12.09.2019 - 11:24 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Als die Pfarrkirche zur Basilika wurde

Die Pfarrgemeinde begeht den 50. Jahrestag der Erhebung der Stiftskirche zur päpstlichen Basilika. Die Verleihung des Ehrenranges im September 1969 hat für Waldsassen eine Art „neue Ära“ bewirkt.

Die Montage des von der Stadt Waldsassen gestifteten Bronze-Wappens über dem Portal der Kirche durch die Mitarbeiter des Städtischen Bauhofs im November 1969.
von Autor TMLProfil

Als Stadtpfarrer Geistlicher Rat Josef Wiesnet im Oktober 1958 erstmals den Gedanken an eine solche Titelverleihung äußerte, griff dies die katholische Kirchenverwaltung gerne auf. Doch wenig später traten widrige Umstände ein, die eine Realisierung verwehrten.

So setzten unter dem nachfolgenden Stadtpfarrer Martin Rohrmeier 1963 und mit intensiver Begründung 1968/1969 erneute Bemühungen von pfarrlicher und bischöflicher Seite ein, um die hohe Würdigung doch noch zu erlangen. Die kann normalerweise nur wenigen bedeutsamen Kirchen zuteil werden. Mitte September 1969 war es dann tatsächlich so weit, dass Papst Paul VI. (reg. 1963 - 1978) an seinem Sommersitz Castell Gandolfo der Bitte entsprach und seine Zustimmung dazu gab, das entsprechende Breve durch die apostolische Kanzlei ausfertigen zu lassen.

Bis dahin nur in Regensburg

Als die Nachricht am 20. September 1969 in Waldsassen eintraf, war die Freude groß und verbreitete sich die frohe Botschaft mit Windeseile im Stiftland und weit darüber hinaus. Die örtliche Presse, das Regensburger Bistumsblatt und der Pfarrbrief brachten Anfang Oktober 1969 ausführliche Meldungen über das Ereignis und seine Bedeutung, nachdem es bis dahin nur in Regensburg mit der Alten Kapelle und der Kirche St.Emmeram zwei Basiliken "minores" gegeben hatte. 1980 erhielten dann auch die Martinskirche in Amberg und 1989 die Kirche St.Jakob in Straubing diesen päpstlichen Ehrentitel. In der Klosterstadt bildete sich Anfang Oktober 1969 unter der Leitung von Stadtpfarrer Rohrmeier mit allen Verantwortlichen in der Pfarrei ein Festausschuss, um alle weiteren Schritte zu beraten und die Feierlichkeiten zur Basilika-Erhebung am 23. November 1969 zu organisieren. Dabei wurden Einladungen versandt und trafen von allen Seiten Grußworte und Glückwünsche ein.

Siegel mit Papstwappen

Der neue Rang der Stiftskirche sollte nun auch optisch sichtbar gemacht werden. So erhielt das Pfarramt ein neues Dienstsiegel mit dem Papstwappen, die Kreis- und Stadtsparkasse Waldsassen ließ Erinnerungs-Medaillen herstellen.

Bürgermeister Franz Fischer kümmerte sich darum, dass das päpstliche Wappen in Bronze - als Geschenk der Stadt Waldsassen - vom Bildhauer Günter Rossow aus Wunsiedel gestaltet - wenige Tage vor der Feier vom Bauhof über dem Basilika-Portal montiert wurde. Inzwischen war auch das von der päpstlichen Kanzlei am 15. September 1969 erteilte Breve als förmliche Urkunde in Waldsassen eingetroffen, versehen mit dem Siegel des Papstes und vier Unterschriften von Würdenträgern.

Um die Gläubigen auf die große Feier einzustimmen, initiierte Stadtpfarrer Rohrmeier als eifriger Seelsorger vorab vom 7. bis 23. November 1969 eine Volksmission mit drei Franziskaner-Patres, die gleichzeitig auch als Gebietsmission für die Pfarreien des Dekanats stattfand. Den Auftakt dazu bildete eine Sternprozession in Waldsassen und die feierliche Aussendung der Missionare durch Weihbischof Karl Flügel im Auftrag des Diözesanbischofs am 7. November. Die förmliche Feier folgte dann am Sonntag, den 23. November: Zahlreiche hohe Persönlichkeiten aus Kirche und Staat hatten sich eingefunden, an ihrer Spitze der Regensburger Bischof Rudolf Graber, Zisterzienser-Generalabt Sighard Kleiner aus Rom, Ministerpräsident Alfons Goppel und Regierungspräsident Ernst Emmerig.

