02.11.2018 - 15:59 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Mit Pfarrer nachts auf dem Friedhof

Der Bestatter sperrt das Tor ab, als die Teilnehmer im Friedhof in Waldsassen sind. Grablichter spenden kaum Helligkeit, machen die Szene unheimlich. Leute mit Kerzen in den Händen setzen sich in Bewegung. Allen voran Pfarrer Thomas Vogl.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Wir wollen das heute ganz original und vielleicht auch etwas originell begehen." So begrüßte Stadtpfarrer Thomas Vogl etwa 50 Leute. Sie waren am Mittwochabend zum Friedhof gekommen, um "Halloween - das Original", zu erleben. Vor dem Gang über den Gottesacker erklärte Vogl die eigentliche Bedeutung des Ereignisses, das vor allem im profanen Bereich viele Fans hat und mit zahlreichen Partys gefeiert wird. Was als ein meditativer Gang auf dem Friedhof für Kinder und Jugendliche geplant war, wurde zur informativen Religionsstunde auch für Erwachsene. Sie machten etwa die Hälfte der Gruppe aus.

Ursprüngliche Bedeutung

Dabei erklärte Pfarrer Vogl die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs "Halloween", der aus dem Englischen komme und von "All Hallows Eve", abgeleitet sei - was so viel bedeute wie: "Aller Heiliger Abend oder Vorabend der Heiligen vor dem Feiertag." Im christlichen Verständnis sind heilige Wesen, die Menschen anrufen können, damit sie für sie vor Gott vorsprechen.

Der außergewöhnliche Friedhofsgang begann um 19.30 Uhr, also bei stockdunkler Nacht. Den Teilnehmern bot sich allein schon aus dem Grund ein mystisches Bild: Hunderte Grablichter, die mit ihren kleinen Flammen ein Meer aus roten Lichtpunkten zauberten, die sich im leichten Wind bewegten, waren in der Hauptsache dafür verantwortlich. Dazu hatte der Himmel, wie bestellt, die Wolkendecke geöffnet und zeigte einen makellosen Sternenhimmel. "Aber einen Grund zum Gruseln gibt es nicht, weil wir ja gläubige Christen sind und wissen, dass der Friedhof kein Ort ist, an dem man sich fürchten muss. Sondern einer, an dem wir Hoffnung haben dürfen für unsere Verstorbenen und uns selber", erklärte der Pfarrer.

An sieben Stationen machte er in einer knappen Stunde die Eckpfeiler des christlichen Glaubens fest, die der aufmerksame Beobachter auf einem Friedhof findet. An jeder Station spielte Franziska Heindl ein passendes Stück auf der Querflöte.

Guter Hirte

Bei seinen Ausführungen orientierte sich der Pfarrer an der Symbolik auf Grabsteinen und Kreuzen. Etwa an der hierzulande eher seltenen Darstellung des guten Hirten. In den Katakomben in Rom, wo die ersten Christen begraben worden sind, sei sie hingegen sehr häufig zu finden. "Ein wichtiges Symbol mit der Aussage, dass Jesus jeden Gläubigen an seinem Lebensende aufnimmt und zu Gott hinträgt."

Bei der zweiten Station ging Vogl auf die Symbolik des Lichts ein. Diakon Gregor Schuller und Gemeindereferentin Gertrud Hankl teilten an die Teilnehmer Windlichter aus und entzündeten sie. Licht mache Dunkelheit, mit der oft der Tod in Verbindung gebracht werde, hell, erklärte der Geistliche. Auch Trauer sei düster. Licht könne wärmen, liefere Orientierung und die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte ist. Licht sei Symbol für Hoffnung und Zuversicht,

Auf jedem Grabstein finde sich ein Weihwasserkessel. Das Wasser erinnere an die Taufe, bei der Gott versprochen habe, dass wir ewig leben dürften. Auch sei es wichtig die Gräber mit Blumen zu schmücken, weil sie Zeichen des Lebens sowie von Dankbarkeit und Liebe gegenüber der Verstorbenen seien. Am schmiedeeisernen Kreuz am Grab des ehemaligen Bürgermeisters und Religionslehrers Hans Schraml fand Vogl viele christliche Symbole. Unter anderem ein Herz für die Liebe, die griechischen Buchstaben Alpha und Omega, für Anfang und Ende oder den Anker für festen Halt im Glauben. Das große Friedhofskreuz, das praktisch auf jedem Gottesacker zu finden sei, zeige, dass wir Menschen sterben müssen. Es sei auch Symbol dafür, dass Sterben zum Leben dazugehöre.

Ein guter Ort

Zum Abschluss des meditativen Friedhofgangs in der Aussegnungshalle sagte Pfarrer Vogl: "Wir haben den Friedhof heute als einen guten Ort erlebt, als einen der den Weg zum Himmel zeigt." Er erklärte, dass es in Lateinamerika Brauch sei, an Allerheiligen Essen und Trinken zu den Gräbern mitzubringen, um dort ein Mahl einzunehmen. Auch bei uns gäbe es ein spezielles Gebäck zu Allerheiligen. Deshalb erhielt jeder Teilnehmer am Ende der Veranstaltung ein Allerheiligenspitzl. Verteilt wurden die Köstlichkeiten von Diakon Gregor Schuller und Sven Schiml. www.onetz.de/2538320

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