24.01.2020 - 17:29 Uhr
WaldsassenOberpfalz

"Perlentaucher 2.0" bald auf dem Stundenplan

Schon der Arbeitstitel deutet darauf hin: Ein seit Jahren bewährtes Projekt ist weiterentwickelt worden. Es wird bald zum Unterricht in der Mädchenrealschule der Zisterzienserinnen Waldsassen gehören. Die Voraussetzungen dafür sind erfüllt.

Mit den gesammelten Kräutern stellen die „Perlentaucher“ in den fünften und sechsten Klassen etwa Ölauszüge her. Sie sind Grundlage für die Naturkosmetik zur Herstellung von Salben oder Lippenbalsam.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Bei einem "besonderen Info-Abend", wie es heißt, soll das Konzept vorgestellt werden - am Donnerstag, 30. Januar, in der Aula des Klosters Waldsassen. "Die Einladungskarten sind schon draußen bei den Eltern", so Äbtissin Laeitita Fech. Zu viel will sie noch nicht verraten über den Ablauf. "Es wird etwas gezeigt vor Ort." Die Mädels, sagt die Ordensfrau, sollten einfach selber präsentieren und zeigen, was sie bisher bereits gemacht haben in der Arbeitsgemeinschaft. "Mir ist es wichtig, dass es lebendig ist." Mit dabei sein werden Schulleiterin Kerstin Reiter sowie die Leiterin der Umweltstation, Johanna Härtl. Lebendig war es in der Vergangenheit schon für Schülerinnen der fünften und sechsten Klassen, die sich bisher den "Perlentauchern" angeschlossen haben.

In der Arbeitsgemeinschaft ist den Mädchen die Bedeutung der Bewahrung der Schöpfung und der Natur und ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen vermittelt worden. Das Projekt "Perlentaucher 2.0" ist für Schülerinnen der siebten bis neunten Klassen gedacht und baut auf die in den ersten beiden Jahren gewonnenen Erkenntnisse auf. "Herzensbildung und Alltagstauglichkeit für das Leben" sei der zweite Schwerpunkt - auch als Ausgleich zu den Anforderungen, die von den Schülerinnen sonst im Schulalltag zu bewältigen sind.

Die Gesundheitsprävention ist im Bereich Sozialarbeit in den Lehrplan eingearbeitet. "Es ist ein Fach über den Unterricht hinaus", sagt die Äbtissin und nennt dabei die benediktinisch-zisterziensische Tradition. Deren Basis sei die Traditionelle Europäische Klostermedizin - kurz TEM. Diese sei eine wahre Schatztruhe, erklärt die Ordensfrau und nennt Hildegard von Bingen und Pfarrer Sebastian Kneipp.

Waldsassen

Wechsel von Ruhe und Bewegung

Davon sollen die Mädchen im neuen Wahlfach erfahren. "Die Naturerfahrung ist schon da. Das miteinander Lernen auch", sagt die Äbtissin über die Arbeit der "Perlentaucher" in den ersten beiden Jahren. Nun werde das Angebot ergänzt mit Bewegung und Begegnung und dem Wechsel von Ruhe und Bewegung. "Das ist der benediktinische Rhythmus", sagt die Äbtissin und verweist auf die wertvollen Unterbrechungen, wenn sich der Konvent fünfmal täglich zum Gebet trifft. "Das ist für uns Schwestern auch nicht immer nur Entlastung", bekennt die Ordensfrau. Aber man komme zu sich selbst. "Die Zeit gehört mir, dem Herrgott, meiner Gemeinschaft", sagt Schwester Laetitia und vergleicht dies mit den gemeinsamen Mahlzeiten in einer Familie.

Bei den Perlentauchern 1.0 stehe der Körper im Vordergrund. "Die ,Perlentaucher 2.0' legen den Schwerpunkt auf Geist und Seele", erklärt die Äbtissin und kommt dabei schnell auf die Heilkräuter zu sprechen: Was sie bewirken können für das seelische und geistige Wohlbefinden. Oder was zum Leben gehört, "dass ich mich gesund und gut fühle".

Seelen- und Herzenshygiene

Dazu gehörten auch geglückte Beziehungen - zu sich selbst, zu den Mitmenschen, zu Gott. "Die meisten Krankheiten werden von gestörten Beziehungen ausgelöst." Bei der Suche nach dem Gleichgewicht von Leib, Seele und Geist habe TEM viel zu sagen. "Das ist ein Erfahrungsschatz, über Jahrhunderte von unseren Klöstern gelebt." Dazu gehöre aber nicht alleine, dass der Leib gesund erhalten wird, "mit Wellness, Massage und vielen 1000 Kräutchen", wie die Äbtissin sagt. Auch Seelenhygiene und Herzenshygiene gehörten dazu. Und wie man mit der Schöpfung, mit den Menschen im Umfeld umgehe, wie man Gott begegne. Dahin sollen die Mädchen mit dem Projekt "Perlentaucher 2.0" geführt werden. Die Belegung der Wahlfächer wird jeweils mit einem Zertifikat bestätigt. Hintergrund

Für die Weiterverarbeitung etwa zur Naturkosmetik wird ein Ölauszug hergestellt. Die Gänseblümchen dafür haben die Perlentaucher-Kinder vorher gesammelt.
Infobox:

Kultusministerium hat Einführung des Wahlfachs genehmigt

Die Genehmigung des Kultusministeriums, wonach die Mädchenrealschule der Zisterzienserinnen Waldsassen das neue Wahlfach als erste bayerische Schule einführen darf, ist bereits vergangenes Jahr erteilt worden. Dabei ist Äbtissin Laetitia Fech besonders Landrat Wolfgang Lippert dankbar, der den Kontakt zu Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) vermittelt hat. Die vergangenen Monate sind nach den Worten von Äbtissin Laetitia Fech für die Umsetzung des Projekts genutzt worden. Eine der ersten Aktionen der Schülerinnen, die das neue Wahlfach belegen werden, ist die Anlage eines TEM-Pflanzenbeets im Frühjahr im Naturerlebnisgarten der Abtei. Zum symbolischen ersten Spatenstich wird Wissenschaftsminister Bernd Sibler erwartet, der die Mädchenrealschule und die Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen besuchen wird.

Im Schreiben des Kultusministeriums heißt es: "Aus fachlicher Sicht ist das Ansinnen, dass die Realschülerinnen die Inhalte und Methoden der europäischen Klosterheilkunde näher kennenlernen sollen, sehr begrüßenswert und durchweg positiv zu sehen. Die darin enthaltenen Themenfelder zu Gesundheit, Ernährung, Spiritualität oder Biologie sind sowohl in den fachspezifischen als auch den fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen des neuen Lehrplans für die bayerische Realschule ebenso wiederzufinden.

Die Klosterheilkunde könnte hier sicherlich den Blickwinkel auf diese Inhalte erweitern bzw. vertiefen und das Schulprofil an der Mädchenrealschule Waldsassen weiter schärfen. Der "Ausbildungslehrgang" könnte bei entsprechender Nachfrage der Schülerinnen und im Rahmen der personellen Ressourcen vor Ort aus unserer Sicht in Form eines qualifizierten Wahlfachangebots an der Schule realisiert werden. Dabei könnte auch daran gedacht werden, dass die Schülerinnen ein von der Schule ausgestelltes Zertifikat erwerben, das dem Zeugnis beigelegt werden könnte."

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