Predigt als Sonderdruck

Das Pontifikalamt mit der "Cäcilienmesse" wurde musikalisch gestaltet vom Basilikachor und dem Hofer Symphonie-Orchester unter der Leitung von Anton Zimmert. Die Predigt von Bischof Rudolf Graber erschien später auch als Sonderdruck.

Nach der kirchlichen Feier trafen sich die Repräsentanten aus der Politik sowie die Geistlichkeit im Kloster und die anderen Ehrengäste im Altenheim St.Martin zum Mittagsmahl. Am frühen Nachmittag folgte eine Kundgebung mit dem Ministerpräsidenten, dem Regierungspräsidenten und Landrat Otto Freundl im Katholischen Jugendheim. Am Nachmittag stand ein exzellentes Konzert in der Basilika auf dem Programm, ausgeführt vom Basilika-Chor, dem Hofer Symphonieorchester und Solisten aus München unter der Gesamtleitung von Anton Zimmert mit Werken von Bach, Mozart, Haydn und Händel. Nachdem das Fest vorüber war, rüstete man sich im Frühjahr 1970 in Waldsassen, um dem Heiligen Vater mit einer Rom-Wallfahrt den Dank für die Ehrung abzustatten. An der Fahrt zu Pfingsten 1970 beteiligten sich rund 250 Gläubige, wobei sich der Basilika-Chor mit dem Bus und die übrigen Teilnehmer mit dem Zug auf den Weg machten.

Sonderaudienz

Durch die Vermittlung des Regensburger Bischofs hatte man am 20. Mai 1970 eine Sonderaudienz bei Papst Paul VI. im Petersdom erhalten, wo auch Geschenke und eine namhafte Spende zur Linderung von Hunger und Krankheit in der Welt überreicht wurden. Inzwischen sind nahezu fünf bewegte Jahrzehnte ins Land gezogen. Dabei wurde das jeweils runde Jubiläum der Basilika-Erhebung im Rahmen der Erinnerungskultur mehrfach begangen.

Insbesondere wurde auch das pfarrliche Leben im Laufe des Kirchenjahres stets eindrucksvoll und angemessen gestaltet und ist der Basilika-Chor in all den Jahren seiner hohen Aufgabe vielfältig gerecht geworden, die Kirchenmusik zu pflegen und zur größeren Ehre Gottes erklingen zu lassen. Hintergrund

Bei der Gottesdienstfeier am 23. November 1969, als Stadtpfarrer Martin Rohrmeier das päpstliche Breve verliest.
Der Einzug der Waldsassener Rompilger zum Papst-Empfang am 20. Mai 1970 im Petersdom, an der Spitze Landrat Otto Freundl und Stadtpfarrer Martin Rohrmeier (1906 – 1990), der im Dezember 1970 zum päpstlichen Ehrenprälat ernannt wurde.
Hintergrund:

Mehrere Anläufe zum Ehrentitel

Nachdem Stadtpfarrer Josef Wiesnet mit der Kirchenverwaltung am 23. Oktober 1958 den Basilika-Antrag beschlossen hatte, ist Wiesnet leider schon am Tag darauf - also am 24. Oktober - durch einen Herzinfarkt verstorben. Im Jahre 1961 starb sein Freund, Erzbischof Dr. Buchberger in Regensburg. Damit ruhte das ganze Projekt für einige Jahre. Daher mussten die "neuen Männer" erst mit dem Problem vertraut gemacht werden, also Stadtpfarrer Rohrmeier und ab 1962 der neue Bischof Dr. Rudolf Graber. 1963 starb dann auch noch Papst Johannes XXIII. und kam mit Paul VI. ein neuer Papst.

Inzwischen war auch das Konzil im Rom im Gang und die Amtskirche hatte "andere Sorgen", wie Stadtheimatpfleger Robert Treml auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mitteilt. So richtig Fahrt nahm das Projekt eigentlich erst 1968 auf, als Schulrat Hans Haberkorn als Vorsitzender des neugebildeten Pfarrgemeinderats einen neuen, fundierten und begründeten Antrag formulierte und sich Bischof Dr. Graber diesem 1969 anschloss. (tml)

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