren es, die unter Quarantäne und Isolation litten. Es waren Menschen, die oftmals vergessen wurden“. Dankbar zeigte sich Scharf, dass es Mitarbeiter in den Einrichtungen gibt, die sich dieser Menschen annehmen. „Ich hoffe sehr, dass uns dieses nicht mehr passiert und künftig das Netzwerk des Helfens besser funktioniert. Hut ab vor den Mitarbeitern“, sagte sie abschließend. Stellvertretender Lebenshilfe-Vorsitzender Franz Malzer, selbst Vater eines Kindes mit Behinderung, kritisierte, dass die Eltern während der Pandemie mit ihren Kindern allein gelassen wurden. „Unsere Kinder haben über Wochen hinweg keine sozialen Kontakte gehabt. So geht es nicht“, mahnte er. Durch die Schließungen in den Werkstätten waren die Familien zumeist alleine auf sich gestellt. Malzer forderte, dass sich die Politik diesbezüglich ändert und die Eltern der Betroffenen im Vorfeld gehört werden, ehe Entscheidungen fallen.

Landrat Roland Grillmeier sagte, dass Corona die ganze Region in Atem gehalten hat. Er habe vieles erfahren aus den Arbeitskreisen, was nicht so gut lief. Grillmeier setzte sich weiter für den Ausbau von Netzwerken ein. „Gleichwohl müssen wir mehr in die Familien hineingehen, die schließlich die Hauptlast zu tragen haben. Ziel muss ein selbstverantwortlichen Leben sein, wir müssen diesbezüglich noch vieles lernen.“.

Preis für gelungene Inklusion im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth
Friedrich Wölfl war ganz besonders enttäuscht von den Lobbyisten, die während der Pandemie abtauchten und nicht Partei für die Menschen mit Behinderung ergriffen.
Christina Ponader leitete den Arbeitskreis „Freizeit und Assistenz“. Sie war eine der Hauptinitiatoren für den Inklusionsgipfel im Landkreis Tirschenreuth, der sich mit den Folgen der Pandemie auseinandersetzte.

 

 

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